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SPD-Abgeordneter: Pfusch im Lebenslauf

Patrick Dahlemann ist für die Politik ständig im Einsatz, doch im Uni-Hörsaal hat er schon seit Jahren nicht gesessen.
Patrick Dahlemann ist für die Politik ständig im Einsatz, doch im Uni-Hörsaal hat er schon seit Jahren nicht gesessen.
Daniel Naupold

Häme und Sticheleien gab es schon lange in den Fluren des Schweriner Landtags, wenn es um den SPD-Jungstar Patrick Dahlemann und sein nicht enden wollendes Studium ging. Nun legen seine Gegner mit einer ganz anderen Uni-Affäre nach.

Patrick Dahlemann soll im offiziellen Handbuch des Landtages falsche Angaben zu seinem Lebenslauf gemacht haben. Nachlesen kann man dort, dass der SPD-Abgeordnete als Student in Greifswald eingeschrieben ist, und so stand es bis zuletzt auf seiner Homepage. Beides falsch. Direkt danach befragt, räumt er das auch selber ein. Schon 2014 beendete er sein Studium der Politologie in Greifswald ohne Abschluss und schrieb sich an der Fernuniversität in Hagen ein.

Eigentlich eine Kleinigkeit, könnte man meinen, da haben Politiker mit ihren akademischen Weihen schon ganz anderen Schindluder getrieben. Abschlüsse einfach ausgedacht, wie jetzt gerade bei Dahlemanns Parteifreundin, der SPD-Bundestagsabgeordneten Hinz. Und Dahlemann erklärt die Sache denn auch mit einem Versehen. Als er 2014 in den Landtag nachgerückt sei, wären die Angaben für das Handbuch noch korrekt gewesen. Danach habe er einfach die alten Daten übernommen, der Wechsel des Studienorts sei ihm nicht so wichtig vorgekommen.

Das allerdings klingt nur plausibel, wenn man Dahlemanns ewiges Ringen mit den akademischen Mühen nicht kennt. Schon 2011/2012 hatte er den drohenden Rauswurf in Greifswald vor Augen, weil er nicht alle Prüfungen rechtzeitig abgelegt hatte – Überlastung durch die politische Arbeit, wie er erklärt. Nur durch eine Ausnahmeregelung in der Studienordnung, die er geschickt nutzte, konnte er in Greifswald bleiben. 2014 drohte dann der erneute Rauswurf – diesmal endgültig. Dem kam er zuvor.

Gelegenheiten, die Wahrheit auf den Tisch zu legen, gab es genug. Zuletzt hatte der Nordkurier vor gut zwei Wochen mit Dahlemann über sein Studium gesprochen. Dabei hatte er erklärt, dass lediglich noch die Abschlussprüfung fehle. Kein Wort über den Weggang aus Greifswald. Dahlemann, der bundesweit Anerkennung fand, weil er auf einer NPD-Demo auf offener Bühne klare Worte gegen Rechts fand – als es um ihn selbst und seinen schwächsten Punkt ging, entschied er sich fast zwei Jahre lang lieber für das Schweigen.