UECKERMÜNDE HOTELBAU

Stadtvertreter machen Weg frei für neues Hotel

Zwei Drittel der Ueckermünder Stadtvertreter haben dafür gestimmt, dass am Haffstrand die neue Hotelanlage nun auch wirklich gebaut werden kann. Dennoch stehen Fragen und Bedenken im Raum.
Diese Animation zeigt, wie die zur Hotelanlage gehörenden Ferienhäuser aussehen sollen.
Diese Animation zeigt, wie die zur Hotelanlage gehörenden Ferienhäuser aussehen sollen. ZVG
Eine Vision für das künftige Aussehen des Ueckermünder Haffstrandes: Ein Modell der Hotelanlage, das im Fr&uuml
Eine Vision für das künftige Aussehen des Ueckermünder Haffstrandes: Ein Modell der Hotelanlage, das im Frühjahr 2019 präsentiert worden war. NK/Archiv
Ueckermünde.

Das Ergebnis ließ keine Zweifel offen: 14 Ueckermünder Stadtvertreter haben während der Sitzung am Donnerstag für den „Beschluss über den Entwurf und die öffentliche Auslegung des Bebauungsplanes (B-Plan) Nr. B-43 „Resorthotel am Strand“ gestimmt. Sieben Stadtvertreter sprachen sich dagegen aus. Zwei Drittel also pro, ein Drittel contra in Sachen Hotelbau. Womit klar ist: Das seit Langen geplante und viel diskutierte Hotel am Haffstrand kann gebaut werden. Mit dem Beschluss ist für die Fläche am Strand Baurecht geschaffen worden.

Dennoch gibt es zu dem geplanten Resorthotel noch Fragen und auch Bedenken. Das machte der Antrag vom Fraktionsvorsitzenden der Linken, Detlef Rabethge, klar, der eine Änderung der Tagesordnung beantragt hatte. Er verwies darauf, dass der jetzt vorliegende Entwurf von dem ursprünglich vorgelegten abweiche. Zudem sei mit dem Bau des Hotels, das Gebäude der Umgebung um mehr als zehn Meter überragen werde, eine erhebliche Imageveränderung verbunden. Das berühre die Interessen der Bürger, die deshalb dazu auch befragt werden sollten. Mit seinem Antrag kam Rabethge nicht durch.

Architektonische Gestaltung moniert

Bedenken hat, als es um den Tagesordnungspunkt Hotel ging, auch Klaus Laade (CDU) geäußert. „Unstrittig ist, dass da am Strand etwas für touristische Zwecke entstehen soll – allerdings ist die Frage, wie“, sagte der Stadtvertreter. Was die architektonische Gestaltung angehe, die aus den Unterlagen ersichtlich sei, so hätte die Anlage „besser ins Lego-Land gepasst“, sagte Lande. Er hätte sich gewünscht, dass der Komplex mehr mit der Natur gebaut würde – und nicht ein Hotel erstehe, das „die Natur vergewaltige“, sagte der Stadtvertreter.

André Klink vom „Bürgerbund Ueckermünde“ benannte ebenfalls einige Kritikpunkte, unter anderem monierte er die geplante Höhe des Hotels, die mit 20 Metern höher sei als die Gebäude in der benachbarten Lagunenstadt. Klink forderte, die Unterlagen zum geplanten Hotelbau vor einer Entscheidung „in der Tiefe zu prüfen“.

Er halte die Pläne für einen Hotelbau am Strand grundsätzlich für eine gute Idee, sagte Martin Kühnl-Mossner vom Bündnis „Für-Ue.de“. „Bisher aber scheint mir der B-Plan mit heißer Nadel gestrickt“. Der Plan sei „in sich widersprüchlich und nicht rund.“

Das geplante Hotel werde 280 Betten haben, so viele, wie das Vitanas-Centrum am Tierpark. Man solle sich vorstellen, dieser Komplex würde einfach an den Strand gestellt. „Will man das?“, fragte Holm Koala von der Linksfraktion. Fraktionschef Rabethge machte sich erneut für eine Ablehnung des Projektes in der vorgelegten Form stark. „Indem wir Baurecht schaffen, geben wir ein Steuerungsinstrument, das für uns zweifellos wichtig ist, vorab vorschnell aus der Hand“, so die Argumentation Rabethges.

Seit Mitte der 90er-Jahre Fläche vorgehalten

Bürgermeister Jürgen Kliewe sagte, er könne die Debatte nicht nachvollziehen. Klar sei, dass man sich in Ueckermünde nicht „einfach eine Bettenburg an den Strand knallen lassen werde.“ Aber ein Hotel, das sei schon lange im Gespräch. Seit Mitte der 1990er-Jahre habe die Stadt dafür eine 5,6 Hektar große Fläche vorgehalten. „Und es war klar: Das soll nicht nur ein Acht-Betten-Haus hin“, betonte der Rathauschef. Er könne auch nichts Schlechtes daran finden, wenn ein Teil dieser Fläche für den Wohnungsbau freigegeben werde. Zudem sei er sich sicher, dass von der touristischen Aufwertung für das Seebad Ueckermünde, die so ein Hotel darstelle, viele partizipieren werden. „Die Leute werden hier Geld lassen.“

Stadtpräsident Robert Kriewitz (CDU) bemühte sich, vor der Abstimmung noch einmal beruhigend auf die Stadtvertreter einzuwirken, und zwar mit Blick darauf, was künftig passieren könnte. „Ich habe das Gefühl, dass man mit dem Investor reden kann“, so der Stadtpräsident.

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Kommentare (2)

„Will man das?“, fragte Holm Koala von der Linksfraktion.
Soweit mir bekannt ist, besitzt nicht einmal der Tierpark Ueckermünde einen Koala-Bären. Aber die Linksfraktion hat wohl einen, wenn man dem NORDKURIER Glauben schenken darf.....
Toll, wenn man bedenkt, welche Mutationen in einer uralteingesessenen Apothekerfamilie entstehen können.

Wenn man über die Schaffung von Arbeitsplätzen spricht, dann muss man auch über die Gefahr des neuen Hotels für bestehende Arbeitsplätze ansprechen.

Das neue Hotel sollte sich betreffend die Höhe in das Ensemble zwischen Strandhalle und Lagunenstadt eingliedern. Wird man das neue Hotel vom Wasser aussehen können? Wenn ja, wird dies an Bettenburgen in Spanien & Co erinnern.

In Schutzgebieten wie Europäisches Naturschutzgebiet (FFH-Gebiet) etc. liegt das Areal wohl nicht (https://www.lung.mv-regierung.de/insite/cms/umwelt/natur/schutzgebiete_portal/schutzgebiete_karten.htm). Wird ein UVP-Verfahren notwendig sein?

Mit dem Hotel steigt der Nutzungsdruck auf den Ueckermünder Strand. Welcher Gast will als "Sardine" dort liegen? Wie viel m² kommen auf einen Besucher, wie viele Strandkörbe? Reichen die Kapazitäten für die Gäste aus, dass jeder einen Platz im Schwimmbad des Hotels inklusive Ueckermünder Badewilliger erhält?

Hotel mit Tiefgarage führt zu mehr Autoverkehr. Wie setzt sich Ueckermünde von der billigen Konkurrenz in Polen oder der hochwertigen Konkurrenz am Strand der Ostsee auf Usedom ab? Welche Gäste will man anziehen? Unterstützt das Hotel die regionale Wirtschaft, die regionale Landwirtschaft oder kommen Lebensmittel aus ganz Deutschland? Wenn ja, dann ist dies nicht mehr zeitgemäß!

Wir haben auch eine Verantwortung gegenüber kommenden Generationen: Ist es ein Plusenergiehotel mit autarker Energieversorgung, Passivhausstandard mit Wärmepumpe für Heizung, Kühlung und Warmwasser? Gibt es Photovoltaikmodule auf dem Dach und an der Fassade oder/und begrünte Fassaden? In anderen Regionen ist ein Ticket für die Region mit Rabatten für touristische Attraktionen üblich! Es gibt die Bahn nach Ueckermünde, welche im Rahmen eines Gesamtkonzeptes berücksichtigt werden sollte. Gibt es Elektroleihräder, E-CarSharing im Verbund mit anderen Hotels, einen Rufbus?