GERICHT

Ueckermünder Ex-Bürgermeister spricht über sein Leben nach der Drogenfahrt

Am zweiten Prozesstag wegen seiner Drogenfahrt ging Gerd Walther ausführlich auf seine persönliche Situation ein, legt sein Einkommen offen und seine Pläne für die Zukunft.
Holger Schacht Holger Schacht
Gerd Walther diskutiert mit seinem Pflichtverteidiger David Thieme vorm Amtsgericht Pasewalk. Der Anwalt aus Berlin ist spezialisiert auf Verkehrsrecht und Verkehrsstrafrecht.
Gerd Walther diskutiert mit seinem Pflichtverteidiger David Thieme vorm Amtsgericht Pasewalk. Der Anwalt aus Berlin ist spezialisiert auf Verkehrsrecht und Verkehrsstrafrecht. Holger Schacht
Pasewalk.

Er sieht blendend aus, wirkt gut erholt, hat wieder ein paar Pfund zugenommen und nach eigenen Angaben „seit geraumer Zeit keine Drogen mehr konsumiert“. Ueckermündes Ex-Bürgermeister Gerd Walther müsste es eigentlich ganz gut gehen, doch finanziell drückt der Schuh. Im Verfahren vor dem Amtsgericht Pasewalk wegen der Drogenfahrt am Steuer seines VW Passat ging es am zweiten Prozesstag auch um seine „persönliche Lebensumstände“. Laut Walther sieht es für ihn bei Geldangelegenheiten nicht gerade rosig aus. Er hatte immer wieder gefordert, die Stadt müsse ihm eine Abfindung zugestehen, nachdem ihn die Stadtvertretung abgesetzt hatte. „Ich bekomme jetzt 45 Prozent meines letzten Nettogehalts, lebe von 1850 Euro. Inzwischen haben sich 18 000 Euro Verbindlichkeiten angesammelt, die ich mit einem Privatkredit umschulden will.“

Rückkehr in seinen Job unvorstellbar

Nach seiner erzwungenen Zurruhesetzung durch die Stadtvertretung Ueckermünde muss Walther seine Krankenkassenbeiträge von monatlich 730 Euro allein tragen. Auch sein Haus in Vogelsang-Warsin muss weiter abbezahlt werden. Walther: „110.000 Euro habe ich damals dafür bezahlt und über Lebensversicherungen finanziert. Deshalb werden monatlich 800 Euro fällig. Ich kann mir nicht mal eine Fahrkarte für den Bus leisten.“ Amtsrichter Gerald Fleckenstein kommentierte trocken: „Das ist sehr schade für Sie.“

Dann wollte er von Walther wissen, wie der seine Tage verbringe. Antwort: „Ich verbringe viel Zeit im Garten meines Grundstücks, befinde mich in einer Phase der Konsolidierung und versuche, meine persönliche Situation zu ordnen.“ Seit vier Jahren, so Walther, sei er alleinstehend, hätte nach 30 Jahren erstmals „kein Ehrenamt“ und wolle sich in nächster Zeit einen „Nebenerwerb“ suchen. Eine Rückkehr in seinen einstigen Job als Vermessungstechniker könne er sich nicht vorstellen. Ausgeschlossen sei eine Rückkehr auf den Posten des Ueckermünder Rathauschefs. Walther: „Ich habe vor dem Verwaltungsgericht keine Klage eingereicht.“

Gutachter-Einschätzung im Fokus

Zu Beginn der Verhandlung, die 35 Minuten andauerte, ging es nochmals um die Drogen-Einschätzung des Gutachters Dr. Giovanni Tolarico. In Walthers Blutprobe war eine erhebliche Menge Crystal Meth und in geringerer Dosis ein weiteres Amphetamin analysiert worden. Gutachter Tolarco zog daraus den Schluss, dass Walther deshalb „euphorisch, selbstbewusster und risikobereiter“ gewesen sei. Jetzt wird die Blutprobe nochmals untersucht. Amtsrichter Fleckenstein: „Der Gutachter sagte mir, dass er seine Einschätzung ändern könnte, wenn er wüsste, ob Walther tatsächlich ein zweites Amphetamin eingenommen hatte. Durch das Crystal Meth könnte der andere festgestellte Rückstand auch auf natürliche Weise entstanden sein.“

Der Prozess wird am 18. Juli fortgesetzt und vermutlich auch mit einem Urteilsspruch abgeschlossen. Walther droht eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr. Mindestens aber eine Geldstrafe.

StadtLandKlassik - Konzert in Pasewalk

zur Homepage