STADTGESCHICHTE

Verschwundener Schatz ist zurück in Eggesin

Zu seiner letzten Lesung, die absichtlich auf den 30. Jahrestag des Mauerfalls gelegt wurde, ließ Autor Lutz Gutgesell es noch einmal so richtig krachen und wird damit vermutlich in die Stadtgeschichte eingehen.
Spannung pur in der Eggesiner Kulturwerkstatt: Lutz Gutgesell, Künstler Jörg Frey und damaliger Stabschef Jürge
Spannung pur in der Eggesiner Kulturwerkstatt. Katja Richter
Der verlorene Schatz ist zurück in Eggesin.
Der verlorene Schatz ist zurück in Eggesin. Katja Richter
Lutz Gutgesell, Künstler Jörg Frey und damaliger Stabschef Jürgen Büscheck (v.l.n.r.) heckten 1985 den Pla
Lutz Gutgesell, Künstler Jörg Frey und damaliger Stabschef Jürgen Büscheck (v.l.n.r.) heckten 1985 den Plan für das Kunstwerk aus. Katja Richter
Eggesin.

Großes hatte er vor – zu seiner letzten Lesung am 9. November, dem 30. Jahrestag des Mauerfalls – dieser Lutz Gutgesell aus Eggesin. Dass er mit seiner Ankündigung den Nerv der Eggesiner treffen würde, sollte er in Vorbereitung dieses geschichtsträchtigen Datums schon bald erfahren, denn nach gut 170 Voranmeldungen galt es, erst einmal das Bestuhlungsproblem in der kleinen Galerie der Eggesiner Kulturwerkstatt zu lösen.

Natürlich wollte der Autor von seinen persönlichen Erlebnissen und Empfindungen nach Veröffentlichung seines Buches, welches in der Region wie eine Bombe einschlug, und von den Eindrücken seiner nun endenden einjährigen Lesereise berichten, aber damit nicht genug. Gutgesell wollte im Beisein der Gäste ein Kapitel seines Buches „Immer kam was dazwischen“ zu Ende bringen und diesmal sollte nichts dazwischen kommen.

Junger Soldat schuf gigantisches Kunstwerk

Kurz vor der Pause – nach zahlreichen persönlichen Anekdoten – stellte Gutgesell dann seinen Überraschungsgast vor. Zusammen mit Künstler Jörg Frey aus Berlin enthüllte der Autor die Kunstwerke auf den drei riesigen Staffeleien. Zunächst ohne weitere Worte, denn die Gemälde sollten erst einmal wirken und aufmerksame Buchleser begannen zu ahnen, um welche Geschichte im Buch es gleich gehen sollte.

1985 entdeckte Gutgesell das Talent eines jungen Soldaten. Dieser konnte herausragend zeichnen und malen. Zusammen mit dem Stabschef und Kommandeur ließ der Offizier diesen jungen Künstler während seiner gesamten restlichen Dienstzeit ein gigantisches Kunstwerk zur Traditionspflege des Ausbildungszentrums „Max Matern“ erschaffen. „Während dieser zweieinhalb Jahre durfte so wenig wie möglich an die Öffentlichkeit. Zu groß war der Hunger der Oberen, solche Talente in Stäbe und Ministerien zu versetzen. Gemeinsam mit dem Stabschef unserer Einheit war es dann gelungen, den Künstler zu verstecken, um das Werk vollenden zu können“, schreibt der Autor in seinem Buch.

Nach der feierlichen Enthüllung des Triptychons 1988 wurde es im Kasernenflur eineinhalb Jahre lang von Tausenden betrachtet und bestaunt. „Eine ganze Fachrichtung war stolz. Vom Soldaten bis zum Oberst“, so Gutgesell. „Damals ahnte ich noch nichts davon, dass wir unser Bild eines Tages vor blindwütigen Chaoten schützen mussten. In einer heimlichen Nacht- und Nebelaktion im Jahre 1990 brachten wir es in Sicherheit. Die Gefahr eines Morgens vor einem total zerstörten Kunstwerk zu stehen, war zu groß. Wir brachten es zum Künstler nach Berlin.“

Künstler versteckte Werk

„Ich habe die Tafeln dann in schützenden Stoff eingenäht und sie versteckt“, so der Künstler Jörg Frey. „Wir wissen doch alle, was mit den Ostdeutschen Kunstwerken nach der Wende geschah. Sie wurden entweder vernichtet oder verschwanden in den Kellern der Museen.“ Beim Schreiben seines Buches war die Geschichte wieder allgegenwärtig. Er überlegte nicht lange und nahm Kontakt zum Künstler auf. „Er sagte, ich dachte du fragst nie mehr“, erinnert sich Lutz Gutgesell und dann geschah, was geschehen musste und das Kunstwerk fand den Weg zurück an seinen Entstehungs- und Bestimmungsort.

Jörg Frey berichtete während der Lesung von seiner Schaffensphase und seinen Gefühlen als junger NVA Soldat und bot dem Eggesiner Militärmuseum das Kunstwerk als kostenlose Leihgabe an. „Das Bild gehört einfach nach Eggesin.“

Tobender Applaus ließ dem Vorstand vermutlich nur diese eine Entscheidung: Es anzunehmen und dieses von Lutz Gutgesell gerettete Eggesiner „Nachtkind“ der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Eine endgültige Entscheidung steht allerdings noch aus.

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