Auch ungeimpfte Mitarbeiter von Pflegeeinrichtungen und Pflegediensten müssen an die Behörden gemeldet werden. Dort entscheidet man dann über die Konsequenzen.
Auch ungeimpfte Mitarbeiter von Pflegeeinrichtungen und Pflegediensten müssen an die Behörden gemeldet werden. Dort entscheidet man dann über die Konsequenzen. Marijan Murat
Corona-Regeln

Start der Impfpflicht – das erwarten Pflege-Betriebe am Haff

Inzwischen gilt die Corona-Impfpflicht für Pflegebetriebe. Sie müssen ihre ungeimpften Mitarbeiter melden. Der Frust sitzt tief bei einigen, anderswo herrschte dagegen Gelassenheit.
Ueckermünde

Eigentlich sollten am Mittwoch alle umgeimpften Pflegedienstmitarbeiter an das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGUS) gemeldet werden. Dann würden die Behörden entscheiden, wer gegen die Impfpflicht in Gesundheitseinrichtungen verstößt und nicht mehr dort arbeiten darf.

Lesen Sie auch: So funktioniert die Impfpflicht in den MV-Pflegeheimen

Ärger um Melde-Portal des Landes

Doch die Meldung sei schlichtweg unmöglich, sagte Frank Grapenthin vom Eggesiner Pflegedienst Grapenthin am Mittwochvormittag mit viel Frust in der Stimme. „Seit 7.30 Uhr versuche ich, auf elektronischem Weg diese Meldung abzugeben – aber wir können uns einfach nicht registrieren“, so Grapenthin.

Lesen Sie auch: Das ist in MV bei Impfpflicht-Verstößen geplant

Rechtliche Zweifel und katastrophale Kommunikation

Er hat aber noch mehr Kritik: „Sämtliche Kommunikation in dieser Sache mit öffentlichen Stellen ist einfach nur eine Katastrophe.“ Zur Anzahl der Umgeimpften unter den rund 40 Mitarbeitern, wollte er sich nicht äußern. Ohnehin sei die vorgeschriebene Meldung für ihn ein Verstoß gegen die Datenschutz-Grundverordnung. „Wir werden von staatlicher Seite praktisch dazu gezwungen, dagegen zu verstoßen“, wetterte Grapenthin.

Er glaubt zudem, dass die Akzeptanz für solche Regierungsentscheidungen immer geringer werde. Nichtsdestotrotz habe der Pflegedienst einen Pflege- und Versorgungsauftrag. „Und wir werden alles Menschenmögliche tun, um diesen Auftrag zu erfüllen“, betonte er, auch wenn die Mitarbeiter schon jetzt Überstunden angehäuft hätten und zum Teil ihren Urlaub verschieben mussten.

Lesen Sie auch: Treibt die Corona-Impfpflicht Altenheime in den Notstand?

Jeder Mitarbeiter wird gebraucht

„Wir gehen ganz entspannt mit der Situation um“, sagte indes Helmut Grams, AWO-Geschäftsführer im Kreisverband Uecker-Randow. Zum einen, weil man die „unsinnige Panik“, die in dieser Frage verbreitet werde, nicht weitergeben wolle. Zum anderen, weil die AWO nur sieben oder acht von 160 Kräften in den Kernpflegebereichen habe, die bislang nicht geimpft sind. Das sei nicht viel. Trotzdem wäre es nicht schön, wenn sich auch nur zwei oder drei Mitarbeiter wegen des drohenden Tätigkeitsverbots einen anderen Job suchen würden. Denn die Belastung sei schon jetzt enorm.

Wenn es hart auf hart kommen sollte, würde Grams um jeden einzelnen Mitarbeiter ringen. „Zu meiner Freude haben wir keinen Mitarbeiter, der Verschwörungstheorien anhängt.“ Einige machten sich Sorgen wegen chronischer Vorerkrankungen. Andere würden noch überlegen, ob sie sich doch impfen lassen. Und er wisse auch, dass keiner der Mitarbeiter seinen Pflegeberuf an den Nagel hängen wolle. Deswegen wolle er erst die Fristen und Anhörungen abwarten und dann mit den Behörden sprechen. Grams ist sich nicht einmal sicher, ob so ein Beschäftigungsverbot erlaubt wäre. „Die Mitarbeiter haben ja einen Arbeitsvertrag mit uns.“ Und wenn doch alles nicht helfe, würde er ihnen solange vielleicht eine andere Aufgabe bei der AWO übertragen.

Lesen Sie auch: Uni-Klinik Greifswald – fast 300 Mitarbeiter ohne Impfung

Hohe Impfquoten und wenig Sorgen

Heike Nitzke, Geschäftsführerin der Volkssolidarität Uecker-Randow, geht davon aus, dass einige der ungeimpften Mitarbeiter die Sache aussitzen wüden. Denn die Corona-Impfpflicht sei nur bis zum 31. Dezember dieses Jahres befristet. 35 Personen seien unter den 650 Beschäftigten ungeimpft. „Es handelt sich überwiegend um Hilfskräfte“, sagte sie. Die würden sich definitiv nicht impfen lassen. Sie kämen aber aus allen Bereichen, so dass hier und da nur ein Mitarbeiter fehlen würde, wenn ein Tätigkeitsverbot kommt. Bis dahin werde es aber dauern. Denn die Bearbeitung werde sich hinziehen, prognostiziert sie.

Fast ohne Sorgen scheint man beim Pflegedienst Hagen in Heinrichsruh zu sein. Alle 22 Angestellten seien „genesen oder geimpft“, sagte Leiter Philipp Hagen, der sich um die Betreuung von aktuell 80 Menschen kümmert. „Alle Mitarbeiter sind an Bord, Ausnahme sind drei Hauswirtschafterinnen – zwei davon in Quarantäne, die bald beendet ist, eine ist schon längere Zeit krank“, so Hagen.

Auch die Leiterin der Diakonie-Pflegestation in der Chausseestraße in Ueckermünde reagierte gelassen auf die Frage nach den Auswirkungen der Impfpflicht. „Wir sind alle durchgeimpft“, sagt Jeanette Wolfsteller-König. 43 Mitarbeiter sind im ambulanten Pflegezentrum mit Sozialstation, Pflegehotel, Betreutem Wohnen und der Tagespflege „Am Haff“ beschäftigt. „Sicher hat sich nicht jeder die Entscheidung leicht gemacht, aber letztendlich überwiegt das Verantwortungsbewusstsein für die Menschen, die von uns betreut werden.“

 

zur Homepage