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Sanierungsarbeiten

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Ueckermünde bekommt ein Rathaus in Rosa

Daran werden sich die Ueckermünder gewöhnen müssen: Der Schlossturm wird künftig rosa strahlen.
Daran werden sich die Ueckermünder gewöhnen müssen: Der Schlossturm wird künftig rosa strahlen.
NK-Archiv/Montage: Fred Zädow

Die Sanierungsarbeiten am Ueckermünder Schlossturm sind in der Endphase, da warten die Verantwortlichen der Baumaßnahmen mit einer Überraschung auf.

Ueckermünde bekommt ein Rathaus in Rosa! Wer jetzt verständnislos den Kopf schüttelt, für den lohnt sich ein Blick in die Geschichtsbücher. Im Jahr 1630 hatten Truppen des schwedischen Generals Dodo von Knyphausen das Schloss und die Stadt besetzt, wurden 1637 durch kaiserliche Truppen zurückerobert. Durch die Kriegseinwirkungen war das Schloss stark beschädigt, musste schon damals in neuen Glanz versetzt werden. Heute ist der marode Schlossturm wegen der Putzarbeiten wieder eingerüstet. Ueckermündes Bauamtsleiter Jürgen Kliewe: „Die rosarote Farbe stammt aus dem 17. Jahrhundert. Deshalb entschieden Bauherr und Denkmalpflege, dem Turm seine ursprüngliche Farbe wiederzugeben.“ Auch die Fassade des Schloss-Südflügels, dem ehemaligen Jagdhaus von Herzog Bogislaw X. (1454-1523), bekommt einen neuen Anstrich im gleichen Farbton. Der Eingang des lang gestreckten Backsteinbaus liegt am Hof zum Rathaus. Blickt man vom Yachthafen aus auf das Gebäude, sieht man bereits die rosarote Farbe an dessen Rückfront.

Dass ein Rathaus in Rosa gewöhnungsbedürftig sein kann, wissen bereits Hunderttausende Einwohner anderer Städte. Rostock hat bereits eins, Bonn ebenfalls, und in Wolfsburg war es immerhin für vier Nächte pink. Anlass war der Weltmädchentag.

Sichern der Fassade ließ Baukosten steigen

Um den Schlossturm und sein instabiles Mauerwerk überhaupt sanieren zu können, bohrten Spezialisten 21 Löcher in dessen Gestein. Kliewe: „Die Löcher sind bis zu drei Meter tief. In ihnen wurden Edelstahlanker befestigt und mit Sicherheitsgurten verbunden. Anschließend wurden die Gurte verzurrt.“ Mit diesem Verfahren, so Kliewe, wurde das Mauerwerk gesichert, ein gefährdungsfreies Weiterarbeiten an der Aufmauerung ermöglicht. Wenn in wenigen Wochen alles fertig ist, kommen die Gurte wieder weg. Die Anker, so der Bauamtsleiter, bleiben im Mauerwerk, würden mit Granitkapseln überdeckt.

Mit dieser Lösung wurde das drohende Wegrutschen der Fassade verhindert. Es erhöhten sich allerdings die Kosten fürs Gesamtprojekt auf mehr als 500 000 Euro. 75 Prozent der Ausgaben erhält die Stadt aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung zurück. Vorpommern-Staatssekretär Patrick Dahlemann (SPD) hatte gegenüber dem Nordkurier angekündigt, ebenfalls Fördermittel freizugeben. Im Rathaus Ueckermünde sind darüber jedoch keine Informationen bekannt.