RAUBÜBERFALL

Tankstellen-Mitarbeiter spricht über Raub in Ueckermünde

Ein Gauner-Duo bedrohte den Mitarbeiter mit der Pistole und erbeutete in der Ueckermünder Esso-Tankstelle einen dreistelligen Betrag. Erst dachte der Mann, es handele sich um einen Spaß, doch dann wurde ihm klar: Das hier ist bitterböser Ernst!
Am Donnerstagabend ist die Esso-Tankstelle in Ueckermünde gegen 19.40 Uhr von zwei maskierten Männern überfalle
Am Donnerstagabend ist die Esso-Tankstelle in Ueckermünde gegen 19.40 Uhr von zwei maskierten Männern überfallen worden. Die Polizei fahndet nach dem Täter-Duo. Lutz Storbeck
Ueckermünde.

Seit Ende 1991 besteht die Esso-Tankstelle in Ueckermünde. Und in all den Jahren seither ist nichts Derartiges passiert wie am Donnerstagabend. Da haben gegen 19.40 Uhr zwei maskierte Männer die Tankstelle überfallen. Viel los war um die Zeit nicht, keine Kunden, kein Verkehr auf der Straße vor der Tankstelle. Alles ruhig also, und dann passierte das Unvorhergesehene.

Die beiden Täter trugen schwarze Jogginganzüge

„Ich habe die zuerst gar nichts gesehen, befand mich im hinteren Bereich des Verkaufsraumes“, erzählt der 48-jährige Tankstellen-Mitarbeiter am Tag danach. Er war allein im Dienst. Die beiden offenbar jungen Männer waren mit schwarzen Jogginganzügen bekleidet, darauf befanden sich weiße Applikationen. Viel mehr kann der Verkäufer auch nicht sagen, denn beide Täter trugen schwarze Wollmützen und schwarze Gesichtsmasken. Dennoch: Er sei nicht zu Tode erschrocken gewesen, sagt der Tankstellen-Mitarbeiter, denn zunächst hatte er die ganze Sache für einen Scherz, einen bösartigen Streich gehalten. Doch als einer der beiden Täter eine Waffe auf ihn richtete und ihn aufforderte, das Geld herauszurücken, da war ihm klar: Das hier ist bitterer Ernst! Er konnte in dem Moment nur die Augen der Ganoven sehen. „Aber an die Farbe der Augen kann ich mich nicht erinnern“, sagt der Mann. Eines sei ihm allerdings aufgefallen: Nur einer der Täter habe während der wenigen Minuten, die der Überfall gedauert hat, gesprochen. Und zwar in einem akzentfreien Deutsch, während der andere nicht ein Wort gesagt habe.

Alkohol und Zigaretten interessierten sie nicht

Ob es nun ein eine echte Waffe war oder nur eine Attrappe, das konnte der 48-jährige Verkäufer nicht erkennen. Das wollte er auch nicht, denn leicht kann so etwas schief gehen. Er hat sich strikt an die für solche Fälle vorgegebenen Richtlinien seines Chefs gehalten und das Verlangte herausgegeben. „Dabei sind die beiden noch unruhig geworden, denn weil ich nicht im Kassenbereich war, war die Kasse gesichert, ich musste erst ein paar Zahlen eingeben, um sie öffnen zu könne. Das hat denen schon fast zu lange gedauert“, sagt der Mann.

Der schweigsame Täter schlug deswegen gegen die Scheibe, die wegen Corona über dem Tresen montiert ist. Außerordentlich viel ist es nicht gewesen, was die beiden da erbeutet haben. Der Tankstellen-Mann nannte keine genaue Summe, sondern sagte lediglich, dass es sich „um einen dreistelligen Betrag“ gehandelt habe. Auffällig: Das Überfall-Pärchen hat nur an dem Baren Interesse gezeigt, nicht aber an Alkohol oder Zigaretten, wie vielleicht zu vermuten wäre.

Nach dem Überfall flüchteten sie zu Fuß

Für den dreisten Überfall haben sich die beiden einen günstigen Moment ausgesucht. In der Nachbarschaft ist ein Firmengelände, zu dieser Tageszeit natürlich leer. Die nächsten Wohnhäuser liegen über die Straße. „Aber da haben wahrscheinlich alle in den Zimmern nach hinten raus vorm Fernseher gesessen“, mutmaßt der Tankstellen-Mann. Von außen müssen die beiden Gangster gut gesehen haben, dass er sich im hinteren Bereich des Geschäftsraumes aufgehalten hat. „Ich selbst kann von drinnen aber kaum sehen, was da draußen vor sich geht“, sagt der 48-Jährige.

Die beiden Täter haben nach dem Überfall mit ihrer Beute schnell zu Fuß die Tankstelle verlassen. „Ob da ein Auto stand oder noch ein Dritter die beiden aufgenommen hat – keine Ahnung“, so der Tankstellen-Mitarbeiter. Er habe unmittelbar nach dem Geschehen Polizei und seinen Chef informiert.

Die Ordnungshüter waren sehr schnell vor Ort, fünf Streifenwagen waren im Einsatz. Dazu ein Fährtenhund. Allerdings war dem vierbeinigen Ordnungshüter kein Erfolg beschieden. Die beiden Täter haben Handschuhe getragen, und außerdem wimmelt es an so einem Ort wie einer Tankstelle nach einem ganz normalen Wochentag nur so von Spuren, die die Kunden hinterlassen haben. Zwar haben sich die Polizeibeamten mit dem Streifenwagen sofort auf die Suche nach den Gangstern gemacht, allerdings blieb die eingeleitete Fahndung bislang ohne Erfolg. Der Kriminaldauerdienst Anklam hat die ersten Ermittlungen am Tatort übernommen.

Der Mitarbeiter hat gleich wieder Dienst geschoben

„Das war natürlich aufregend“, sagt der 48-jährige von der Tankstelle. Er habe kaum geschlafen. Dennoch hat er am Morgen nach dem Überfall seinen Dienst angetreten – ganz so, wie es geplant war. „Wir sind froh, dass unserem Kollegen nichts passiert ist“, sagt seine Chefin, die erleichtert ist, dass der Überfall doch relativ glimpflich abgegangen ist.

Die Polizei bittet mögliche Zeugen, sich bei den Kollegen in Ueckermünde unter der Telefonnummer 039771-820, bei jeder anderen Polizeidienststelle oder auf der Internet-Wache unter www.polizei.mvnet.de zu melden.

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