KINDER ANGESPROCHEN

Torgelower Eltern schreiben Brandbrief

Besorgte Torgelower Eltern forderten von der Bürgermeisterin sofortiges Handeln. Mit dem Rentner, der Kinder und Frauen belästigt, beschäftigt sich jetzt der sozialpsychiatrische Dienst.
Holger Schacht Holger Schacht
Torgelower Eltern haben beobachtet, dass sich ein 68-Jähriger schon länger an Schulen, Kitas und Spielplätzen h
Torgelower Eltern haben beobachtet, dass sich ein 68-Jähriger schon länger an Schulen, Kitas und Spielplätzen herumtreibt. Symbolbild: Peter Endig
Torgelow.

In Torgelow versuchen Politik, Polizei und Behörden mit Hochdruck, gegen den Rentner (68) vorzugehen, der Jungen, Mädchen und Frauen belästigt und mit Süßigkeiten oder Hundewelpen in sein Auto locken wollte. Torgelows Bürgermeisterin Kerstin Pukallus (parteilos) ließ sich zunächst detailliert von Ueckermündes Polizeirevierleiter Hartmut Braun ins Bild setzen, schlug beim sozialpsychiatrischen Dienst des Landkreises Alarm und schickte Landrat Michael Sack (CDU) die Kopie eines Schreibens besorgter Eltern, das bei ihr eingegangen war.

Mit dem Auto vor Schulen, Spielplätzen und Freibad unterwegs

Darin fordern die Eltern, dass sofort gehandelt werden müsse „und nicht erst dann, wenn etwas Schreckliches“ passiert sei. Im Brief beschreiben die Eltern genau, wie der Mann vorgeht. Der sei „seit nun schon geraumer Zeit“ mit dem Auto an „Schulen, Kitas Spielplätzen und dem Freibad“ unterwegs, folge „langsam fahrend unseren Kindern, aber auch Frauen, mit der Aufforderung sie mögen doch in sein Auto steigen“, um sich nach „Hause fahren“ zu lassen. Als ein Elternteil ihn angesprochen habe, hätte der Rentner „sehr aggressiv“ und „schreiend“ reagiert. Nach Eindruck des Elternteils scheine der Mann „psychisch sehr labil“ und „angespannt“ zu sein, sei als „sehr gefährlich einzuordnen“.

Nach Bekanntwerden der Vorfälle meldeten sich beim Nordkurier zahlreiche weibliche Teenager und Frauen, die sich vom Rentner verbal „sexual belästigt“ fühlen, was den Straftatbestand der Beleidigung darstellt. Polizeisprecher Andrej Krosse: „In den vergangenen Wochen sind gegen den Mann elf Sachverhalte angezeigt worden. Darunter Beleidigung, Hausfriedensbruch und viermal das Ansprechen von Kindern.“ Wegen der strafbaren Handlungen ermittelt die Kriminalpolizei, so Krosse. Das Ansprechen von Kindern dagegen ist ein schwieriges Thema, da dies an sich nicht strafbar sein muss und es auf den Einzelfall ankommt.

Polizei hat Gefährderansprachen durchgeführt

„Wenn es aber vermehrt und ohne die Einsicht vorkommt, dass es nicht richtig ist, Kinder anzusprechen, dann können andere Maßnahmen in Betracht kommen, die wir gerade unter anderem mit dem Amt und dem Landkreis prüfen“, so der Polizeisprecher. Zuvor hatte die Polizei mehrere „Gefährderansprachen“ durchgeführt. „Das bedeutet, dass der Herr auf sein krankhaftes Verhalten hingewiesen wurde und ihm die Konsequenzen aufgezeigt wurden. Ihm wurde auch verdeutlicht, dass wir sein Verhalten ganz genau beobachten“, sagte Krosse.

Unterdessen fahren in Torgelow Polizeiautos vermehrt Streife vor Kitas und Schulen. Jetzt ist der sozialpsychiatrische Dienst des Landkreises am Zug, der Menschen in Lebenskrisen oder mit akuten oder längerfristigen psychischen Erkrankungen auf richterliche Anordnung in Kliniken einweisen darf.

Bereitschaftsdienst soll bei Gefahr eingreifen

„Wir müssen in dem Fall was unternehmen. Der Bereitschaftsdienst greift unmittelbar ein, wenn eine Person eine Gefahr für sich oder andere darstellt. Mit dabei ist immer ein Begutachter, der die Situation analysiert und einschätzt“, erklärte der Sprecher des Landkreises, Achim Froitzheim.

Ans Steuer seines Skodas darf der Mann im Moment nicht. Vor einer Woche war er in Torgelows Stadtzentrum beim Fahren erwischt worden, obwohl er seinen Führerschein für eine Zeit abgeben musste (der Nordkurier berichtete).

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Kommentare (1)

Zunächst: Hausfriedensbruch ist sehr wohl eine Straftat. Es lohnt sich generell, jedes Fehlverhalten anzuzeigen. Nur auf diese Weise bekommt die Judikative genug Futter um eine gerechte Entscheidung zu treffen. Und dann: Der sozialpsychiatrische Dienst darf nicht zwangseinweisen. Die Entscheidung obliegt immer einem Richter. [Anm. d. Red.: Vielen Dank für die Hinweise. Der Artikel wurde an den betreffenden Stellen korrigiert.]