PRO UND CONTRA

Soll das Silvester-Feuerwerk erlaubt werden?

Der Kreistag Vorpommern-Greifswald wird sich mit dem Thema Silvester-Feuerwerk beschäftigen müssen. Sollte das Böllern verboten werden? Da gehen die Meinungen unserer Redakteure Robin Peters und Philipp Schulz auseinander.
Böllern oder nicht böllern? Diese fast schon emotionale Frage wird der Kreistag Vorpommern-Greifswald während s
Böllern oder nicht böllern? Diese fast schon emotionale Frage wird der Kreistag Vorpommern-Greifswald während seiner voraussichtlich letzten Sitzung in diesem Jahr im Dezember beantworten müssen. EKH-Pictures – stock.adobe.com
Ueckermünde.

Böllern oder nicht böllern? Diese fast schon emotionale Frage wird der Kreistag Vorpommern-Greifswald während seiner voraussichtlich letzten Sitzung in diesem Jahr im Dezember beantworten müssen. Dabei spielt auch Corona eine Rolle. Doch wer will das Knallen überhaupt verbieten? Da gehen die Meinungen unserer Redakteure Robin Peters und Philipp Schulz auseinander.

Robin Peters meint: Schlechter Zeitpunkt!

Ein striktes Feuerwerk-Verbot käme jetzt zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Viele Menschen fühlen sich schon durch die Maskenpflicht und Kontaktbeschränkungen bevormundet. Was kommt als Nächstes? Werden bald Küchenmesser und Scheren einkassiert, weil sich damit regelmäßig einige Unvorsichtige verletzen und Krankenhausbetten blockieren? Die Bürger haben der Politik zuletzt viel Vertrauen geschenkt.

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Sie haben Einschnitte des täglichen Lebens in Kauf genommen, weil sie durchaus an ihren Nutzen im Kampf gegen die Pandemie glauben. Nun ist es an der Zeit, den Menschen etwas zurückzugeben – ihnen einen gewissenhaften Umgang mit Knallkörpern zuzutrauen. Fahrlässiges Böllern ohne Rücksicht und Eigenschutz ist schließlich auch ohne ein generelles Verbot schon immer tabu gewesen. Wer sich bislang darüber hinwegsetzte, wird sich an keine schärferen Behörden-Anweisungen halten. Nur darf in diesem Moment der Zurücknahme vor allem den Kindern nicht generell jedes Fünkchen Spaß, Schauwert und Lebensfreude genommen werden.

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Philipp Schulz meint: Teures, kurzes Vergnügen

Die klassischen Pro-Argumente sind wie der Böller selbst: laut und nur für das ganz kurze „Vergnügen“. Wenn Tierschutz, Verletzungs- und Brandgefahr, Feinstaubbelastung und die des eigenen Geldbeutels nicht reichen, um Menschen vom Böllern im privaten Kreise abzubringen, dann soll nur eine Frage beantwortet werden: Wie viele in der Feierrunde zum neuen Jahr haben wirklich Spaß an dem, was rund um 12 Uhr passiert?

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Es ist oft nass, noch öfter kalt und für fast alle Beteiligten mit Stehen, Warten und Frieren verbunden. Selbst derjenige, der sich an der überteuerten Batterie und den Raketen im Zehner-Pack versucht, hat schnell schmerzende Hände vom Feuerzeug und ein Zwicken im Rücken vom Bücken. Wenn es dann auch noch nur knallt und nicht leuchtet, ist das Ganze noch sinnloser. Nein. Wer wirklich erklärt, es erfreue ihn schlicht, die bunten Farben zu sehen, der soll sich für ein organisiertes, professionelles Feuerwerk einsetzen. Für das Knallen im eigenen Garten gibt es keine Argumente.

Ohne Feuerwerk ins neue Jahr?

Vorpommern. Der Kreistag wird voraussichtlich am 7. Dezember darüber entscheiden müssen, wie laut und bunt das diesjährige Silvesterfest in Vorpommern-Greifswald sein wird. Die beiden fraktionslosen Kreistagsmitglieder der Tierschutzpartei, Robert Gabel und Anja Hübner, haben einen Antrag eingebracht, der bereits im Sozialausschuss diskutiert wurde und der bei der bloßen Nennung zahlreiche Emotionen hervorruft: "Feuerwerksverbot an Silvester“ 

Wie dieses nach den Vorstellungen der Tierschutzpartei im Landkreis ausgestaltet werden könnte, legen die beiden in drei Punkten dar: Zum einen solle Landrat Michael Sack (CDU) gemeinsam mit Greifswalds Bürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne) ein Verbot „von Silvesterfeuerwerk mit ausschließlicher Knallwirkung“ erwirken. Zweitens werden die Gemeinden aufgefordert, die bereits bestehenden bundesweiten Feuerwerksverbote, wie sie etwa in der Nähe von Altenheimen, Kirchen und Krankenhäusern bestehen, aktiv zu bewerben und durchzusetzen. Zuletzt solle der Kreistag selbst einen Appell an alle Einwohner des Landkreises aussenden, auf Silvesterfeuerwerk weitgehend zu verzichten. Es geht also gar nicht um das gesamte Feuerwerk, sondern nur um Böller, die laut sind und nicht bunt leuchten. Während der Sozialausschuss mehrheitlich gegen die ersten beiden Punkte der Tierschützer stimmte, traf der letzte Punkt auf die wohlwollende Zustimmung der Ausschussmitglieder. 

Einen Appell gegen Feuerwerk kann man sich also vorstellen. Warum? Zunächst: Die Argumentation geht über das bekannte Maß hinaus. Während bei vergangenen Diskussionen vor allem mit der Verletzungsgefahr, den möglicherweise entstehenden Sachschäden sowie dem Tierschutz argumentiert wurde, kommt die Debatte in diesem Jahr nicht an Corona vorbei. Die Niederlande haben bereits aus Angst vor überfüllten Kliniken und einem Kollaps des Gesundheitssystems kurzerhand das Böllern zu Silvester verboten. Argumentiert wurde das Verbot mit der Logik, dass Corona-Patienten und Feuerwerksgeschädigte zu viel wären. Ein Punkt, dem man am Greifswalder Klinikum nicht folgen kann. Auf Nordkurier-Nachfrage heißt es: „Erfahrungsgemäß werden jährlich an Silvester einige wenige Personen mit Verletzungen durch Feuerwerkskörper vorstellig. Meist wird in diesen Fällen OP-Kapazität benötigt, die Kapazität der Intensivstation praktisch nie“, so Klinikumssprecher Christian Arns. Auch in Ueckermünde ist man sicher, den Patienten auch in diesem Jahr gerecht zu werden.

Doch auch mit Platz in den Krankenhäusern – zumindest in einigen Teilen des Kreises könnte es am 31. Dezember leise bleiben. Die Stadtverwaltung Greifswald hat bereits eine Umfrage unter den Greifswaldern durchgeführt. Demnach sprechen sich 51 Prozent der knapp 2000 Teilnehmer für Einschränkungen beim Böllern aus. Die Kompetenz, Verbote durchzusetzen, liegt jedoch beim Landkreis.

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