VÖGEL IM WINTER

Was beim Füttern von Wildvögeln zu beachten ist

Das ganze Jahr über oder nur in der kalten Jahreszeit? – Wann Amsel, Drossel, Meise und Co. gefüttert werden sollten, darüber gibt es verschiedene Auffassungen. Und auch darüber, was die Vögel auf ihrer Speisekarte finden sollten.
Schwäne füttern – ein Abenteuer für die ganze Familie.
Schwäne füttern – ein Abenteuer für die ganze Familie. Katja Richter
Auch Rotkehlchen sind regelmäßig zu Gast in Vorpommerns Gärten.
Auch Rotkehlchen sind regelmäßig zu Gast in Vorpommerns Gärten. Katja Richter
Ueckermünde.

Wenn die Temperaturen sinken und die Tage wieder kürzer und dunkler werden, ist der Winter nicht mehr fern. Jetzt wollen viele Menschen auch den heimischen Vögeln helfen, damit sie gut über den Winter kommen. Aber egal, ob das Füttern von Schwänen oder Möwen am Strand oder das Aufstellen von Vogelhäuschen im eigenen Garten – bei diesem Thema gehen sogar die Meinungen von Experten auseinander.

Hartnäckig halten sich Aussagen, dass Schwäne und Möwen keinesfalls mit Brot gefüttert werden sollten, weil man ihnen damit eher schadet als nützt, sie angeblich das Brot nicht vertragen und durch Brotreste sogar die Gewässer verunreinigt und Ratten angelockt werden könnten. Dabei bringen viele Familien bei gemeinsamen Spaziergängen ihr übrig gebliebenes Brot zu den Wasservögeln, um den Tieren zu helfen. Auch Frank Joisten, Vogelwart auf dem Riether Werder, weiß, dass bei diesem Thema die Meinungen auseinander gehen. „Ich denke, es spricht nichts dagegen, an unseren Stränden die Möwen und Schwäne zu füttern“, sagt der Vogelexperte. „Sie sind an das Brot gewöhnt und vertragen es gut.“ Joisten rät allerdings davon ab, Wasservögel in stehenden Gewässern zu füttern. Hier könnte das Wasser tatsächlich verunreinigt werden. Am Strand würde dies jedoch keine Rolle spielen.

Das ist der Nachteil von Mischungen aus dem Supermarkt

Während manch ein Tierfreund meint, unsere kleinen gefiederten Freunde finden auch im Winter reichlich Nahrung und benötigen keine zusätzliche Kost, empfehlen andere, den Vögeln unbedingt über den Winter zu helfen. Manch einer geht sogar so weit und sagt, wir sollten das ganze Jahr über Futter anbieten, denn wegen Monokulturen, fehlender Hecken und des Einsatzes von Pestiziden stehe den Vögeln auch in den warmen Monaten zu wenig Futter zur Verfügung. Doch was ist richtig und welches Futter ist wann sinnvoll?

Auch Jochen Elberskirch, Chef des Naturparkes „Am Stettiner Haff“, hält es für eine gute Idee, die Vogelschar im Winter zu füttern. „Davon bin ich ein großer Freund“, sagt er. Elberskirch selbst verfüttert am liebsten Sonnenblumenkerne. Mischungen aus Supermärkten hält er nicht für so günstig, denn die können Samen von Pflanzen enthalten, die im Garten nicht gern gesehen sind, aber von den Vögeln verbreitet werden.

Gefüttert werden können Wildvögel natürlich nicht nur auf Privatgrundstücken. Auch Schulen bieten sich dafür an, Futterhäuschen anzubringen – gut einsehbar. „Dort können die Kinder die Vögel füttern und dann natürlich auch beobachten“, sagt der Naturparkchef. Es ist also gewissermaßen eine Sache, von der die Vögel einerseits und die Schüler, die einiges über die heimischen Tiere lernen, andererseits etwas haben.

Ganzjährige Fütterung ist kein Muss

Es gibt sogar die Auffassung in Naturschutzkreisen, dass die Vögel möglichst ganzjährig mit Futter versorgt werden sollten, sagt Elberskirch. Das kann man machen, muss es aber nicht. „Die Vögel sind clever, die lernen ganz schnell, wo es etwas zu holen gibt“, hat er beobachtet. Das gilt für die Vertreter der kleineren Arten, für Meisen, Sperlinge und andere. Aber eben auch für Kraniche. Von denen sind derzeit ja noch etliche in Vorpommern anzutreffen. Besonders am Galenbecker See oder in anderen Gebieten der Friedländer Großen Wiese. Nach Einschätzung des Naturparkleiters probieren die Tiere, ob sie es nicht doch mit einer Überwinterung hier im Norden schaffen, statt in den Süden zu fliegen. Interessant sei das schon, aber eben auch mit Problemen behaftet. Vor allem für die Landwirte, wenn die Kraniche sich von dem ernähren, was die Bauern gerade eingedrillt haben.

Wie hungrige Kraniche vom Acker fernhalten?

Das sei durchaus ein heikles Thema, für das es kein Patenrezept gibt. Wohl aber eine Möglichkeit. Mit der so genannten Ablenkungsfütterung können die Kraniche von den Ackerflächen ferngehalten werden. Allerdings kosten solche Fütterungen, und die Frage ist, ob der Bauer diese Zusatzkosten übernehmen will und kann. Denn eine Förderung dafür gibt es nach Kenntnis von Jochen Elberskirch nicht, so dass der Landwirt auf den zusätzlichen Kosten sitzen bleibt. „Es steht also die Frage, ob die Kraniche eben zusätzlich gefüttert und damit von den Schlägen ferngehalten werden – oder ob der Landwirt den Schaden in Kauf nimmt beziehungsweise die Vögel vergrämt, durch Schreckschüsse beispielsweise“, sagt der Naturschutzfachmann.

Auf alle Fälle brauchen die Kraniche gehaltvolles Futter – Mais beispielsweise, der wichtig ist für die Energiebilanz der Tiere. Bei den derzeitigen Witterungsbedingungen klappt es mit der Nahrung offenbar. „Aber sollte es kälter werden mit länger anhaltendem Frost, dann könnten es sich die Kraniche durchaus überlegen, ob sie nicht doch in wärmeren Regionen überwintern.“

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