Das Ehepaar Karin (2. v. li) und Niels Fetting verabschieden sich in den Ruhestand, während Tochter Dörthe Budde ein
Das Ehepaar Karin (2. v. li) und Niels Fetting verabschieden sich in den Ruhestand, während Tochter Dörthe Budde eine Neueröffnung des Ladens plant. Den guten Draht zu den Kunden im Schreibwarengeschäft hatte in den vergangenen Jahren Gabriele Steckel (li.). Christian Johner
Seit 123 Jahren

Tochter führt am Haff Familientradition fort

In der Ueckermünder Innenstadt hat heute zum letzten Mal ein Traditionsgeschäft geöffnet – zumindest vorerst. Denn schon am 1. April ist eine Neueröffnung geplant.
Ueckermünde

Kaum ein Geschäft in Ueckermünde kann auf so eine lange Geschichte zurückblicken wie die Glaserei Fetting mit ihrem Schreib- und Lederwarenladen. 1898 wurde das Geschäft durch Paul Gustav Fetting, dem Opa des heutigen Inhabers Niels Fetting, gegründet. Die erste Werkstatt befand sich auf dem Hof der damaligen Schlosserei Schröder in der Ueckerstraße.

123 Jahre später befindet sich das Geschäft immer noch in der Ueckerstraße, allerdings hat der Laden heute zum letzten Mal geöffnet – zumindest vorerst.

„Rentenalter genießen”

„Wir verabschieden uns in den Ruhestand. Wir wollen jetzt das Rentenalter genießen“, sagen Karin Fetting und ihr Mann Niels, der das Geschäft 1978 von seinem Vater Hans übernommen hat. Ein bisschen wehmütig seien sie, betonen Karin und Niels Fetting.

Immerhin hat die Familie Fetting mit dem Geschäft eine Menge durchgemacht: zwei Weltkriege, die Weimarer Republik, die Teilung Deutschlands, die DDR, die Wiedervereinigung und zuletzt auch die Corona-Pandemie. „Man musste sich immer wieder anpassen“, sagt Niels Fetting. Das hat die Familie Fetting erfolgreich geschafft.

Hauptbestandteil war zunächst die mobile Verglasung, anschließend wurde das Geschäft erst um den Bilderhandel und -einrahmungen, später um Glasmalerei und Autoglaserei und ab 1991 dann um Schreibwaren erweitert. „Außerdem haben wir das Geschäft dann beispielsweise auch mit Lederwaren ergänzt“, fügt Karin Fetting hinzu.

Sie ist allen Kunden, aber auch besonders der langjährigen Mitarbeiterin Gabriele Steckel sehr dankbar: „Sie gehört schon zur Familie. Wir konnten uns immer auf sie verlassen und sie hatte ein sehr gutes Verhältnis zu unseren Kunden. Für sie war der Beruf nicht nur ein Job, sondern auch eine Berufung.“

Am 1. April Neueröffnung

Mit einem weinenden Auge werden sicherlich einige Kunden die Schließung verfolgen. Doch sie werden schnell vertröstet, denn der Laden wird nur für drei Monate aus der Ueckermünder Innenstadt verschwinden. „Es gibt nur eine kleine Pause. Die Kunden können sich auf eine Neueröffnung freuen“, sagt Dörthe Budde, die Tochter von Karin und Niels Fetting. Die 44-Jährige plant für den 1. April eine Neueröffnung.

„Das Sortiment bleibt bestehen“, sagt Dörthe Budde, die bisher in einer ganz anderen Branche tätig war und nun den Schritt wagt, einen kleinen Laden im Seebad zu betreiben. „Natürlich muss ich erst einmal in die Aufgabe hineinwachsen, aber ich habe mir das gut überlegt“, sagt Dörthe Budde, die auf die Unterstützung ihrer Eltern auf jeden Fall zählen kann.

Mehr lesen: Welche guten Nachrichten gibt es für Ueckermünde, Herr Bürgermeister?

zur Homepage