POLIZEI FASST TÄTER

Torgelower Tankstellen-Räuber prahlte mit dem Überfall

In Torgelow prahlte der stadtbekannte Kriminelle Alexander B. (25) vor Kumpels mit einem der Überfälle auf eine HEM-Tankstelle und zeigte ihnen sogar die 1000 Euro aus der Beute. Polizisten spürten ihn unter Mitwirkung des SEK auf.
Mit Krawatte und weißem Hemd sitzt Alexander B. neben seinem Verteidiger Dietmar Kernchen vor dem Landgericht Neubranden
Mit Krawatte und weißem Hemd sitzt Alexander B. neben seinem Verteidiger Dietmar Kernchen vor dem Landgericht Neubrandenburg. Felix Gadewolz
Die überfallene HEM-Tankstelle in der Eggesiner Straße in Torgelow.
Die überfallene HEM-Tankstelle in der Eggesiner Straße in Torgelow. Christian Johner
Torgelow.

In seinen Prozessen als Angeklagter vor Gericht erschien Alexander B. (25) stets geschniegelt in weißem Hemd mit farblich dezenter Krawatte. Nicht ganz so fein dürften die Klamotten sein, die er in den nächsten Jahren tragen wird. Alexander B. sitzt jetzt in der JVA Stralsund. Hier endet zunächst seine kriminelle Karriere, die mit kleineren Gaunereien begann, schließlich mit mehreren Raubüberfällen und gefährlicher Körperverletzung durch Schüsse seine Fortsetzung nahm. Am Donnerstag schnappten ihn Polizisten bei einem Großeinsatz unter Mitwirkung des SEK in einer älteren Stadtvilla. Die liegt in einer kleinen Nebenstraße im Norden Torgelows. Alexander B. hatte sich dort in der Wohnung seines Kumpels Leon L. (19) versteckt. Beamte entdeckten ihn im Bettkasten, danach klickten die Handschellen.

Er war sogar wegen versuchten Totschlags angeklagt

Zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft war Alexander B. im Februar 2020 von der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Neubrandenburg verurteilt worden. Er hatte in zwei Fällen nach Drogengeschäften Männer mit Stahlkugeln aus einer Gasdruckluftpistole beschossen. Eines der Opfer wurde am Auge verletzt, das andere Opfer an der Schläfe. Die Staatsanwaltschaft hatte Alexander B. sogar wegen versuchten Totschlags angeklagt – ein Vorwurf, der im Verfahren schließlich nicht zu halten war. Noch im Gericht lösten Justizwachmeister die Fesseln von Alexander B. und ließen ihn frei. Eine Entscheidung, die im Umfeld von Alexander B. für Entsetzen sorgte. Und tatsächlich trat der Verurteilte die Haftstrafe trotz Ladung nicht an, tauchte stattdessen in Torgelow unter. Bei Leon L. soll er sich „etwa eine Woche” aufgehalten haben, vermutet dessen Vermieterin. Die Polizei hatte zwei weitere Wohnungen im Visier.

Leon L. ist inzwischen wieder auf freiem Fuß. Gegen ihn und Alexander B. ermittelt die Kripo wegen des Raubüberfalls auf die Torgelower HEM-Tankstelle Ende vergangenen Monats und stellte in der Wohnung von Leon L. Beweismaterial sicher. Doch bisher scheint es nur für einen Tatverdacht und nicht für einen Haftbefehl zu reichen.

Es gab eine Serie von Raubüberfällen in der Region

In der Vergangenheit hatte es gleich mehrere Raubüberfälle in der Region gegeben, bei denen die Täter nach dem gleichen Muster vorgegangen waren wie im aktuellen Fall. Sie kamen stets am Monatsende kurz vor Geschäftsschließung, trugen Masken, Handschuhe, dunkle Kleidung. Betroffen waren die HEM-Tankstelle in Eggesin, der Norma-Markt in Torgelow-Drögeheide und erneut im Oktober 2018 wie jetzt die HEM-Tankstelle in Torgelow.

In diesem Fall soll Alexander B. vor damaligen Kumpels mit Täterwissen geprahlt haben. Einer seiner Bekannten sagte dem Nordkurier: „Er zeigte die erbeuteten Scheine im Wert von 1000 Euro rum und erzählte, dass er das erbeutete Hartgeld in Höhe von 50 Euro am Spielautomaten verdattelt habe.” Auch der mutmaßliche Komplize von Alexander B. packte gegenüber Freunden mit Täterwissen aus. Einer der Kumpel: „Der hatte Bammel, wollte einen Rückzieher machen. Doch ehe er was machen konnte, waren sie schon in der Tanke, wo Alexander sofort das Kommando übernahm.”

Angeklagt ist er noch nicht

Wegen des Überfalls angeklagt wurde Alexander B. bisher nicht. Das kann aber noch kommen. „Das Verfahren gegen B. ist noch anhängig”, erklärte Oberstaatsanwalt Gerd Zeisler von der Staatsanwaltschaft Neubrandenburg.

Angefangen hatte die kriminelle Karriere von Alexander B. mit Schwarzfahrten bei der Bahn, Fahren ohne Führerschein, kleinen Betrügereien. Dann kam die Drogensucht, die Beschaffungskriminalität. Der Bekannte: „Alexander nimmt deutlich zu viel von dem Teufelszeug.”

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