ANGST IM WALD

▶ Spaziergängerin mit Hund wird von Wölfen verfolgt

Martina Günter liebt Waldspaziergänge mit ihrem Hund. Damit ist jetzt Schluss: Bei ihrem jüngsten Fußmarsch ist die Frau aus Zarowmühl bei Ueckermünde von mehreren Wölfen verfolgt worden.
Dieses Schild bei Zarowmühl macht Spaziergänger darauf aufmerksam, dass es hier durchaus zu einer Begegnung mit W&ou
Dieses Schild bei Zarowmühl macht Spaziergänger darauf aufmerksam, dass es hier durchaus zu einer Begegnung mit Wölfen kommen könnte. Martina Günter geht gern spazieren. Allein in den Wald wird sie sich nun allerdings nicht mehr trauen. Fotos (2): ZVG ZVG
Ueckermünde ·

Nein, als Angsthase würde sich Martina Günter aus Zarowmühl bei Ueckermünde wirklich nicht bezeichnen. Aber jetzt ist es soweit: Allein mit ihrem Hund in den Wald wird sich die taffe Frau ab sofort nicht mehr begeben. Was schade ist, denn: „Ich liebe lange Waldspaziergänge und bin oft stundenlang unterwegs“, sagt die Betreuungsfachkraft, die genau dort, im Wald bei Zarowmühl, eine unheimliche Begegnung hatte. Die Erinnerung daran treibt immer noch ihren Puls in die Höhe.

„An dem Tag hat der große Wald seine Unschuld für mich verloren“, sagt sie und meint das, was sie sagt, auch genauso. Denn bisher fühlte sie sich sicher auf den Wegen im Naherholungsgebiet, da, wo täglich auch andere mit ihren Hunden „Gassi“ gehen und Familien wandern.

Wölfe waren hinter Rotwild her

„Ich war mit Anton, meinem Hund, von Zarowmühl aus in Richtung Barenkuhl unterwegs, auf dem Sandreitweg“, erinnert sie sich. Kurz vor dem Abzweig Barenkuhl bog sie rechts in Richtung Mönkebude ab und verspürte plötzlich diese Unruhe im Wald. „So etwa 50 bis 70 Meter vor mir rannte Rotwild über den Weg – gejagt von fünf bis sechs Wölfen“, berichtet die Spaziergängerin, die ihren Augen zunächst gar nicht trauen wollte. Sofort seien einige Wölfe zurückgeeilt, hätten in ihre Richtung geschaut, seien näher gekommen und hätten Neugier zeigten.

„Mir wurde angst und bange“, sagt Martina Günter. „Ich habe dann die Hundeleine geschwungen und gebrüllt, bis die Wölfe zurückgewichen sind.“ Natürlich gingen der Hundebesitzerin sofort viele Dinge durch den Kopf. „Ich war viel zu weit weg von zuhause, konnte mich nirgends in Sicherheit bringen. Angst um meinen Hund hatte ich auch.“

So schnell wie möglich aus dem Wald raus

Die Wölfe wichen nach ihren Schreien zwar etwas zurück, aber blieben permanent in ihrer Nähe. „Ich habe dann zwar nur drei Wölfe gesehen, die zurückgekommen sind, aber wer weiß, vielleicht waren die anderen auch längst schon wieder in der Nähe und beobachteten mich“, sagt sie. Die Zarowmühlerin ging dann langsam in die entgegengesetzte Richtung. „Ich wollte so schnell wie möglich raus aus dem Wald, aber ich habe versucht, nicht zu rennen.“ Ein Blick zurück verriet ihr, dass die Wölfe hinterherkamen.

Irgendwann erreichte sie den Deich und begab sich strategisch von Hochstand zu Hochstand, auf die sie sich notfalls hätte in Sicherheit bringen können. „Ich mag Wölfe, und ich möchte keine Panik verbreiten, aber jeder sollte wissen, dass sie plötzlich auftauchen können“, mahnt Martina Günter.

Wolfsbeauftragter: Wolfssichtungen können gemeldet werden

Was tun, wenn einem so etwas widerfährt? Auf alle Fälle sollten Wolfssichtungen gemeldet werden. Was aber kein Muss ist, wie Torsten Dinse sagt, einer der Wolfsbeauftragten aus der Uecker-Randow-Region. „Das muss jeder für sich selbst entscheiden“, sagt er. Manche fürchten, dass nach solchen Meldungen – auch über Spuren oder Risse an Nutztieren – Mehrarbeit auf ihn oder sie zukommt. Auf alle Fälle könnten solche Meldungen helfen, mehr über Wölfe, ihre Zahl und anderes zu gewinnen. „Wobei sich nicht jede Sichtung als Wolfssichtung entpuppt“, sagt Dinse. Bei gerissenen Nutztieren seien nicht nur Wölfe am Werk und machten sich über so ein Beutetier her, sondern zum Teil auch Hunde.

Mehr lesen: Einwohner melden einen Wolf im Ort

Wer mehr Informationen möchte oder seine Beobachtungen an Fachleute weitergeben will, der kann sich auf der Internetseite www.wolf-mv.de fachkundig machen.

Nach ihrem Erlebnissen appelliert Martina Gunter an alle, die ebenfalls Wölfe beobachtet haben, dies unbedingt zu melden. Schon, um mögliche gefährliche Waldgebiete genau benennen und damit die Gefahr für Spaziergänger minimieren zu können. Jede Meldung ist wichtig, denn Torsten Dinse beispielsweise hatte von dem Vorfall bei Zarowmühl noch keine Kenntnis.

Jetzt ansehen: ▶ Plötzlich stand ein Wolf vor dem Fenster

In der Region gibt es mehrere Rudel und auch einzelne Wölfe.
In Vogelsang-Warsin stand dieser Wolf im letzten Jahr mitten im Garten:

[Video]

 

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Ueckermünde

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Kommentare (39)

Wolfsfreunde und -Experten behaupten immer wieder, der Wolf wäre ein scheues Waldtier. Dabei war er immer schon ein Kulturfolger, wie wir gerade erleben. Und so wird es weitergehen, wenn nicht endlich Vernunft einkehrt.

Solange Eisbären keinen Hunger haben, sind Eisbären scheue Tiere. Solange Löwe satt ist, ist es das friedfertigste Tier dösend in der Savanne.

Sich auf eigene Gefahr in ein ausgeschildertes Wolfsgebiet zu begeben ist der Sache nach unweigerlich mit dem Risiko behaftet auf Wölfe zu treffen.

Mir ist unbegreiflich wie es in der Folge passieren kann sich entgegen aller Verhaltensregeln nicht abzusichern und sich darüber noch erschrocken zu zeigen.

Die Fotos gehören nicht zu dem betreffenden Wald, das Copyright zvg verrät es. Sie sind lediglich NK-Artikelschmuck. Im NK-Artikel steht, es sei ein Naherholungsgebiet. Naherholungsgebiet gilt nicht für Wölfe bzw. Naherholungsgebiet und Wölfe sind nicht vereinbar.

Berichtigung: anscheinend doch zum Wald passend. Dann ist nur der zweite Teil meines Textes zutreffend.

Und die Wölfe wissen natürlich genau dass sie sich nur in einem Wolfsgebiet aufhalten dürfen?

genauso, wie die Menschen sich natürlich nicht nur in Städten, Dörfern, Siedlungen aufhalten...

👍

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Die Dame hat ja vorgemacht, wie man sich verhalten sollte, wenn man sich in ein Gebiet begibt, in daß Wölfe eingezogen sind.
Halten sich die Menschen an die Regeln, wird auch nichts passieren.
Natürlich bekommen viele erst einmal einen gehörigen Schreck.
Ansonsten bleibt ja auch der Ausflug in den Stadtpark.
Die Mehrheit der Gesellschaft will doch wieder mehr Natur und weniger kultivierte Forst-Agrar Flächen.
Da muss man die Wildnis in Kauf nehmen und sich eben auch damit auseinander setzen.
Das gleiche gilt für andere heimische Wildtiere wie Adler, Biber, Luchs uns in Thüringen sogar wieder der Schakal

Naturromantik pur. So hat das Märchen vom „Bösen Wolf“ einen wahren Hintergrund, im Mittelalter wurden oft Kinder von Wölfen verschleppt. Das Mittelalterliche Kriminalmuseum in Rothenburg ob der Tauber hat das eindeutig nachgewiesen. Tausende Menschen sind so ums Leben gekommen. Das war auch einer der Gründe, warum der Wolf aus der Nähe des Menschen vertrieben wurde. Auch heute gibt es noch Angriffe auf Menschen. https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_wolf_attacks

eigentlich auch eine Liste, in der Angriffe der domestizierten Art, der "Haushunde", festgehalten sind?

viel Glück dazu, selbst in einem Wolfsgebiet, einen Wolf zu Gesicht zu bekommen. So müssen sich selbst ausgesprochene Kenner und Liebhaber der Wolfsszene, monatelang mit Spuren und Losung (Exkremente) zufriedengeben. Wildkameras an entsprechenden Positionen helfen bei der Identifizierung der einzelnen Wölfe. Obwohl ich selbst in einer Region wohne, wo Wölfe heimisch sind, ist es mir bei meinen häufigen Waldspaziergängen noch nicht gelungen, einen Wolf zu sichten. Dazu muß ich mich in den Wildpark Schorfheide begeben. Konkrete Angriffe auf Menschen sind in Mitteleuropa nicht bekannt, auch nicht in der "List Of Wolf Attacks". Hier wird ein Angriff auf eine Schafherde beschrieben, der sich 2020 in der Nähe von Soltau abgespielt haben soll. Es verwundert immer wieder, daß viele abenteuerliche Geschichten nicht durch Bildmaterial oder Zeugen bewiesen werden können, obwohl Telefone oder Smartphones zum Herbeirufen von Hilfe dabei hatte. Weiterhin schadet es der Glaubwürdigkeit, wenn dasselbe Bild oder der Videoclip, wie in der jüngsten Vergangenheit geschehen, wochenlang in dem Medien erscheint, ohne daß die Urheberschaft bekannt ist. So wird zweifellos die Häufigkeit der Sichtungen vervielfacht, wenn als Entstehungsort einmal Feldberg, dann wieder Wittstock und noch andere Orte genannt werden. Niemand zweifelt an, daß es Angriffe auf Wild und Schafe oder andere Tiere gegeben hat und geben kann. Allerdings zeigen die genaueren Untersuchungen, daß in der Mehrzahl der Fälle nicht Wölfe die Bestien waren, sondern der "beste Freund des Menschen". Mit etwas Naturverständnis und einem vernünftigen Management, sollte auch Platz für den Wolf in unserem Land sein.

"Konkrete Angriffe auf Menschen sind in Mitteleuropa nicht bekannt."
Warum wohl? Vielleicht weil es hier einfach zu wenig Wölfe gibt? Überall auf der Welt wo Wölfe häufig sind, gibt es auch Übergriffe auf Menschen. In Asien und Nord-Amerika z.B. Und wenn der Wolf erst mal gelernt hat, dass er keine Angst vor Menschen haben muss, dann wird er sich den Menschen immer mehr annähern, so wie wir das heute erleben. Und dann, Gott behüte, wird es auch zu Übergriffe kommen.

Oh man.
Wenn man im Wolfsgebiet mit seinem Hund spazieren geht, sollte man sich VORHER über die Verhaltensregeln im Gebiet und bei einer Begegnung informieren. Sowie sich an Regeln halten. Und seinen Hund anleinen.
Das Wölfe neugierig sein können, würde man dann wissen. Und das Wölfe einen folgen ist nichts schlimmes, sie gucken nur ob derjenige ihr Revier verlässt.

Gnah, keine Ahnung und dann hetzten und Panik verbreiten.

Soll sie mal froh sein,das keine Wildschweine den Weg gekreuzt haben und die zwei als Bedrohung angesehen haben.

zu den ganz Schlauen in diesem Forum.
Wir "sollen froh sein", dass uns kein Wolf frisst, keine Wildschweine den Weg kreuzen, kein Baum auf den Kopf fällt, wir über keine Ringelnatter stolpern oder in der Stadt vor's Auto laufen.
Wir sollten in erster Linie Vernunft walten lassen und auf das hören, was uns schon von Alters her gelehrt wurde:
Ein vernünftiger Umgang miteinander (dazu gehört auch: andern nicht wegen jeder Kleinigkeit "Hetze" zu unterstellen), ein vernünftiger Umgang mit der Natur (dazu gehört auch, ein zu groß werdendes Risiko durch geeignete Eingriffe zu minimieren).
Ich wohne in der Nähe von Berlin und habe die Erfahrung machen müssen, dass die größten Naturfreaks und Wolfsfreunde mitten aus der Hauptstadt kommen und leider überhaupt keine Ahnung vom Leben auf dem Lande, von Tierhaltung und Landwirtschaft haben.
Es ist wirklich oft so, dass sie gern eine Boulette essen oder ein Hühnerbeinchen, beim Schlachten aber sofort in Ohnmacht fallen.
Alles - auch der Wolf - wird vermenschlicht und romantisiert und vor der nicht immer schönen Wirklichkeit werden die Augen verschlossen.
Der Wolf ist ein Raubtier, heute sagt men verniedlichend "Beutegreifer" (hört sich ja auch ein bisschen an wie Kinderspiel).
Ich singe keine Loblieder darauf, dass er "endlich" wieder bei uns ist, würde ihn aber so lange gewäöhren lassen, wie er Siedlungen nicht auf Dauer zu nahe kommt. In solchem Fall aber würde ich ihn mit aller Konsequenz jagen.

... und ich würde bei mir bekannt werdenden Straftaten als Verstoß gegen § 44 Bundesnaturnaturschutzgesetz, also dem illegalen eigenmächtigen Bejagen von Wölfen, nicht zuschauen, sondern diese Tat - wie jede andere kriminelle Handlung - den Strafbehörden zur Anzeige bringen.

Da Sie die Boulette und Hühnerbeinchen angesprochen haben - nein, diese Tiere sind auch nicht bis zu ihrem natürlichen Tod auf dem Hof geblieben und an Altersschwäche gestorben, sondern wurden wie eine Ware in einem Produktionsbetrieb erzeugt, gemästet, geschlachtet, zerlegt und finanziell verwertet. Die letzten Bilder von massiven Tierschutzverstössen in verschiedenen Schlachthäusern und z. B. Puten- und Schweinemastbetrieben eignen sich gerade nicht dazu, sich als Mensch über ein Wildtier zu stellen, dessen ökologische Aufgabe es ist, Wildtierbestände durch Auslese von überzähligen, alten und schwachen Beutetieren zu regulieren und fit zu halten. Bei den angesprochenen Videos oder Bildern der unsäglichen Schlachttiertransporte in Drittländer außerhalb der EU muss man sich doch die Frage stellen, ob ein Schaf, dessen Bestimmung es ohnehin ist, in absehbarer Zeit zum Nahrungserwerb getötet zu werden, lieber relativ schnell durch einen Kehlbiss innerhalb der vertraueten Herde auf der heimischen Weide ums Leben kommen würde oder nach einem mehr oder weniger langen Schlachttiertransport und je nach finaler Destination mit oder ohne Betäubung in einer beängstigenden, völlig ungewohnten Umgebung durch einen Kehlschntt ausbluten muss. Die Erzeugung von Hühnerbeinen und Bouletten ist ebensowenig "romantisch" wie ein Wolfsriss - aber dem Menschen als Allesfresser stehen genügend pflanzliche Alternativen zur Verfügung, wenn man sich denn ernsthaft um das Schicksal der Nutztiere sorgt. Wer sind wir denn, dem Wolf vorzuwerfen, was wir Menschen (meist noch grausamer, aber hinter verschlossenen Türen)industriell und kommerziell betreiben?

dame hat sich völlig richtig verhalten !!!
der wolf jagt im rudel und die vorhut hat sicher ihre spur aufgenommen nicht umsonst sind sie hinterher
Ich bin selber besitzer von zwei rottweiler und wir gehen oft in den wald spazieren
wenn es hart auf hart kommt müssen die rottis von der leine und ich selber werde dann nicht untätig sein ...
ABER wir haben den wolf verdrängt mit unserem nutzbar machen von land wald und seen

Wer gewohnheitsmäßig stundenlang allein durch den Wald streift, ist kein Parkspaziergänger, sondern begibt sich in andere Bereiche mit anderen Gegebenheiten. Dazu gehören nun mal Tiere. Soll ja vorkommen im Wald. Gut, dass es kein verwundetes oder aufgescheuchtes Wildschwein war oder gar eine Rotte, die sich durch den Hund als "angreifendes" Tier gestört fühlte. Die Wölfe sehen im Menschen keine Beute, allenfalls interessiert der Hund- weil auch Wölfe neugierig sind, so wie es gut beschrieben war im Artikel. Das Frühjahr kommt und mit ihnen die Bachen mit ihren Frischlingen. ->GEFAHR, der Wald ist gefährlich!! Niemals betreten oder alle Tiere abknallen? Oder wachsam mit Hund in Leinennähe, Kindern in paar Metern Abstand, rufbereit, Handy dabei. Frau Günter hat trotz des nachvollziehbaren Schreckes gut reagiert, Respekt. Und das Glück gehabt, einmal Wölfe in freier Natur zu sehen. Ich beneide sie darum.

...brauch sie nicht und war mit der Lösung wie zu DDR Zeiten sehr zufrieden. Nun ja...."nun sind sie halt da" :-)

Die Wölfe brauchen uns nicht.
Wir haben ihren Lebensraum verändert, eingeschränkt.
Wenn Sie aus Ihrer Wohnung verdrängt würden und wiederkämen dorthin, wo sie lebten und dann....? Sehen Sie es ein und ziehen an den Nordpol, weil da grad noch Platz ist?

„Die Wölfe brauchen uns nicht.“
Das stimmt natürlich, allerdings waren sie immer schon Kulturfolger. Sie suchen die Nähe des Menschen, weil es dort leicht erreichbare Beute gibt. Es gibt aber genügend Gebiete auf der Erde wo sie leben können ohne Schaden anzurichten. Und da der Wolf nicht, wie gerne behauptet wird, vom Aussterben bedroht ist, ( laut WWF und IUCN Status: ungefährdet) gibt es keinen vernünftigen Grund warum wir es zulassen sollten, dass er sich in dicht besiedelten Gebieten ausbreitet, mit allen absehbaren Folgen.
Nun ist der Wolf hier auch ein Wirtschaftsfaktor, die Wolfsexperten, Tierfilmer, Rissgutachter und unterbeschäftigte Biologen müssen auch von etwas leben. Und das Fernsehen freut sich über schöne Bilder.
Aber was wäre wenn ein großes Raubtier in die Städte zieht, über Gartenzäune springt und Katzen und Hunde reißt? Wird dann auch empfohlen die Zäune zu erhöhen und sich Kampfhunde anzuschaffen? Wahrscheinlich hätten wir dann eher eine ganz andere Diskussion.

wird der Wolf in die kälteren Gefilde im Norden auswandern.
Dafür werden hier dann Löwen und Hyänen sesshaft.
Glauben sie nicht?
Abwarten, alles eine Frage der Zeit.
Aber wenn dann noch die Krokodile kommen … dann bin ich weg, zu den Wölfen.

schon lange selbst in den ewigen Jagdgründen...
Scheint mir wahrscheinlicher...

https://youtu.be/SKyiVHVImvU

"Angst im Wald", "hat der große Wald seine Unschuld verloren", "mögliche gefährdete Waldgebiete", "Gefahr" sind nur einige der Stichwörter, aus denen hier Angst gestrickt wird. Dazu das verschwommene Schild (suggeriert Hektik, schnelle Bewegung) mit einer ebenso fachlich nicht begründbaren Warnung "Achtung Wolfsgebiet - Betreten nur in Gruppen". In Niedersachsen leben wir seit rund 10 Jahren mit den Wölfen, in Sachsen seit 20. Viele Schauergeschichten von Knabberwölfen und angeknabberten Friedhofsgärtnern hielten fachlichen Überprüfungen nicht stand. Der immer wieder durch die Medien gepushte "erste Angriff auf einen Menschen" fand hier mindestens drei Mal statt, und war am Ende doch immer keiner. Jede Fahrt mit dem Auto oder Überquerung einer Straße birgt höhere Risiken als ein Waldspaziergang im Wolfsgebiet.

Ich bin selbst täglich allein mit Hund im Wolfsgebiet unterwegs und das angebliche Interesse seitens der Wölfe an Fußgängern ist schlicht nicht vorhanden. Die Ängste der Frau mögen ja real empfunden sein, einen tatsächlichen faktischen Grund dafür gibt es aber nicht. Viele Menschen haben auch individuell Flugangst, obwohl Fliegen eine der sichersten Reisearten darstellt - weitaus sicherer als die Fahrt mit dem Auto, in das dieselben Menschen täglich arg- und bedenkenlos einsteigen.

Die Ängste mancher Bewohner insbesondere in Gebieten, in denen sich Wölfe gerade erst etablieren, liessen sich durch sachliche Information nehmen - leider hat man bei manchen Medien das Gefühl, dass genau das nicht das Ziel ist. Akteure bestimmter Interessengruppen forcieren die Panikmache.

Die Forderung des Waldeigentümers oder Jagdpächters, der für das Schild verantwortlich ist, das Wolfsgebiet "nur noch in Gruppen" zu betreten, ist sachlich absolut unbegründet und dient vieleicht eher dem Zweck, unliebsame Menschen aus dem Wald fernzuhalten oder dem Interesse, eine Gefährdung von Menschen durch Wölfe zu konstruieren, um Druck für eine Aufnahme ins Jagdrecht zu machen. Ich finde es unlauter, mit den Ängsten von Menschen zu spielen, um eigene Interessen durchzusetzen.

"Ich bin selbst täglich allein mit Hund im Wolfsgebiet unterwegs "
Ich wünsche Ihnen viel Glück, aber lassen Sie das lieber. Und Sie sollten sich mal informieren, bevor Sie so einen Unsinn verbreiten. Angriffe von Wölfen auf Menschen kommen immer noch vor, allerdings nur dort, wo Wölfe noch häufig vorkommen. Was glauben Sie was passieren könnte, wenn die Wölfe sich hier weiter verbreiten?

Lieber hdeman_260281,
ich lebe jetzt seit rund 10 Jahren im Wolfsrevier. Nachdem sich das erste Wolfsrudel niedergelassen hat, folgten in den Jahren weitere im Umland. Da die Wölfe aber abwandern, werden es vor der eigenen Haustüre nicht mehr Wölfe. Und da die Reviere gut 250 km² - 350 km² groß sind, ist die Chance auf das Aufeinandertreffen eines Einzelnen mit einem Wolf auch entsprechend gering. Da aber auf ein Wolfsrevier bis zu 100 menschliche Jagdreviere kommen, sehen ggf. viele Jäger Wölfe und addieren diese fälschlicherweise auf, obwohl es sich immer um dasselbe Rudel handelt. So gibt es "gefühlt" mehr Wölfe als tatsächlich vorhanden sind. Wenn sich die Wölfe in der gesamten Bundesrepublik in der Fläche ausbreiten, hat das für Sie persönlich in Ückermünde oder anderswo keinerlei Auswirkungen - von dem neu ansässigen Wolf irgendwo in Baden-Württemberg oder NRW sind Sie persönlich ja nicht betroffen.

Die vielgepriesene Bejagung als vermeintlich einfache Lösung ist Augenwischerei, denn die wenigen Angriffe, die es in den 70er Jahren in Europa gab, fanden in bejagten Populationen statt- und unter Voraussetzungen, die es heute in Deutschland nicht mehr so gibt. In Schweden, wo die Wolfsjagd seit 2010 als Quoten- und als Schutzjagd zugelassen ist, gibt es trotzdem weiter immer wieder dieselben Diskussionen und gerichtlichen Klagen, weil Wölfe nun einmal den Lebensraum mit Menschen teilen und deren Strukturen nutzen. Dass sie durch die Jagd "scheu" würden, ist ein Märchen. Um einzuschätzen, ob es sich bei Wolfsverhalten um auffälliges Verhalten handelt,gibt es einen Leitfaden, den das Bundesamt für Naturschutz herausgegeben hat (Skript 502): "Konzept zum Umgang mit Wölfen, die sich Menschen gegenüber auffällig verhalten". Dort können Sie nachlesen, dass es kein Grund zur Beunruhigung ist, wenn Wölfe menschliche Strukturen nutzen und beim Anblick von Menschen auch nicht sofort flüchten, sondern ihrerseits stehenbleiben und schauen, insbesondere, wenn es sich um Jungwölfe handelt.
Ich wünsche Ihnen ein bisschen mehr Gelassenheit und einen schönen Abend.

Wenn das alles stimmt was Sie da behaupten, dann ist ja alles in Ordnung.
Ich bin da aber ganz anderer Meinung. Als die ersten Wölfe wieder nach Deutschland kamen, wurde die Problematik von NABU etc. unterschätzt und verharmlost. Mir war aber völlig klar was passieren wird. Und es ist alles so gekommen. Nur Angriffe auf Menschen gab es noch nicht, und ich hoffe sehr ich habe da unrecht.
Leider gibt es aber immer wieder Angriffe auf Menschen. In Kanada z.B. gab es in den letzten Jahren immer wieder Angriffe auf Menschen, meistens Touristen. Und das, obwohl der Wolf dort stark bejagt wird.
Ansonsten habe ich schon alles dazu gesagt, das muss ich jetzt nicht wiederholen.

Lieber hdeman_260281,
es ist nicht richtig, dass der NABU die "Problematik" unterschätzt hätte. Die Darstellungen des NABU bewegten sich seinerzeit wie heute eng an den wissenschaftlchen Grundlagen des vom Bundesamt für Naturschutz 2007 herausgegeben Leitfadens zum Umgang mit dem Wolf (BfN-Skript 201). Dort heißt es: "Selbst in einem so dünn besiedelten Gebiet wie der Oberlausitz, ist ein fast tägliches Zusammentreffen von Mensch und Wolf nahezu unvermeidbar. Wölfe werden gesehen, wenn sie Straßen oder Felder überqueren. Anfangs sind die Leute überrascht oder auch beunruhigt, wie nahe sich Wölfe an die Siedlungen "trauen". [...] Die Menschen brauchen einige Zeit, um das für sie zunächst ungewöhnlich wirkende Verhalten zu verstehen und in den richtigen Kontext zu stellen. [...] Durch die Vermittlung möglichst detaillierter Kenntnisse über die "eigenen Wölfe", kann es sogar gelingen, eine Art Vertrautheit im Zusammenleben mit dem Neubürger zu erreichen."(S. 80). Und auf Seite 113 ist zu lesen, dass mit der Zunahme von Wölfen mit einer Zunahme von Rissereignissen, insbesondere an unzureichend geschützten Nutztieren, zu rechnen sei, "vor allem aber mit einer Zunahme der empfundenen Problematik. [...] Solche Vorkommnisse verteilen sich dann zwar auf eine größere Fläche, können sich aber möglicher Weise durch entsprechende Berichterstattung der Medien in den Köpfen der Bevölkerung summieren. Die Anzahl der "empfundenen Problemwölfe" nimmt zu." Zur fast gleichen Zeit, am 02.12.2008, sagte ein Vertreter der niedersächsischen Jägerschaft gegenüber dem Hamburger Abendblatt: "Der Wolf ist ein so scheues Tier, das immer weg läuft, wenn Menschen in der Nähe sind." Und die damalige Sprecherin des FDP-geführten Umweltministeriums behauptete: ",Ein Wolf wird sich nicht einem Siedlungsgebiet nähern." DAS waren klassische Fehleinschätzungen aus den Kreisen, die den Wolf heute wieder bejagen wollen - mit wieder fachlich nicht zutreffenden Begründungen.

Dass die Schadenshöhe durch Wölfe von Umfang und Qualität des Herdenschutzes abhängt, hat das BfN also schon 2007 exakt vorhergesagt. Im Schadens- und Präventionsbericht 2019 der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW) können Sie nachlesen, dass in Niedersachsen 2019 88% der angegriffenen Schafe und in Schleswig-Holstein 85% unzureichend geschützt waren (Seite 4) - wohlgemerkt 19 Jahre nach der Rückkehr der ersten Wölfe.
Wir sprechen hier also auch von einem selbst mitverschuldeten Problem durch - trotz finanzieller Förderung - immer noch nicht umgesetzte Herdenschutzmaßnahmen. Unzureichend umgesetzter Herdenschutz in rund jedem zweiten Fall wurde auch vom Agrarministerim in Mecklenburg-Vorpommern moniert (NDR, 13.08.2020).

Natürlich sind die Schäfer schuld, sollen sie doch ihre Tiere besser schützen. So einfach ist es aber nicht. Was heißt denn „unzureichend geschützt? In West-Mecklenburg wurden schon 200 cm hohe E-Zäune überwunden und Schafe gerissen, obwohl HSH vorhanden waren.
Und wie sollen Wanderschäfer ihre Herden schützen, und Deiche mit E-Zäune zu schützen kostet Millionen. Da macht man es sich aber ziemlich einfach.
Einerseits wollen wir artgerechte Weidetierhaltung, aber immer mehr Landwirte geben auf, weil es zu teuer und zu aufwändig ist. Dann lieber Stallhaltung.
Ich habe mir die Website vom NABU mal angesehen, vieles ist sicher richtig, vieles aber auch falsch. Ich möchte die Unwahrheiten nicht alle Aufzählen, das sind einfach zu viele. Nur ein Beispiel: ein wolfsicherer Zaun muss mindestens 90 cm hoch sein und die Spannung mindestens 2000 V. Das funktioniert sicher ganz gut, denn die Wölfe lachen sich zu Tode ;)
Es ist doch eigentlich ganz einfach: der Wolf gehört nicht zu den gefährdeten Tierarten. Er kann aber in der Nähe des Menschen große Schäden verursachen. Das war der Grund warum er aus der Nähe des Menschen vertrieben wurde, auch weil im Mittelalter viele Menschen von Wölfen getötet wurden. Und diese Tatsache habe ich beim NABU noch nicht gelesen.
Ähnlich wie Ratten und Mäusen ist er deshalb als Schädling zu betrachten. Niemand möchte Ratten und Mäuse in seiner Wohnung haben. Interessanterweise steht die Hausratte (Rattus rattus) auf der Roten Liste, ist aber nicht geschützt. Pech nur, dass er keine Lobby hat.

"Für Deutschland ist ein pragmatischer Ansatz zu empfehlen, der eine Schadensminimierung verfolgt. Das heißt, Wölfe können sich entsprechend ihrer eigenen Habitatansprüche ausbreiten und werden überall dort toleriert, wo das Ausmaß der wolfsverursachten Schäden und Konflikte mit vertretbarem Aufwand gering gehalten werden kann. Dies ist der in den meisten europäischen Wolfsländern begangene Weg. (Leben mit Wölfen, Reinhardt & Kluth, BfN Skript 201, 2007)"

NABU und BfN scheren sich einen Dreck um wissenschaftliche Grundlagen und Erkenntnisse. Das beweisen sie seit 20 Jahren in ihren Verlautbarungen und Veröffentlichungen zu Thema Wolf. Die beiden Istitutionen haben nur ein Ziel: Die Umsetzung der oben zitierten Empfehlung mit allen möglichen und unmöglichen Mitteln zu verhindern.

Zu Reviergrößen: Wölfe legen die Reviergröße nicht nach Kilometern Seitenlänge fest, sondern nach verfügbarer Beute pro km². Daher sind die heutigen Wolfsreviere in deutschen Wolfsgebieten so klein, dass dort die weltweit höchste Wolfsdichte weltweit zu verzeichnen ist. Mehrere Rudel pro Landkreis.

Merke: 17km x 17km = 289km²

Wolfsrudel haben ein exclusiv genutztes Kernrevier (Jungenaufzucht) und ein größeres Streifgebiet, das sich mit Nachbarrudeln geteilt wird. Je enger die Kernreviere gepackt sind, desto mehr Rudel teilen sich die Streifgebiete. Also: je mehr Rudel in einem Gebiet, desto mehr Wölfe vor der Haustür. Von den immer häufiger auftreteneden Riesenrudeln, wo mehr als eine Fähe Junge aufzieht, fange ich noch gar nicht an.

Pro Wolfsrevier dann ein Rudel mit durchschnittlich 10 Tieren. Viel Spaß, wenn flächendeckend alle verfügbaren Reviere in Deutschland besetzt sind.

Deutschland ist das einzige Land, weltweit, dass rigoros die Jagd auf (Problem)Wölfe verweigert. Mit allen daraus resultierenden negativen Konsequenzen. Und natürlich wäre die Jagd eine einfache, kostengünstige und wirksame Lösung gegen Probleme mit nutztierspezialisierten, oder habituierten Wölfen. Wenn man sie nur konsequent anwenden würde.

@Senta Tangerstedt: Da Sie nun beim "Nordkurier" Ihren Feldzug gegen Jäger, FDP, CDU und sämtliche Kritiker des aktuellen Umgangs mit Wölfen, fortzuführen gedenken, gleich vorweg: Wie stellen Sie sich wolfssichere Zaunanlagen (mit oder ohne HSH) auf Deichen vor? In Meck-Pomm fanden über die Hälfte aller Nutztierrisse in Herden statt, die nach den aktuellen Empfehlungen der Wolfsexperten geschützt waren. Was schlagen Sie dagegen vor?

Und sparen Sie sich die Unterstellungen, dass Schafe aus Deutschland, zum Schächten in Drittländer außerhalb der EU exprotiert würden. Oder belegen Sie das mit Zahlen. Ihre Exkurse über industrielle Massentierhaltung, um damit Wolfsrisse in Weidetierherden schön zu reden sind genauso haltlos wie dass meißte andere, was Sie hier von sich geben.

Wölfe fressen so gut wie nichts von dem, was sie in Nutztierherden töten, verletzen, oder zu tode hetzen. Das nennt man Overkill. Was, wegen Wolfsübergriffen ausgebrochene Viehherden auf Straßen und Schienen für Schäden verursachen können, muß Ihnen hoffentlich nicht schon wieder erklärt werden.

Sie haben das sehr gut erklärt.

@st
Sie sprechen von "meinem" angeblichen "Feldzug gegen Jäger, FDP, CDU" und diffamieren im selben Atemzug NABU und BfN, in dem sie ohne Beleg unterstellen, man würde sich dort "einen Dreck um wissenschaftliche Grundlagen und Erkenntnisse" scheren. Offenbar fällt es Ihnen schwer, anderslautende politische Meinungen, die zudem wissenschaftlich fundiert sind, zuzulassen. Demokratie lebt aber von einer Debatte, die gegenteilige Meinungen zulässt. Das ist nicht zuletzt eine Frage der Höflichkeit und des Respekts.

Eine Bejagung zum Schutz von Weidetieren ist wissenschaftlich nicht begründet. Gern zur Anschaulichkeit: Wenn Menschen ihre Häuser nicht abschliessen, ist damit zu rechnen, dass eingebrochen wird. Abhilfe schafft dann nur eine bessere Absicherung der Häuser, nicht aber, sich beliebig auf gut Glück meinetwegen 10% der Menschen im Ort herauszugreifen, um diese dann wegzusperren. Da man dabei viele Gesetzestreue, aber wenige Täter erwischt, wird man die Kriminalstatstik so nicht senken können. Niemand käme auf solche absurden Gedankenspiele wie es beim Wolf der Fall ist.

Die im Straßenverkehr verunglückten Wölfe sind bereits eine regelmäßige Bestandsreduzierung, ohne dass es Effekte auf die Risszahlen hätte.
Auch führen diese im Verkehr getöteten Wölfe nicht dazu, dass andere Wölfe "Scheu" vor Straßen erlernen. Das gilt auch für Begegnungen mit Menschen.

Wie soll ein geschossener Wolf in Niedersachsen einem Wolf in Ueckermünde beibringen, sich nicht mal kurz eine Dame mit einem domestizierten Wolf an der Leine anzuschauen? Es ist ja (wie immer) nichts passiert.

Geht es nicht vielmehr um eine ganz andere Sache? Da Sie CDU und FDP ansprachen: Auf einer CDU-Veranstaltung 2019 im niedersächsischen Sottrum, woman unter sich war, sagte der frühere Landwirtschaftsminister Heiner Ehlen: "Für Ehlen war klar: Die Jagden sollen wertvoll bleiben. Dabei störe der Wolf empfindlich. Wo er auftritt, reißt er unter anderem Schalenwild, Schwarzwild und Hirsche. Ein Dilemma für Jagdbesitzer, weil sich das auf die Wildbestände auswirkt, die im Normalfall von Jagdpächtern geschossen werden können. So sinke der Wert der Gebiete – für die Pacht genauso wie für die Wiederveräußerung. „Das ist auch ein Stück weit Enteignung“, so Ehlen." (Quelle: Rotenburger Rundschau, 24.05.2019: "Wolf ja, aber ...")

Die jährlichen Jagdstrecken zeigen aber gar keine verringerten Zahlen, also muss es sich eher um ein "gefühltes" Problem der Jäger handeln, dem man mit Aufklärung und Vergleichszahlen der Jagdstrecken begegnen könnte. Dass stattdessen immer wieder Angstmacher-Geschichten à là Rotkäppchen vorgeschoben werden, um die Bevölkerung, die zu 80% für die Wölfe ist, umzustimmen, ist nicht gerade Fair Play.

John Linnell, Biologe am Norwegischen Institut für Naturforschung in Trondheim, sagte im Spiegel-Interview mit Autorin Julia Koch: ""In Europa hat es in den letzten 40 Jahren keine tödlichen Wolfsangriffe auf Menschen gegeben", sagt der Forscher, der 2002 für die in Fachkreisen "Linnell-Report" genannte Studie Wolfsattacken der vergangenen 450 Jahre auf Menschen ausgewertet hat. [...] "Politiker und Wolfsgegner machen den Menschen Angst, um sie zu manipulieren", so der Wissenschaftler. "Das ist zynisch und schmutzig, aber der Trick wird oft angewandt, einfach weil er so gut funktioniert." (Quelle: SPIEGEL, Print-Ausgabe 10/2018, Julia Koch: Gefährliche Märchen, 03.03.2018, Seite 105).

Ich wünsche Ihnen ein sonniges, frühlingshaftes Wochenende.

Das Märchen vom „Bösen Wolf“ hat einen wahren Hintergrund, im Mittelalter wurden oft Kinder von Wölfen verschleppt. Das Mittelalterliche Kriminalmuseum in Rothenburg ob der Tauber hat das eindeutig nachgewiesen. Tausende Menschen sind so ums Leben gekommen. Das war auch einer der Gründe, warum der Wolf aus der Nähe des Menschen vertrieben wurde. Auch heute gibt es noch Angriffe auf Menschen.

Das fürchterliche Leid lebend exportierter Schlachttiere aus der EU in Drittstaaten ist seit Jahren ausreichend dokumentiert, u.a. in den ZDF-Dokumentationen "Geheimsache Tiertransport" (Karremann, 2017, 2018, 2020). Aktuell berichtet der mdr über das Leid von mehr als 2.500 Rindern, die aus der gesamten EU über Katalonien auf Schiffen in Drittländer verschickt werden und nun auf 2 Schiffen verteilt seit Wochen auf See sind, weil die Blauzungenkrankheit ausgebrochen ist und die Tiere nirgendwo von Bord dürfen. Mehr als 100 Tiere sollen schon unter den katastrophalen Zuständen verendet sein (mdr BRISANT, 24.02.2021).

"Noch größer als bei den Rindern ist bei den Schafen der Anteil des Lebendexports an den Gesamtausfuhren. Laut EU-Kommission wurde im vergangenen Jahr die Rekordsumme von 2,62 Millionen Schafen und Lämmer, ohne die Berücksichtigung von reinrassigen Zuchttieren, in Drittländer verkauft." (Quelle: Fleischwirtschaft, 03.12.2017: EU importiert weniger).

Nur weil sich dieses Leid hinter Mauern von Schlachthöfen, innerhalb von LKW-Wänden und Schiffsrümpfen abspielt, ist es ja trotzdem da. Ein Tod durch einen Wolfsriss auf der heimischen Weide geht da wesentlich schneller. Nur diese Bilder hat der Tierhalter natürlich im Kopf, während der Verkauf von zur Schlachtung bestimmter Tiere an einen Händler nach dem Motto "aus den Augen, aus dem Sinn" wohl weniger belastend sein dürfte. Für das Tier ist es aber die größere Qual und wird nicht dadurch gelindert, dass man einfach wegschaut, das Problem negiert und den Wolf als Sündenbock abstempelt für Tierleid, das menschengemacht ist - sei es nun selbst verursacht oder durch Unterlassen durch Vorenthaltung eines Mindestherdenschutzes, wie er für Hühner vor Fuchs und Habicht selbstverständlich ist.

Frau Günter,
die Wölfe haben nicht Sie verfolgt sondern ihren Hund. So ein "Hotdog" zwischendurch mag jeder Wolf

@Senta Tangerstedt:

Wissenschaftliche Grundlage und Erkenntnis ist es, seit über 20 Jahren, dass die deutschen Wölfe Teil der gesamt-eurasischen Wolfspopulation sind und enger Bestandteil der Baltischen Population. Die isolierte Deutsch-Polnische, oder Zentraleuropäische Flachlandpopulation, ist wissenschaftlich nicht Haltbar. Trotzdem Halten unsere Wolfslobbyisten daran fest.
Der kurzzeitig propagierte Inzuchtkoeffizient ist nicht nachweisbar. Ebenso ist die Wolfspopulation von Deutschland bis nach Sibirien in keinster Weise gefährdet, oder gar vom Aussterben bedroht. In Deutschland befindet sich der Wolfsbstand seit seiner Etablierung in einem exponentiellen Wachstum (Verdopplung alle drei Jahre, trotz der Verkehrsopfer und illegaler Abschüsse). Das BfN meldet standhaft jedes Jahr kleingerechnete und veraltete Zahlen an die EU, um die Mähr von den bedrohten seltenen Wölfen aufrechterhalten zu können. Schäden durch Wölfe nehmen direkt proportional zu ihrer Anzahl zu. Vor diesen Schäden kann man sich, wenn überhaupt, nur mit extremstem Aufwand schützen. JEDE Schutzmaßnahme wurde inzwischen von Wölfen erfolgreich überwunden.

In allen Ländern mit Wolfsvorkommen wurden und werden Wölfe bejagd. Fast überall, bis auf das Minimum kurz vor der Ausrottuzng und mit staatlichen Abschußprämien. Wo nicht legal, dann illegal. Überall wo Wölfe Jagddruck verspüren, sind sie extrem Scheu. Nur in Deutschland wird keinem Wolf ein Haar gekrümmt, egal wieviel Schaden er anrichtet. Nur in Deutschland verlieren Wölfe immer mehr ihre Scheu und treten immer dreister auf. Z.B. werden Heidschnucken, im Beisein des Schäfers und der Hütehunde aus der Herde gegriffen. Oder Wolfsexperten, die mit Besen und Gebrüll, einen Wolf nicht von einer Schafherde vertreiben können.

Ein geschossener Wolf bringt seinen Artgenossen natürlich nichts mehr bei, es sei denn, sie waren Hautnah bei seinem Ableben dabei. Wenn ein Wolf/Rudel, das die zumutbaren Schutzmaßnamen zu überwinden gelernt hat, abgeschossen wird, macht es sein Terretorium frei, für ein Rudel das sich an die Vorhersagen von NABU und BfN hält, und eben NICHT über 90cm-E-Netze springt und sofort flüchtet, wenn ein Mensch am Horizont auftaucht.

Ihr Vergleich mit Einbrüchen in Häuser ist untauglich. Gegen Einbrecher darf man sich wehren. Einbrecher werden "Bejagd" und "Entnommen". Der Aufwand, ein Haus/Grundstück abzusichern, ist nicht vergleichbar, mit wolfssicherer Einzäunung von Weiden für Tiere, die man nicht selbst besitzt und für die man gesetzliche Vorgaben einhalten muß, die dem wolfssicheren Zaunbau widersprechen.

Und natürlich mindert ein anwesendes Wolfsrudel den (Pacht/Eigentum)Wert eines Jagdrevieres, oder auch von Wiesen/Weideflächen. Warum soll ein Jäger/Landwirt Geld/Steuern/Abgaben/Arbeit für eine Fläche bezahlen, auf der er keine Tiere mehr halten kann, oder auf der der Aufwand dafür so hoch ist, das er damit nur Verluste macht?

Das alles wissen Sie natürlich, pehaupten aber aus ideologischen Gründen das Gegenteil.

st kommentiert: "Nur in Deutschland verlieren Wölfe immer mehr ihre Scheu und treten immer dreister auf."

Definitiv nein. Völlig unabhängig von einer Bejagung gibt es unter Wölfen immer verschiedene Individuen, die vorsichtiger oder weniger vorsichtig oder gar "dreist" sind, dann vor allem durch menschliches Fehlverhalten (z. B. Anfüttern). In Schweden, wo Wölfe bekanntermaßen per Quoten- und Schutzjagd geschossen werden, kommen sie trotzdem immer wieder in die Nähe von Siedlungen, da diese nun mal zu ihrem Lebensraum gehören, wie aktuell in Gävleborg Län. Die Hysterie der Kreise, die Wölfe ohnehin ablehnen, ist dort genauso groß, wenn nicht größer wie hier; es gibt die gleichen Diskussionen der überwiegend wolfsfreundlichen Bevölkerung mit eingefleischten Hardlinern, die öffentlich die Ausrottung fordern, sowie die permanente Beschäftigung der Verwaltungsgerichte von beiden Seiten über Wolfsabschüsse.

st kommentiert: "Wenn ein Wolf/Rudel, das die zumutbaren Schutzmaßnamen zu überwinden gelernt hat, abgeschossen wird, macht es sein Terretorium frei, für ein Rudel das sich an die Vorhersagen von NABU und BfN hält, und eben NICHT über 90cm-E-Netze springt und sofort flüchtet, wenn ein Mensch am Horizont auftaucht."

Das Argument wird durch ihre eigene Ironie entkräftet - ein Wolf kann nicht unterscheiden, ob die leicht erreichbare Beute ein Wild- oder ein unzureichend geschütztes Nutztier ist. Wo es ihm leicht gemacht wird, greift er zu, egal ob dort vorher ein Rudel ansässig war, das aufgrund dieses natürlichen Verhaltens geschossen wurde. Der nächste Wolf wird dasselbe tun, wenn man es ihm dermaßen leicht macht.

st kommentiert: "Ihr Vergleich mit Einbrüchen in Häuser ist untauglich. Gegen Einbrecher darf man sich wehren. Einbrecher werden "Bejagd" und "Entnommen"."

Dazu muss der Einbrecher aber identifiziert und exakt die Person verurteilt und weggesperrt werden. Analog zu der von Ihnen geforderten nicht selektiven Jagd auf beliebige Wölfe hilft auch das Wegsperren einer Quote X beliebiger, zufällig angetroffener Menschen nicht, die Einbrüche zu reduzieren, wenn die unauffälligen Menschen aus dem Verkehr gezogen werden und die Einbrecher weiter frei herumlaufen.

st kommentiert: Und natürlich mindert ein anwesendes Wolfsrudel den (Pacht/Eigentum)Wert eines Jagdrevieres, oder auch von Wiesen/Weideflächen. Warum soll ein Jäger/Landwirt Geld/Steuern/Abgaben/Arbeit für eine Fläche bezahlen, auf der er keine Tiere mehr halten kann, oder auf der der Aufwand dafür so hoch ist, das er damit nur Verluste macht?"

Die Jagdstreckenzahlen auf Schalenwild verzeichnen auch im Jahr 23 nach der Wolfsrückkehr keinen Rückgang, im Gegenteil. Die "Wald-vor-Wild-Debatte gäbe es sonst auch gar nicht. Und Weidetierhalter erhalten vom Steuerzahler sowohl die Prävention in Form von Herdenschutzmaßnahmen bezahlt als auch eine gratis "Vollkasko"-Versicherung für den Schadensfall. Zusätzlich wird eine Weidetierprämie immer wahrscheinlicher. Irgendwann muss man die Fakten doch auch einmal zur Kenntnis nehmen.

@Senta Tangerstedt:
Wieviel Prozent, der in der mdr-Doku festgestellten Lebendexporte, waren denn nun Tiere, die auf deutschen Weiden aufgewachsen sind und aktuell von Wolfsübergriffen bedroht werden? Wieviele davon Schafe/Lämmer? Und was haben Lebendexporte aus der Gesamt-EU, in 2017, mit der deutschen Lammfleischproduktion zu tun? Liefern sie Zahlen zu Lebend-Exporten von Lämmern aus Deutschland, in Länder (nicht Schweiz) wo sie angeblich geschächtet werden (also ohne Tiere zur Zucht), oder unterlassen Sie diese Ablenkungsmanöver und böswilligen Unterstellungen, um Ihr verqueres Weltbild zu rechtfertigen.

Wie sieht denn nun, Ihrer Meinung nach, der (praktikabel umsetzbare, bezahlbare) Mindestherdenschutz aus, der auch auf Deichen, Deichvorland, Niedermoorwiesen, an Gräben, Ufern von Seen und Flüssen, knochenharten Mineralböden, felsigen Almwiesen, bei Sturm, Dauerregen, Frost und Schnee, auf vielen Hektaren am Stück, täglich auf- ab- und Umzubauen funktioniert? Und was soll mit Wölfen passieren, die diesen Mindestschutz regelmäßig überwinden, mit ihrem Rudel ein Gemetzel nach dem anderen verursachen und diese Fähigkeiten jedes Jahr an ihre Nachkommen weiter geben?

Jagdstrecken für ganz Deutschland haben nichts mit den Jagdstrecken einzelner Jagdreviere zu tun. Dass die Gesamtzahl des Schalenwildes in Deutschland nicht sinkt, beweist nicht, dass es im direkten Einzugsgebiet eines sesshaften Wolfsrudels, keine Verringerung des ursprünglichen Schalenwildbestandes gibt.
Noch mal: Was ist ein Jagdrevier wert, in dem es nichts zu jagen gibt? Was ist eine Viehweide wert, auf der kein Vieh mehr weiden kann? Was passiert mit Naturschutzflächen, die auf eine schonende ökologische Beweidung angewiesen sind, um den darauf lebenden bedrohten Arten, ihren Lebensraum zu erhalten?

Ein Wolfsrudel nutzt, wie Sie immer wieder behaupten, nur ein bestimmtes Gebiet ausschließlich und exclusiv. Denn: "Vor der eigenen Haustüre, bleibt die Anzahl der Wölfe immer gleich". Kommt es in diesem Gebiet zu nachweisbaren Wolfsschäden, kann also mit Sicherheit davon ausgegangen werden, dass nur das ortsansässige Wolfsrudel diese Schäden verursacht. Das nennt man "engen zeitlichen und räumlichen Zusammenhang". Schießt man aus diesem Rudel einen, mehrere, oder alle Wölfe ab, wird garantiert nicht der falsche Wolf entnommen. Das meine ich nicht Ironisch.

Laut Statistik, sind in Deutschland die allermeißten Wölfe (noch) relativ unauffällig und lassen sich von den empfohlenen Mindestschutzmaßnahmen (90er E-netze, Litzenzäune, mit reichlich Strom) beeindrucken und von Angriffen auf Nutztiere abhalten. Warum die wenigen Wölfe sich vermehren lassen, die diese Schutzmaßnahmen überwinden?

Das aktuelle Wolfsvorkommen in Deutschland würde die Entnahme von zwei dritteln aller Wölfe vertragen und würde immer noch nicht gefährdet sein. Was dazu fehlt ist ein Managementplan, dessen Erstellung das Bundesumweltministrium seit Jahren verweigert. Selbst die Zukenntnisnahme der aktuell gemeldeten Bestandszahlen verweigert dieses Amt. Alle anderen EU-Länder haben einen Managmentplan und schießen EU-Konform alle Problemwölfe ab.

Die Bevölkerung ist nur so lange "überwiegend Wolfsfreundlich" wie sie keine negativen Auswirkungen durch die Wolfsanwesenheit zu spühren bekommt. Die Akzeptanz sinkt mit der Entfernung zum Wolf. Das ist in Schweden genauso wie in der Heide, der Lausitz und auch in Vorpommern.

Ihre Propagandalügen, zu angeblich vom Steuerzahler bezahlten Herdenschutzmaßnahmen und Vollkasko-Versicherung im Schadensfall, können Sie sich sparen. Darauf fallen nur (noch) Stadtbewohner mit NABU-Spendenbuch herein. Das Präventionsteam in Meck-Pomm rechnet mit realen Mehrkosten für Wolfsschutzmaßnahmen, von rund 100 Euro pro Schaf. Und das mindestens alle paar Jahre. Ausgezahlt wird natürlich nur ein Bruchteil davon. Wenn überhaupt irgendwann.

Eine Weidetierprämie hat rein gar nichts mit den Mehrkosten durch Wölfe zu tun. Sollte sie jedenfalls nicht. Eine Weidetierprämie soll nur den Wettbewerbsnachteil der ökologischen/artgerechten/tierfreundlichen Weidetierhaltung, gegenüber der industriellen Massentierhaltung (tierquälerische Lebendexporte nach außerhalb EU) ausgleichen. Weidetierprämien in anderen Bundes- und EU-Ländern bewegen sich bei rund 20 Euro, oder weniger pro Schaf. Dafür kann man pro Schaf nicht mal genug Heu für einen Winter bekommen.