RIETHER KIRCHENGLOCKEN

Wie eine Tradition Touristen verschreckt

Das Dorfidyll von Rieth, das schätzen die Touristen. Meistens. Denn die Stundenschläge der Riether Kirchturmuhr gingen manchen enorm auf den Wecker.
Tradition oder Ruhestörung? Der Stundengong der Dorfkirche schlug Touristen in die Flucht. Der Kirchgemeinderat hat den Beschwerden nun nachgegeben.
Tradition oder Ruhestörung? Der Stundengong der Dorfkirche schlug Touristen in die Flucht. Der Kirchgemeinderat hat den Beschwerden nun nachgegeben. Andreas Heimann
Rieth.

Schlafloses Schäfchenzählen sei nichts im Vergleich zu einer Nacht neben der Riether Dorfkirche. So ähnlich schilderte eine Radtouristin ihren Kurzbesuch im Luckower Ortsteil Rieth. Obwohl sie sich in das Dorfidyll geradezu verliebt hatte, flüchtete die Dame bereits nach der ersten Nacht.

„Kein Wunder, der Glockenschlag bringt so manchen Urlauber um seinen Schlaf“, bestätigt Dietmar Janz, der in der Alten Schule Gästezimmer vermietet. Vor allem die Urlauber, die in den Heubetten oder draußen in Zelten schlafen, reagierten oft empfindlich auf die nächtlichen Schläge, weiß der Vermieter. Andere wiederum würden versichern, dass sie sich überhaupt nicht vom nächtlichen Geräuschpegel gestört fühlen. Die Kirche gehöre eben zum Dorf.

Künftig keine Schläge in der Nacht

Mit dem nächtlichen Stundenschlag ist es nun vorbei. Am Freitag wurde die Kirchturmuhr so programmiert, dass der Stundenschlag nicht mehr zwischen 22 und 6 Uhr ertönt. In den Nachtstunden schweigt der Gong ab sofort. Das ließ Christine Gaster den Nordkurier wissen. „Ich kann mir vorstellen, dass sich manch einer gestört fühlte“, sagt das Kirchgemeinderatsmitglied. Die meisten Riether wiederum würden den Stundenschlag gar nicht mehr wahrnehmen. Aber Streit müsse es darüber nicht geben.

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Kommentare (1)

So langsam, aber sicher wird das Dorfleben und seine über Jahrhunderte geprägte Tradition ausgemerzt. Erst sind es die Kühe, die in Bayern nicht vor 6 Uhr MUH sagen dürfen, dann wird den Hähnen ein zeitabhängiges Kikeriki vorgeschrieben, und nun sind die Kirchenglocken an der Reihe. Den Dorfstraßen wird Asphalt übergezogen, auf das der Hockenheimring als Rennstrecke ersetzt werden kann, und einige verantwortungslose Bungalow- und Ferienwohnungsvermieter preisen in ihren websites und Prospekten das wahre Hundeparadies an, auf dass die Tiere ihren Freilauf in unseren Wäldern genießen dürfen. So verkommen wir langsam zum Hundescheißhaus der Nation, sogar aus dem Ausland reisen Touristen an, um ihren Hunden Auslauf gewähren zu können, weil sie es zuhause nicht dürfen.....Wann dürfen wir wieder unsere Heimatverbundenheit uneingeschränkt leben ?