Von der Säge und auch vom Sturm verschont: Derzeit steht nur noch eines von neun poetischen Segeln am Hafenbecken. Die an
Von der Säge und auch vom Sturm verschont: Derzeit steht nur noch eines von neun poetischen Segeln am Hafenbecken. Die anderen Masten sind abgesägt. Simone Weirauch
Abgesägt

Was ist denn mit den Segeln am Ueckermünder Stadthafen passiert?

Sturmschäden oder Vandalismus? Erst jetzt fällt auf, dass die Segel mit den poetischen Sprüchen im Hafen verschwunden sind.
Ueckermünde

„Ich möchte Leuchtturm sein in Nacht und Wind...“ – Eines von neun poetischen Segeln im Ueckermünder Stadthafen leuchtet noch in der Märzsonne. Es blieb als einziges von der Säge verschont, und auch die Februar-Stürme konnten ihm nichts anhaben. Es ist das Segel mit den Gedichten von Ehm Welk und Wolfgang Borchert, Gottfried Keller und Gabriele d‘Annunzio.

Die anderen hölzernen Masten am Wendebecken im Ueckermünder Stadthafen sind abgesägt, nur noch Stümpfe ragen aus den grauen Bodenhülsen. Dieser Zustand ist nicht neu, schon vor Wochen wurden die poetischen Segel demontiert, die Masten abgesägt. Aber erst jetzt, wo die Sonne zu Ausflügen ins Freie lockt, bemerken es einige Spaziergänger und vermuten, dass Kulturbanausen ihr Unwesen im Hafen getrieben haben.

Sie werden wieder aufgestellt

Der stellvertretende Ueckermünder Bürgermeister Sven Behnke stellt klar: Die hölzernen Masten sind ganz offiziell von Mitarbeitern des Bauhofs abgesägt worden. Das Holz in den Bodenhülsen war verfault, die Masten nicht mehr standfest. Doch das ist nicht das Ende der poetischen Segel: Sie werden repariert und wieder aufgestellt. Allerdings könne er noch nicht sagen, wann genau die Segel wieder stehen.

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Seit 2009 gibt es im Ueckermünder Stadthafen die poetischen Segel. Sie wurden nach einer Idee des Architekten Sebastian Hanslik und des Künstlers Holger Barthel installiert. Diese Segel begleiteten Radfahrer und Spaziergänger auf dem Weg vom Hafen in Richtung Köhnschen Kanal. Sie waren als Einzel- oder Doppelsegel an einem Holzmast angeordnet und mit Stahlseilen verspannt. Auf den rechteckigen Segelflächen befinden sich vor allem maritime Motive, kombiniert mit Versen großer Dichter dieser Welt wie Ringelnatz, Tucholsky, Heine, Storm, Neruda oder Morgenstern. Aber auch Lyrik in Polnisch, Russisch, Englisch oder Spanisch gibt es zu lesen.

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