Trotz Wildzaun

Tragendes Damwild wohl vom Wolf getötet

Wieder hat der Wolf in der Uecker-Randow-Region zugeschlagen. Im Gut Borken ist man sich sicher, dass das Raubtier den Angriff in einem Damwildgatter verübt hat – trotz eines Sicherheitszauns!
Fred Lucius Fred Lucius
Auch für einen Jäger und Jagdverantwortlichen wie Falk Ehrke ist das kein schöner Anblick: Sieben Damtiere wurden bei dem Wolfsangriff im Gut Borken getötet, ein Hirsch ist verletzt.
Auch für einen Jäger und Jagdverantwortlichen wie Falk Ehrke ist das kein schöner Anblick: Sieben Damtiere wurden bei dem Wolfsangriff im Gut Borken getötet, ein Hirsch ist verletzt. Fred Lucius
1,80 Meter hoch ist der Wildzaun des Damwildgeheges im Gut Borken, über dem zusätzlich eine Stromleitung angebracht ist.
1,80 Meter hoch ist der Wildzaun des Damwildgeheges im Gut Borken, über dem zusätzlich eine Stromleitung angebracht ist. Fred Lucius
Das Damwildgehege befindet sich in unmittelbarer Nähe des Gutshauses und des Verwaltungssitzes des Gutes Borklen.
Das Damwildgehege befindet sich in unmittelbarer Nähe des Gutshauses und des Verwaltungssitzes des Gutes Borklen. Fred Lucius
Diese Spuren wurden in der Nähe des Tatorts gefunden.
Diese Spuren wurden in der Nähe des Tatorts gefunden. Fred Lucius
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Borken.

Sieben tote Stück Damwild, ein vermisstes Tier und ein verletzter Hirsch mit einer Wunde am Hinterbein – das ist die Bilanz eines Wolfsangriffs in einem Damwildgatter im Gut Borken. Einige getötete Damtiere sind tragend gewesen.

In dem Agrarbetrieb, der rund 6000 Bio-Rinder hält, ist man sich sicher, dass das Raubtier für den Angriff am Dienstagabend oder in der Nacht zum Mittwoch verantwortlich ist. „99,9 Prozent – sehr viel spricht dafür“, sagt Falk Ehrke, der im Gut für die Forst und Jagd zuständig ist. Nach seinen Worten gibt es eindeutige Fußspuren und Haare am Wildzaun, den der Wolf übersprungen hat. Auch die Kehlbisse an den getöteten Tieren würden darauf hinweisen.

Einige Tiere seien zu großen Teilen aufgefressen, andere „nur“ getötet. Zwei Rissgutachter hätten sich die toten die Tiere angesehen, Spuren gesichtet und gesichert. „Wir vermuten, dass es sogar mehr als nur ein Wolf war. So viel kann ein Tier nicht fressen“, erklärt Ehrke.

Raben und Adler machten sich an Kadavern zu schaffen

Der Angreifer hat einen 1,80 Meter hohen Wildzaun überwunden, der zusätzlich darüber mit einer Strom führenden 6000-Volt-Leitung versehen ist. Im Erdreich ist der Zaun um die 70 Zentimeter eingelassen. Der Angreifer habe erst versucht, unter dem Zaun ins Gatter zu gelangen, was aber misslang. Davon würden Kratzspuren zeugen. Mit einem solchen Zaun liege man über den vorgeschriebenen Schicherheitsvorkehrungen gegen Wolfsangriffe.

Die 15 Stück Damwild hat das Gut Borken erst seit vorletzter Woche. Das Damwildgatter, das sich auf einer kaum nutzbaren Fläche in unmittelbarer Nähe des Gutshauses und des Verwaltungssitzes des Betriebes befindet, ist rund fünf Hektar groß. Ein Mitarbeiter habe am Mittwochmorgen Kolkraben und Seeadler gesehen, die sich an den Kadavern zu schaffen machten, berichtet Falk Ehrke.

40 Wölfe von Ueckermünde bis Löcknitz

Erschreckend sei, dass der Wolf in unmittelbarer Nähe der Ortschaft die Tiere angegriffen hat. „Auch wenn es eine finanzielle Entschädigung gibt, der Aufwand ist für uns erst einmal enorm. Und es ist die Angst da, dass es wieder passiert. Werden demnächst hier Rinder vom Wolf angegriffen? Wir können doch keine hohen Betonmauern um die Weiden ziehen“, betont der Abteilungsleiter.

Hass auf den Wolf verspüre man in Borken nicht. Der gehe nur seien Instinkten nach. Vielmehr fühle man sich von der Politik im Stich gelassen. Mittlerweile gebe es von Ueckermünde bis Löcknitz um die 40 Wölfe, sagt Ehrke. Doch die Politik handele nicht.

Rissgutachter Torsten Dinse vermutet, dass es sich bei dem Angriff um einen Wolf gehandelt handeln könnte. „Das sieht danach aus. Jetzt müssen wir aber erst einmal die Befunde abwarten und sehen, ob sich das bestätigt“, meint er. Seit einem Wolfsangriff in Pampow wisse man, dass diese auch hohe Zäune überspringen können. Die Indizien in diesem Fall seien besser als seinerzeit in Pampow.