IMMOBILIE VERKAUFT

Was hat der neue Besitzer mit der Jugendherberge Bellin vor?

Die Jugendherberge im Ueckermünder Ortsteil Bellin wurde verkauft. Doch das Konzept des Käufers ist der Stadt bislang nicht bekannt. Auch die Zukunft der Mitarbeiter ist unsicher.
Der aus Torgelow stammende Heiko Kirschbaum hat die Jugendherberge in Bellin erworben. (Archivbild)
Der aus Torgelow stammende Heiko Kirschbaum hat die Jugendherberge in Bellin erworben. (Archivbild) Simone Weirauch
Ueckermünde.

Es ist offenbar alles in trockenen Tüchern: Nach Nordkurier-Informationen soll Heiko Kirschbaum die Jugendherberge im Ueckermünder Ortsteil Bellin vom Deutschen Jugendherbergsverband (DJH) gekauft haben. Kirschbaum stammt aus Torgelow und ist bekannt als Betreiber der ehemaligen Disco „Holiday In“ in Drögeheide sowie des einstigen Taubenschlags in der Torgelower Innenstadt.

Mittlerweile ist Kirschbaum als Geschäftsführer des Unternehmens „Soziale Dienste – gravis vita GmbH“ mit Sitz in Torgelow tätig. Gegenüber dem Nordkurier erklärte Heiko Kirschbaum am Freitag telefonisch, dass er keine Zeit für ein Gespräch habe. Allerdings bestätigte die Stadt Ueckermünde auf Nachfrage, dass Heiko Kirschbaum die Einrichtung erworben hat. „Wir haben ein entsprechendes Schreiben erhalten“, sagte Ueckermündes Bürgermeister Jürgen Kliewe.

Verkauf nicht öffentlich ausgeschrieben

Für die Schließung der Jugendherberge hatte der DJH-Landesverband M-V betriebswirtschaftliche Gründe angeführt. Gespräche der Stadt Ueckermünde mit dem Vorsitzenden des DJH-Landesverbandes, Kai-Michael Stybel, die Entscheidung noch einmal zu überdenken, hatten nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Auch die Ueckermünder Stadtvertretung und der Kreistag Vorpommern-Greifswald hatten sich dafür eingesetzt, dass der Verkauf an einen Träger erfolgt, der die Immobilie ebenfalls als Unterkunft für Kinder, Jugendliche und Familien nutzen will.

Es gab offenbar mehrere Bewerber für den Kauf der Jugendherberge mit den 115 Betten. Die Lagunenstadt am Haff GmbH um Gesellschafter André Klink machte schließlich ihr Interesse öffentlich. 550.000 Euro – so viel Geld wollte der DJH-Landesverband für die Einrichtung nach Informationen des Nordkurier haben. Eine öffentliche Ausschreibung gab es allerdings nicht. Mitbewerber André Klink hätte sogar noch mehr Geld geboten, aber dieses Angebot schlug der DJH-Landesverband aus. „Es gibt zwei Möglichkeiten, das zu erklären: Entweder man verfolgt private Interessen oder es war nicht erwünscht, dass wir den Zuschlag erhalten“, sagte Klink, der das Vorgehen des Verbandes als lausig bezeichnet: „Das wäre ein Unding, wenn die Einrichtung nicht als Jugendbegegnungsstätte oder Ähnliches betrieben werden würde.“ Der Vorsitzende des DJH-Landesverbandes, Kai-Michael Stybel, war bis zum Freitagabend nicht erreichbar.

Nutzungsänderung würde Stadt hart treffen

Sollte Heiko Kirschbaum allerdings tatsächlich etwas anderes mit der Einrichtung vorhaben, dann würde dies auch die Stadt hart treffen. „Das wäre ein Desaster. Das sind jährlich 8.000 bis 10.000 Übernachtungen, die wegfallen, und die wir einfach nicht kompensieren können. Von diesen Übernachtungen profitieren ja auch andere Einrichtungen, wie zum Beispiel das Kino oder der Tierpark“, sagte Kliewe, der das Konzept von Heiko Kirschbaum nicht kennt: „Wir wurden da ja nicht miteinbezogen. Wir wussten ja nicht einmal, wer sich für den Kauf beworben hat. Allerdings wurde uns vonseiten des Landesverbandes immer wieder zugesichert, dass die Nachnutzung das Wichtigste sei und die Einrichtung auch weiterhin als Jugendbegegnungsstätte genutzt werden soll.“

Vor einer unsicheren Zukunft stehen die zehn Mitarbeiter der Jugendherberge um Herbergsleiter Detlef Rabethge: „Ich bin enttäuscht von der Entscheidung des Verbandes, aber das wundert mich nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Herr Kirschbaum die Einrichtung als Jugendbegegnungsstätte betreiben wird“, mutmaßte Detlef Rabethge.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Ueckermünde

Kommende Events in Ueckermünde (Anzeige)

zur Homepage