BÜRGERFORUM IN TORGELOW

Vorpommerns Wolfsfrust entlädt sich am Minister

Die einen bejubeln die Erfolge beim Artenschutz, die anderen müssen ihre Weidetiere vor Wölfen aufwendig schützen. Beim Bürgerforum in Torgelow entluden sich die Spannungen.
Simone Weirauch Simone Weirauch
Er bestimmte die Debatte beim Bürgerforum mit Landwirtschaftsminister Till Backhaus in Torgelow – der Wolf.
Er bestimmte die Debatte beim Bürgerforum mit Landwirtschaftsminister Till Backhaus in Torgelow – der Wolf. Julian Stratenschulte
In Torgelow diskutierte Landwirtschafts- und Umweltminister Till Backhaus vor vollem Haus über Wölfe, Biber und Kormorane.
In Torgelow diskutierte Landwirtschafts- und Umweltminister Till Backhaus vor vollem Haus über Wölfe, Biber und Kormorane. Ann-Kristin Hanell
Torgelow.

Damit hatte Minister Till Backhaus (SPD) offenbar nicht gerechnet. Auf seine Frage, wer denn schon einen Wolf in freier Wildbahn gesehen hat, meldete sich weit über die Hälfte der Besucher beim Torgelower Bürgerforum „Wolf, Biber & Co“.

Der Landwirtschaftsminister war an diesem Tag mitten im Wolfsland angekommen, und sein Gesprächsangebot zum „Spannungsfeld zwischen Artenschutz und Landnutzung“ wurde mit großem Interesse von denen angenommen, die in genau diesem Spannungsfeld leben und wirtschaften.

Im großen Saal im Haus an der Schleuse blieb kaum ein Platz frei. Eingeladen hatte der Landwirtschaftsminister zu einem sachlichen Gespräch über den Umgang mit Wolf, Biber und Kormoran. Doch immer wieder kochten die Emotionen hoch.

30 Prozent Wachstum jährlich

Größtenteils ging es in diesem gut zweistündigen Forum in Torgelow um den Wolf. Backhaus hatte aktuelle Zahlen mitgebracht. Demnach leben in Deutschland 73 Wolfsrudel, 31 Wolfspaare und drei Einzeltiere. Sechs Rudel und zwei Paare halten sich in Mecklenburg-Vorpommern auf, einzelne Tiere pendeln aus Polen, Brandenburg und Niedersachsen ins Land.

Die Wolfspopulation wächst um 30 Prozent jährlich. Doch ein Eingriff in diese Entwicklung ist immer noch nicht erlaubt. Die Zahl der Risse bei Weidetieren steigt. Keine zwei Tage vor diesem Bürgerforum haben Wölfe im Gut Borken mehrere Damtiere getötet.

Der Wolf hatte einen 1,80 Meter hohen Schutzzaun mit einer stromführenden Leitung darüber überwunden. Ehrke und andere Teilnehmer des Forums machten deutlich: Schutzzäune können den Wolf nicht aufhalten! Der Minister räumte in der Debatte ein, dass Wölfe, die Zäune überwinden und geschützte Nutztiere reißen, und solche, die sich Menschen nähern, geschossen werden müssten.

Die Tiere würden ihr erlerntes Verhalten an die nächste Generation weitervererben. Immer wieder kündigte Backhaus an, dass für den Umgang mit solchen „auffälligen“ oder „Problemwölfen“ ein Durchbruch bevorstehen würde.

Landwirte fühlen sich hingehalten

Doch für ein derart wirksames Wolfsmanagement müsse erst wissenschaftlich gesichert sein, dass sich die Wolfspopulation in einem guten Erhaltungszustand befindet. Angeblich brauche es 1000 Tiere, um den Bestand der Population zu sichern. Erst dann könnte der Wolf auch ins Jagdrecht aufgenommen werden.

Ein Forumsteilnehmer erklärte, dies sei viel zu spät, angesichts der Vermehrungsquote der Wölfe müsse bereits jetzt gehandelt werden. Der unüberhörbare Unmut des Torgelower Publikums richtete sich weniger gegen den Wolf und seine raubtierhafte Natur, als vielmehr dagegen, dass vor allem Landwirte und Schafhalter von der Politik hingehalten werden.

Die Faszination für den Wolf und die Erfolge beim Artenschutz, die der Landwirtschaftsminister an diesem Abend in Torgelow mehrfach betonte, mögen anderenorts bejubelt werden. Hier, im Wolfsland, brauche es statt immer höherer Zäune praktikable und rechtliche sichere Umgangsregeln.

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Kommentare (1)

zwischen Uede und Löcknitz die werden sich nicht von Gras und Illusionen ernähren - der Schaden muss mal hochgerechnet werden - 5 oder 10 in der Ecke würden immer noch genug Schaden anrichten