ZEITZEUGEN GESUCHT

Wer kann sich an das Zugunglück von Ferdinandshof erinnern?

Zwei Züge prallen auf freier Strecke frontal zusammen, zwei Menschen sterben, Dutzende werden verletzt. Das Unglück ist schon fast 33 Jahre her, jetzt sollen Retter und Helfer zu Wort kommen.
Nach dem Zusammenprall blieb nur noch ein Trümmerhaufen übrig. Foto: Bundesarchiv/Benno Bartocha
Nach dem Zusammenprall blieb nur noch ein Trümmerhaufen übrig. Benno Bartocha
Vorpommern ·

Es war einer der schwersten Bahnunfälle in der Region. Am frühen Nachmittag des 26. April 1988 stießen bei Ferdinandshof zwei Züge frontal zusammen. Dabei wurden zwei Menschen getötet und über 30 verletzt. Wegen Elektrifizierungsarbeiten an der Strecke war damals nur ein Gleis befahrbar. Der verspätete Zug D 502 von Saalfeld nach Stralsund hätte daher eigentlich im Bahnhof Ferdinandshof warten müssen, um den entgegen kommenden Zug D 715 auf der Fahrt von Binz nach Leipzig passieren zu lassen.

Helfer und Retter sollen beim MDR gezeigt werden

Doch der Lokführer übersah offenbar das entsprechende Signal. Beide Züge stießen auf freier Strecke zusammen. Dem Personal der Lok, die in Richtung Leipzig unterwegs war, gelang es noch, den Zug zum Stillstand zu bringen und sich in Sicherheit zu bringen. Der Zug in Richtung Stralsund leitete zwar auch eine Notbremsung ein, prallte aber immer noch mit über 50 Kilometern pro Stunde auf den stehenden Zug.

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Dessen Lok wurde dabei so schwer zertrümmert, dass sie noch am Unfallort zerlegt werden musste. Es entstand ein Sachschaden in Höhe von rund zwei Millionen DDR-Mark. Der Lokomotivführer, der den Unfall verursacht hatte, erlitt einen Schock, hieß es damals in „Fahrt frei“, der Zeitung der Eisenbahner. Und er wurde auch nie verurteilt. In dem Interview mit dem stellvertretenden Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn, Reiner Enders, geht es auch um die Helfer, die gleich nach dem Unfall vor Ort waren. Mitreisende Mediziner hätten sich um die Erstversorgung der Verletzten gekümmert und später Unterstützung durch „Kräfte der Zivilverteidigung“ und medizinisches Personal der Krankenhäuser in Anklam, Ueckermünde und Pasewalk erhalten. Einige Verletzte seien auch mit privaten Autos in die Kliniken gebracht worden. Die NVA war mit schwerer Räumtechnik vor Ort, ebenso wie die Freiwilligen Feuerwehren aus Ferdinandshof und Umgebung.

Dreharbeiten beginnen in wenigen Wochen

Die Helfer und Retter von damals will der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) nun in der Sendereihe „Lebensretter“ in den Mittelpunkt stellen. Die Sendung läuft in der Regel donnerstags zur besten Sendezeit und widmet sich einem oder mehreren Unglücksfällen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR, die zum Teil schon einige Zeit zurückliegen, wie eben auch der Zugunfall bei Ferdinandshof. „Wir wollen in der Sendung die Menschen hinter dem Unfall zeigen“, sagt Dirk Windgassen, Executive Producer der TV-Produktionsfirma „Saxonia Entertainment“. Neben den Rettern und Geretteten sollen dabei auch Zeitzeugen zu Wort kommen. Nach einigen davon wird derzeit noch gesucht. Vor allem Leute, die damals in einem der Züge gesessen haben, können sich noch bei der Produktionsfirma melden.

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Immerhin sollen damals rund tausend Passagiere an dem Unfall beteiligt gewesen sein, berichtet Catharina Ludwig von „Saxonia Entertainment“. Zwar seien darunter viele Bewohner der damaligen Bezirke im Süden der DDR gewesen, die vermutlich aus dem Urlaub an der Ostsee zurück in die Heimat reisten. Doch auch in der Gegenrichtung seien nicht wenige unterwegs gewesen, um wieder nach Vorpommern zu kommen. Die Dreharbeiten für die Sendung „Lebensretter“ sollen schon in wenigen Wochen beginnen. Einen Sendetermin gibt es noch nicht.

 

 

Zeitzeugen können sich unter der Telefonnummer 0341 35004111 oder per E-Mail unter [email protected] melden.

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Kommentare (3)

Zugunglücke sind immer schlimm aber auch nicht einzigartig. Ich kenne viele davon. Leider.

132 163-7

132 556-2 der Unfall war in Borckenfriede