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Wildschwein greift Spaziergängerin an

Einem Wildschwein sollte man besser nicht in den Weg kommen.
Einem Wildschwein sollte man besser nicht in den Weg kommen.
dpa-Archiv

Eine Runde Gassi gehen mit dem Hund wird Astrid Haack in Torgelow zum Verhängnis: Ein Wildschwein geht auf sie los und verletzt die Frau. Ein Einzelfall oder hat die Stadt ein Wildschwein-Problem?

Es waren fünf, vielleicht zehn Minuten an diesem Nachmittag. Und doch werden sie Astrid Haack wohl ein Leben lang begleiten: die Erinnerungen an das, was passierte. Die Torgelowerin war mit ihrem Hund spazieren, ganz in der Nähe ihres Hauses an der Richard-Wagner-Straße. Hinter ihrem Grundstück in Spechtberg, ganz in der Nähe des Autohauses Radke und in Sichtweite der Straße, ist es dann am helllichten Tag passiert: Aus einem Gebüsch heraus wurde die Torgelowerin von einem Wildschwein angefallen. Einer Bache, wie sich später herausstellte.

Astrid Haack erlitt Verletzungen an den Beinen und Armen und konnte sich nur mühsam gegen das Schwarzwild verteidigen. „Ich habe immer wieder mit dem Knauf der Hundeleine zugeschlagen, und ich hatte eine Höllenangst“, erzählt sie. Nur die Flucht in Richtung Straße hat dann offenbar schlimmeres Unheil verhindert. Bei dieser Flucht kamen ihr auch noch Frischlinge entgegen, der Nachwuchs der Bache.

Zum Glück keine Tollwut

In der Notaufnahme ist die Torgelowerin medizinisch betreut worden, auch eine Untersuchung gab es, bei der geprüft werden sollte, ob das Angriffsschwein mit Tollwut infiziert ist. War es aber nicht, wie sich zum Glück herausgestellt hat. Geblieben sind aber noch heute, zwei Monate später, sichtbare blaue Flecken und die Furcht. An unbeschwerte Ausflüge mit ihrem Hund, sagt die Torgelowerin, ist nicht zu denken. „Ich weiß gar nicht, wohin ich mit dem Hund gehen soll“, sagt sie. Zu groß ist die Angst davor, noch einmal einen solchen Vorfall zu erleben.

Dass es zu dem Wildschwein-Angriff kam, sei ihrer Ansicht nach ohnehin nur eine Frage der Zeit gewesen. Denn überall in Torgelow, in Spechtberg und in Drögeheide, tummele sich das Schwarzwild. „Wenn man aufmerksam durch den Ortsteil geht, findet man an vielen Stellen Spuren von Wildschweinen“, sagt Astrid Haack. An der Stadthalle haben die Tiere erst neulich frisch gewühlt. Doch das ist nicht alles. Ganz früh am Morgen zum Beispiel sehe man die Tiere auch in unmittelbarer Nähe der Kita in Spechtberg. Bekannte haben das mehrfach beobachtet. „Und ich frage mich, was da nun passiert. Obwohl der Angriff gemeldet wurde, kommt keiner, reagiert keiner, und die Wildschweine laufen hier am Tage herum“, sagt die Spechtbergerin. Sie fürchtet um Leib und Leben, und nicht nur für sich. „Ich möchte, dass da was passiert.“

Hat die Stadt ein Problem?

Das Wildschwein-Problem ist im Rathaus zwar bekannt, doch jagdlich eingreifen könne die Stadt nicht, sagt Torgelows Ordnungsamtsleiter Peter Krause. Denn die Zuständigkeit liegt beim Bundesforstbetrieb Vorpommern-Strelitz. Dort seien die Jagdausübungsberechtigten – also jene, die das Schwarzwild zur Strecke bringen können und auch dürfen.

Das bestätigt Joachim Weiß, Betriebsbereichsleiter bei der Bundesforst. Auch er hat von dem Vorfall im Juli Kenntnis bekommen. Dass es zu dem Angriff kommen konnte, sei vor allem auf den vergangenen Winter zurückzuführen. „Der Winter hat dem ersten Frischlingswurf kaum eine Überlebenschance gelassen, es kam bei vielen Bachen zu einem zweiten Wurf, und so sieht man jetzt, im ausklingenden Sommer, noch immer Rotten mit jungen Tieren“, erklärt Joachim Weiß. Die Spechtbergerin habe, ohne es zu ahnen, bei ihrem Spaziergang die Fluchtdistanz von Bache und Frischlingen unterschritten – und deshalb hat die Wildsau angegriffen.

Jäger erlegten dieses Jahr 50 Tiere

Die Forderung, den Schwarzkitteln massiver auf den Leib zu rücken, kann er gut verstehen. Es hat zwar den Anschein, dass nichts passiert. Das täusche aber. „Seit dem 1. April 2013 wurden 50 Stück Schwarzwild zur Strecke gebracht – und die Hauptjagdzeit geht ja jetzt erst los“, erklärt der Forstfachmann. Zudem sei ein Vertrag mit der Stadt Torgelow geschlossen worden. Darin geht es um stadteigene Flächen, auf denen künftig die Weidmänner auf Schwarzwildjagd gehen dürfen. „Seit drei Monaten kann ein Jäger beim Büdnerland vom Hochsitz aus Wildschweine schießen“, sagt Joachim Weiß. Bislang hat der Jäger vier Tiere zur Strecke gebracht.

Dass er und die anderen Jäger bei der Schwarzwildjagd Erfolg haben, wünschen sich Astrid Haack und natürlich auch jene, die schon von Wildschweinen belästigt worden sind.