Siglinde Kröhl und Wolfgang Ritter sind in den vergangenen zwei Wochen schon 1.200 Kilometer mit ihren Quattrovelos gefah
Siglinde Kröhl und Wolfgang Ritter sind in den vergangenen zwei Wochen schon 1.200 Kilometer mit ihren Quattrovelos gefahren. Lutz Storbeck
Auf dem Weg Richtung Ostsee erregen die beiden Rheinland-Pfälzer in ihren Vehikeln viel Aufmerksamkeit.
Auf dem Weg Richtung Ostsee erregen die beiden Rheinland-Pfälzer in ihren Vehikeln viel Aufmerksamkeit. Katja Richter
Besonders viel Platz ist in einem Quattrovelo zwar nicht, aber für die wichtigsten Utensilien reicht er.
Besonders viel Platz ist in einem Quattrovelo zwar nicht, aber für die wichtigsten Utensilien reicht er. Lutz Storbeck
Ungewöhnliches Fahrzeug

Ufo? Fahrrad? Auto? Was flitzt denn da durch Vorpommern?

Wo Siglinde Kröhl und Wolfgang Ritter auftauchen, sorgen sie für Aufsehen. Das liegt nicht an dem Ehepaar selbst, sondern an den außergewöhnlichen Fahrzeugen, mit denen die beiden unterwegs ist.
Vorpommern

Spritpreise explodiert? Ärgerlich! Für Siglinde Kröhl und Wolfgang Ritter aus Germersheim (Rheinland-Pfalz) ist dies allerdings kein Thema. Wenn sie unterwegs sind, dann entweder zu Fuß oder radelnd. Wobei sie für ihre derzeitige Tour durch Deutschland, Schweden, Dänemark und die Niederlande kein normales Fahrrad benutzen. Sondern zwei gelb-rote Quattrovelos, die beinahe geräuschlos unterwegs sind.

Und mit diesen Fahrzeugen erregt das Ehepaar überall Aufmerksamkeit. Kein Wunder, diese aerodynamisch gestalteten Fahrmaschinen mit ihren jeweils vier schmalen 20-Zoll-Rädern, die mit einer Kunststoffkarosse bestückt sind, sehen irgendwie aus wie Ufos. Ein bisschen futuristisch also.

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Dennoch: In einem Quattrovelo findet ein Erwachsener Platz, ohne dass der Raum unterm Karbondach zu üppig ausfällt. Denn der Fahrer braucht ja auch einen Lenker, dazu vielleicht ein Navigationssystem, Sonnenbrille womöglich und andere Utensilien. Nicht zu vergessen: Für die Beine muss ausreichend Bewegungsfreiheit vorhanden sein. Denn angetrieben werden solche Quattrovelos in den meisten Fällen mit purer Muskelkraft.

Es gibt im Fahrzeug sogar eine Gegensprechanlage

Die durchdachte Enge ist gewöhnungsbedürftig. „Alles kein Problem“, versichert Siglinde Kröhl. Sie zeigt ihren Platz und verweist dazu noch auf den Stauraum hinter dem Fahrersitz. Zelt und Schlafsack können dort, geschützt von einer Klappe, gut verstaut werden. Bei Bedarf könne auch ein Kind mitgenommen werden. In der aktuellen Ausstattung der Quattrovelos steht dem Ehepaar für eine Abenteuertour mit Übernachtung unterm Sternenhimmel nichts im Weg.

Aber wie fährt es sich mit einem solchen Vehikel? Ist es nicht zu schwer? Und wie steht es mit der Sicherheit? Und mal im Ernst: Mit einem richtigen Fahrrad ist sie oder er doch wahrscheinlich schneller unterwegs, oder? Wolfgang Ritter muss bei den Fragen doch etwas schmunzeln. Schon oft hat er sie gehört. „Es fährt sich ausgesprochen gut!“

Das Mobil wiegt leer etwa 30 Kilogramm, ist also durchaus zu beherrschen – abhängig natürlich davon, wie es um die Beladung aussieht. Vier Bremsen sorgen im Bedarfsfall für ordentliche Verzögerung. Weil das Quattrovelo mit vier Rädern unterwegs ist, „kippt man nicht so leicht um“, sagt Siglinde Kröhl. Zur Ausstattung gehört eine Lichtanlage, Blinker ebenfalls, eine Hupe. Über eine Gegensprechanlage verständigen sich die beiden unterwegs. Obwohl die 65-jährige Siglinde Kröhl weiß, wo es entlang geht, schließlich stammt die Tourenplanung von ihr. Auf dem Verdeck, der vor Wind und Wetter schützt, ist eine kleine Solaranlage angebracht, die Strom auch für die Handys liefert. Die Ausstattung ist also umfangreich und zweckmäßig. Dennoch: Ganz billig ist so ein Vierrad-Vehikel nicht. Je nach Ausstattung kommt ein Preis zusammen, für den man einen gut gepflegten Kleinwagen kaufen könnte.

10.000 Kilometer pro Jahr mit dem Quattrovelo unterwegs

In Sachen Tempo haben die Rentner ebenfalls nichts zu meckern. „Wir sind meistens schneller unterwegs als Radler, das kommt von der ausgefeilten Aerodynamik.“

Wolfgang Ritter hat Erfahrungen, was Liegeräder angeht. Seit 2000 ist er mit solchen speziellen Rädern unterwegs. Anfangs einem mit zwei Rädern, seit 2008 mit einem Liegedreirad, seit einigen Jahren eben in der Variante mit vier Rädern. Ehefrau Siglinde ist ebenfalls angetan von den Fahrzeugen. „Denn man braucht nicht unbedingt Kraft, um voranzukommen“, sagt sie.

Etwas Fitness aber schadet dennoch nicht. Denn pro Jahr legt der 77-jährige Wolfgang Ritter etwa 10.000 Kilometer zurück. Ein gutes Stück davon haben er und seine Frau bei der aktuellen Tour schon absolviert – insgesamt 1300 Kilometer in zweieinhalb Wochen. Und es geht ja noch weiter. Auch zu Hause sind die beiden meistens mit ihren Quattrovelos auf Tour. „Wenn ich 30 Kilometer fahren muss, dann damit. Das kann zwar etwas dauern, aber ich habe ja Zeit", sagt Ritter.

Wenn die beiden bei ihren Fahrten dann doch mal an einer Tankstelle vorbeikommen, schauen sie wohl schon mal nach, ob der Spritpreis vielleicht wieder geklettert ist. Aber eigentlich ist das für sie wirklich kein Thema.

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