15 MONATE IM DDR-GEFÄNGNIS

Stasi-Geschichte fesselt Ueckermünder Gymnasiasten

Mit der Staatssicherheit in der DDR haben sich Mädchen und Jungen des Greifen-Gymnasiums in Ueckermünde beschäftigt. Sie waren beeindruckt.
dpa
Eckardt Hübnener (linkes Bild) im Gespräch mit den Gymnasiasten. Maik Torfstecher zeigt den Schülern seine Stasi-Akte.
Eckardt Hübnener (linkes Bild) im Gespräch mit den Gymnasiasten. Maik Torfstecher zeigt den Schülern seine Stasi-Akte. Stefanie Peters
Ueckermünde.

Irgendwann nachts an der deutsch-deutschen Grenze: Zwei Männer graben sich mit bloßen Händen in Berlin unter den Grenzanlagen durch und überleben. Eine Situation, die sich die Elftklässler des Sozialkundekurses aus dem Ueckermünder Greifen-Gymnasium 27 Jahre nach der Wende nur schwer vorstellen können.

Maik Torfstecher, der genau das 1988 erlebt hat, machte diese Situation für die Schüler greifbarer. Seine Flucht beschrieb er im Workshop „Kratzspuren durch Menschenhand”, einem Teil des Projekttages in der Bundesstelle für Stasi-Unterlagen, Außenstelle Neubrandenburg, in der die Gymnasiasten zu Gast waren. Bei einem deutschlandweiten Tag der offenen Tür versuchte die Behörde, Jugendlichen die deutsch-deutsche Geschichte näher zu bringen, einen Einblick in die Arbeit der Staatssicherheit zu geben sowie den Wert von Demokratie zu diskutieren.

Workshop war viel zu kurz

Frei sein, eine Selbstverständlichkeit für die Ueckermünder Gymnasiasten, erhielt durch die persönlichen Ausführungen Torfstechers, einem ehemaligen Profi-Kampfsportler, eine neue Dimension. „Das war echt spannend. Kein Geschichtsbuch hätte uns so beeindruckt”, beschrieb Marlene ihre Eindrücke. „Der Workshop war viel zu kurz, es hätte noch so viel Interessantes gegeben”, ergänzte Mitschülerin Julia nach der lebendigen und aufschlussreichen Diskussionsrunde mit dem Republikflüchtling und der Außenstellen-Leiterin Marita Richter.

Am Nachmittag trafen die Schüler auf Eckart Hübener, einen Pastor, der gegen den DDR-Strom schwamm und aufgrund seines Interesses an der polnischen Solidarnosc-Bewegung und seiner Arbeit in einem Berliner Friedenskreis verurteilt wurde und 15 Monate im DDR-Gefängnis saß. Non-Konformität war und ist das Credo Hübeners, das er den Schülern immer wieder ans Herz legte, wenn sie in der heutigen Zeit Veränderungen erreichen wollten. „Demokratie gibt mir die Freiheiten, die ich leben möchte”, ergänzte er im Gespräch mit den Jugendlichen. Ein Wert, der verteidigt werden müsse, auch heute.

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