ARBEITSKAMPF

▶ Warnstreik in der Eisengießerei Ueckermünde

In der Eisengießerei Ueckermünde stieg Arbeitgeber MAT Foundries 2019 aus dem Tarifvertrag aus. Jetzt stocken die Tarifverhandlungen. Deshalb platzte 200 Arbeitern der Kragen. Vor der Gießerei fand ein Warnstreik statt.
200 wütende Arbeiter beteiligten sich am Warnstreik nahe der Eisengießerei. Sie wurmt auch, dass ihre Kollegen bei
200 wütende Arbeiter beteiligten sich am Warnstreik nahe der Eisengießerei. Sie wurmt auch, dass ihre Kollegen bei MAT Foundries im Saarland jährlich vier Wochen weniger fürs gleiche Geld arbeiten müssen. „Auch wir sind 100 Prozent wert”, schimpfen sie. Holger Schacht
Ueckermünde.

In der Eisengießerei Ueckermünde brodelt es, die Mitarbeiter kochen vor Wut. Sie legten am Donnerstag die Arbeit nieder, traten für zwei Stunden in den Warnstreik. 200 Arbeiter beteiligten sich am Protest. Hintergrund sind die stockenden Tarifverhandlungen mit Arbeitgeber MAT Foundries. Bis Ende 2019 hatte noch ein Zukunfts-Tarifvertrag gegolten, der auch Kündigungsschutz beinhaltete. „Darin wurde auch festgelegt, dass die Mitarbeiter noch bis Ende 2019 sechs Prozent unter Tarif bezahlt wurden und sie 100 Stunden Sanierungsbeitrag leisten. Ab 2020 sollte dann in Ueckermünde 100 Prozent Tarif gezahlt werden. Doch aus dieser Vereinbarung stieg die Unternehmensführung aus”, sagt Guido Fröschke von der IG Metall, die zum Warnstreik aufrief.

„Habe mir seit 20 Jahren den Arsch aufgerissen!”

Auch sein Gewerkschafts-Kollege Jürgen Bolduan, der gleichzeitig Betriebsratsvorsitzender in der Eisengießerei ist, schüttelt über die Geschäftsführung nur den Kopf. „Die entlassen nicht nur Langzeitkranke, für die nicht sie, sondern die Krankenkassen aufkommen müssen, sondern machen nicht mal vor Schwerbehinderten halt”, sagt er.

Im September 2019 zählten in der Eisengießerei noch 388 Mitarbeiter zur Stammbelegschaft, jetzt sind es 355. Die Zahl der Leiharbeiter oder Beschäftigen mit Werkverträgen fiel von 172 auf 80. „Die Geschäftsführung sagte mir, wenn es zum Streik komme, ginge sie in die Insolvenz”, sagt IG-Metall-Mann Fröschke. In diesem Moment platzt einem Arbeiter der Kragen. „Wir haben zwei Werksleiter, also muss doch Geld da sein. Ich bin seit 20 Jahren in dem Laden, habe mir den Arsch aufgerissen, Staub geschluckt, damit alles läuft. Irgendwann reicht es. Die sollen ihre Verträge einhalten und den Wasserkopf nicht immer größer werden lassen”, rief er ins Mikro.

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Toiletten und Duschen in desolatem Zustand

Damit sprach er den Arbeitern aus der Seele. Sie applaudierten, pfiffen, vorbeifahrende Autofahrer hupten aus Solidarität. „Unsere Umkleideräume und sanitären Einrichtungen sind unzumutbar. Toiletten und Duschen sind in einem desolaten Zustand. Häufig funktionieren sie nicht”, beklagen mehrere Arbeiter.

Bisher bekennt sich MAT Foundries in den Verhandlungen zum Standort Ueckermünde, bietet einen Beschäftigungsschutz für 320 Mitarbeiter, will die sechs Prozent Lohnerhöhung auf drei Jahre mit jeweils zwei Prozent splitten, verweigert bisher jedoch die Auszahlung beziehungsweise die Rückabwicklung der bereits geleisteten 100 Arbeitsstunden.

Werksleitung will Produktion zurückfahren

„Dagegen müssen wir uns wehren. Es kann nicht sein, dass die Belegschaft Fehlentscheidungen des Managements ausbaden soll”, sagt Fröschke. 2015 war eine Gießereistrecke für 15 Millionen Euro gekauft worden. Doch die machte von Anfang an Probleme. Jetzt will die Werksleitung die größte der drei Fertigungslinien demontieren und die Produktion von 54 .000 Tonnen auf 45 .000 Tonnen zurückfahren. „Eigentlich sollte die Produktionserweiterung und der Einsatz der dritten Gießereimaschine die Zukunft des Unternehmens hier in Ueckermünde sichern, aber dieser Plan ist nicht aufgegangen“, erklärt IG-Metall-Mann Jürgen Bolduan. In der Eisengießerei wird vor allem für Automobil-Zulieferer produziert.

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