Todesfall in Torgelow

Was sagt das Jugendamt zum Tod von Leonie?

Der Fall der toten Leonie (6) wirft drängende Fragen auf. Denn bereits im Februar 2018 bekam das Jugendamt in Greifswald konkrete Hinweise auf Gewalt gegen das Mädchen.
Thorsten Pifan Thorsten Pifan
Nicht nur die umgekommene Leonie (6), sondern auch ihr dreijähriger Bruder soll Verletzungen am Todesabend im Gesicht gehabt haben.
Nicht nur die umgekommene Leonie (6), sondern auch ihr dreijähriger Bruder soll Verletzungen am Todesabend im Gesicht gehabt haben. Holger Schacht
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Vorpommern.

Die letzten Wochen im Leben der kleinen Leonie müssen für das Mädchen die Hölle gewesen sein. Offenbar war aber nicht nur die Sechsjährige ständiger Gewalt ausgesetzt, sondern auch ihr kleiner Bruder Noah-Joel, der das Martyrium aber überlebt hat und nun bei seinem leiblichen Vater Oliver E. ist.

Dieser berichtet in einem Radio-Interview, dass es Hinweise auf eine Misshandlung auch bei dem Dreijährigen gibt, der wie Leonie Verletzungen im Gesicht haben soll. Im Verdacht steht der Lebensgefährte der Mutter Janine Z. – er heißt David H. und ist vor der Polizei auf der Flucht.

Tante will früher schon Verletzungen gesehen haben

Bereits Mitte Februar 2018 sollen der Schwester des leiblichen Vaters Verletzungen im Gesicht die Kinder aufgefallen sein. Der Vater und die Schwester wandten sich daraufhin gemeinsam an das Jugendamt, bestätigt Kreis-Sprecher Achim Froitzheim. „Wenn wir solche Hinweise bekommen, läuft immer das gleiche Procedere ab”, sagte er. Das sei im Februar 2018 auch im Fall der kleinen Leonie so gewesen.

Daraufhin wurde die Mutter mit den Kindern einbestellt, damit sich die Mitarbeiter des Jugendamtes selbst ein Bild von der Situation machen konnten. Bereits einen Tag später besuchte ein Team des Jugendamts die Familie in Wolgast ohne Ankündigung, um sich zusätzlich ein Bild vor Ort zu machen.

„Unsere Mitarbeiter haben mit der Leonies Mutter gesprochen und sind dabei auch auf das Thema Gewalt ganz konkret eingegangen”, sagte Froitzheim. Auch Leonie selbst wurde beim Spielen beobachtet und geschaut, wie das Kind reagiert: „Gibt es Anzeichen von Nervosität, Angst oder Stress, das sind Fragen, die beantwortet werden müssen”, erklärte Froitzheim. Es gab keine Hinweise auf Misshandlungen – zumindest vor knapp einem Jahr.

Kinderärztin stelle keine Verletzung fest

Janine Z. habe laut Froitzheim sogar angeboten, das Mädchen durch einen Arzt untersuchen zu lassen. Da sich am Ende der Prüfung durch das Jugendamt kein Verdacht ergeben habe, sei die Behörde auf das Angebot nicht eingegangen. Allerdings wurde die Kinderärztin in Wolgast befragt. Beim Verdacht von Kindeswohlgefährdungen sind Mediziner automatisch von der Schweigepflicht entbunden. Nach Nordkurier-Informationen sei die Mutter als liebevoll und sorgend bezeichnet worden und habe die Kinder auch regelmäßig vorgestellt.

Üblich ist es in solchen Verdachtsfällen, auch das Umfeld zu beleuchten und in eine Prüfung einzubeziehen. Im Fall Leonie wurde entsprechend die Oma befragt und eine Erzieherin der Kita Brummkreisel in Wolgast, die Leonie seinerzeit besuchte. In die neue, gemeinsame Wohnung mit David H. in Torgelow war Janine Z. mit den drei Kindern erst vor einigen Wochen gezogen. Zumindest seinerzeit habe die Befragung keine Ergebnisse gebracht. Zuletzt waren die beiden älteren Kinder offenbar wochenlang nicht in der Kita gewesen.

Wohl keine Gewalt gegen das jüngste Kind

Das jüngste Kind, fünf Monate alt, ist das gemeinsame Kind von David H. und Janine Z. Mutter und Kind befinden sich zurzeit in einer speziellen Einrichtung für Mütter und Kinder. Dort stehe die Mutter unter besonderer Beobachtung, weil es den Verdacht gebe, dass ein Missbrauch von Drogen vorliege. Gewalt gegen das Baby habe es offenbar nicht gegeben.

Noch offen ist, warum dem Bereitschaftsdienst am Samstag als der Tod der kleinen Leonie bekannt wurde, nicht auffiel, dass auch der kleine Noah-Joel misshandelt wurde. Vermutlich habe es keine Inaugenscheinnahme des Jungen gegeben. Laut Medizinern befand er sich auch in einem „schlimmen” Zustand.

Für das Jugendamt war laut Froitzheim an diesem Tag die AWO in Torgelow für das Jugendamt unterwegs. Er betonte, dass die Mitarbeiter des kreiseigenen Jugendamtes den leiblichen Vater am Montag verpflichtet hätten, mit dem Jungen dringend einen Arzt aufzusuchen. „Das hat er auch ganz gewissenhaft gemacht”, bestätigte Froitzheim.

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