Wie stark die Stadtwerke und ihre Kunden von den immer weiter steigenden Gaspreisen belastet werden, ist momentan noch nicht a
Wie stark die Stadtwerke und ihre Kunden von den immer weiter steigenden Gaspreisen belastet werden, ist momentan noch nicht absehbar. Marijan Murat
Dennis Gutgesell
Dennis Gutgesell NK-Archiv
Hohe Gaspreise

Stadtwerke-Chef beruhigt – "Noch läuft das System stabil"

Wenn Russland seine Gaslieferungen einstellt und die hohen Preise weitergereicht werden dürfen, dann könnte es auch für die Stadtwerke Torgelow eng werden. Noch läuft alles stabil.
Torgelow

Die Nachrichten über mögliche Insolvenzen bei Stadtwerken haben am Wochenende viele Einwohner beunruhigt, die direkt oder über die Wärmeversorgung der Städte mit Erdgas versorgt werden. Auch Dennis Gutgesell, Geschäftsführer der Stadtwerke in Torgelow, könnte in der Theorie eine Zahlungsunfähigkeit des stadteigenen Unternehmens nicht ausschließen, wenn die Bundesnetzagentur den umstrittenen Paragrafen 24 im Energiesicherungsgesetz ausreizen würde.

Der könnte aktiviert werden, wenn Russland die Gaslieferungen einstellt und zu wenig Gas in Deutschland vorhanden wäre. „Es kann heute niemand sagen, wie stark er betroffen wäre.“

Auch die Stadtwerke könnten in einen Strudel geraten

In diesem Fall dürften die großen Händler, die das Gas für Deutschland beschaffen, die weitaus höheren Preise an die Stadtwerke und andere Abnehmer weiterreichen. Die Großhändler wären nicht mehr an laufende Verträge gebunden, erläuterte Gutgesell. Dann bliebe auch den Stadtwerken Torgelow nichts anderes übrig, als die gestiegenen Preise an ihre Erdgaskunden in Torgelow im eigenen Netz, aber auch in Ueckermünde, Eggesin und dem Umland weiterzureichen – in insgesamt 1.546 Objekten.

„Wir haben dann die große Sorge, dass viele Haushalte diese Preise nicht mehr bezahlen können“, sagte Dennis Gutgesell. Wenn die Zahlungsausfälle zu groß seien, könne es passieren, dass auch die Stadtwerke in einen Strudel geraten und im Endeffekt zahlungsunfähig wären. Es könne ja auch niemand sagen, wie lange diese Situation der außer Kraft gesetzten Verträge anhalten würde. „Ist das eine Woche, sind das drei Monate oder ein halbes Jahr?“, fragte er. Deswegen sei die gesamte Branche in Aufruhr.

Lesen Sie auch: Habeck ruft Notfallplan für Gas aus

„Wir müssen jetzt ein Choas verhindern”

Momentan gebe es noch keinen Grund zur Beunruhigung. „Solange die Bundesnetzagentur nicht tätig wird, läuft das System stabil weiter“, betonte Gutgesell. Er vertraue auf den Druck der großen Verbände auf die Politik und auf eine Lösung, mit der alle Abnehmer in Deutschland gleich behandelt werden. Denn momentan sei es so, dass die Großhändler, die mehr russisches Gas im Portfolio haben, und deren Abnehmer stärker von den Ausfällen und damit von möglichen Insolvenzen betroffen wären. „Doch was kann der Kunde dafür?“, fragte der Geschäftsführer. Schließlich habe er auch keinen Einfluss darauf, ob der Händler 10 oder 90 Prozent russisches Gas vertreibe.

Dennis Gutgesell baut auf eine tragbare Lösung für alle Abnehmer und Kunden. Danach würden die hohen Mehrkosten für die Großhändler über Bundeshilfe gleich bei ihnen abgefangen und dann peu à peu an alle Kunden in Deutschland weitergereicht werden. Alles andere wäre für die Kostengleichheit bei den Kunden ungerecht. „Wir müssen jetzt ein Chaos verhindern“, sagte er. „Ich finde es ganz schlimm, dass die Politik uns durch den Verkauf der Gasspeicher an Gazprom in diese Lage gebracht hat.“

Der Ueckermünder Bürgermeister Jürgen Kliewe sagte, er wisse schon jetzt, dass es durch die hohen Gaspreise erhebliche Kostensteigerungen für die städtischen Gebäude geben werde. Mit Problemen durch eine Insolvenz rechnete er aber nicht. Schließlich habe die Stadtverwaltung einen direkten Liefervertrag mit E.ON. Das sei bekanntlich einer der größten Versorger.

Mehr lesen: Scholz startet Konzertierte Aktion

zur Homepage