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Teuer saniert und ohne Mieter

Von Friede, Freude, Eierkuchen kann in Ferdinandshof keine Rede sein – jedenfalls nicht, was die Sanierung des Gutshauses angeht: Der Kreisbauernverband will im Gegensatz zu ersten Plänen nicht mehr einziehen.

Mit viel Interesse hat auch Ulrich Poch das Baugeschehen am Gutshaus beobachtet. Er kennt das Gebäude recht gut, wohnt er doch ganz in der Nähe.
Lutz Storbeck Mit viel Interesse hat auch Ulrich Poch das Baugeschehen am Gutshaus beobachtet. Er kennt das Gebäude recht gut, wohnt er doch ganz in der Nähe.

Wenn es nun auch fast fertig ist und schön anzusehen, nicht bei allen Ferdinandshofern sorgt das sanierte Gutshaus im Zentrum des Ortes für eitel Freude. Das weiß Bürgermeister Gerold Seidler nur zu gut. Denn allzu oft hat er deswegen im Mittelpunkt öffentlicher Kritik gestanden. Unter anderem von Hans Gotthardt, der die ganze Angelegenheit seit langer Zeit sehr kritisch betrachtet und dies auch kundtut.

2,8 Millionen Euro Förderung

Dabei war es nicht der persönliche Einzelwille des Bürgermeisters, das Haus wieder auf Vordermann bringen zu lassen. „Die Gemeindevertretung hat das mit großer Mehrheit beschlossen“, sagt der Bürgermeister. Dass die Entscheidung richtig war, sei beim Tag der offenen Tür deutlich geworden, findet der Bürgermeister. „Da waren 120 Besucher da, die allermeisten fanden es schön, und nur eine Handvoll war dagegen“, sagt Gerold Seidler.

Zugegeben – die Sanierung des Hauses ist kein Pappenstiel gewesen. Insgesamt sind aus verschiedenen Fördertöpfen etwa 2,8 Millionen Euro in das Projekt gesteckt worden. Doch die Gemeindevertretung hat sich die Sache gut überlegt. Immerhin ist bereits viel Geld in die Sanierung der Domäne gesteckt worden. Die Gemeinde war dazu verpflichtet, denn das Ensemble steht unter Denkmalschutz, sagt Kerstin Pukallus, die zuständige Bauamtsleiterin, und verweist auf die Gesetze, die es dazu gibt.

"Das Haus stand kurz davor, zusammenzufallen"

Auch das Gutshaus gilt als Denkmal. „Wir mussten da etwas tun, denn das Haus stand kurz davor, zusammenzufallen“, beschreibt der Bürgermeister die Ausgangslage. Und es kam noch schlimmer: Bei ersten Arbeiten zeigte sich, dass in dem Haus alles war, was jedem Bauherren den Angstschweiß auf die Stirn treibt: Hausschwamm, Schimmel. Das ist nun Vergangenheit. Der Bürgermeister hofft, dass nach dem Rückzug des Bauernverbandes andere Mieter für das Haus gefunden werden.

Mit viel Interesse hat auch Ulrich Poch das Baugeschehen am Gutshaus beobachtet. Er kennt das Gebäude recht gut, wohnt er doch ganz in der Nähe. Als Junge sei er, nach dem Krieg, nach Ferdinandshof gekommen, hat das Gutshaus natürlich erkundet. „Dort waren immer Flüchtlinge untergebracht“, erinnert sich Ulrich Poch. Er hat übrigens die Glocke sichergestellt, mit der früher die Gutsarbeiter zur Arbeit gerufen worden sind. Vielleicht findet die Glocke wieder ihren Platz in oder am Haus. Denn auch sie ist ein Teil der Geschichte von Ferdinandshof. Genau wie das Gutshaus, das noch viel erzählen kann vom Leben auf dem Land, als der Gutsherr noch der kleine Gott war, Gutsarbeiter, Stallburschen und Mägde nicht viel zu sagen hatten und das Landleben für die meisten, die dort wohnten, sicher alles andere war als idyllisch und einfach.