NIEDRIGERER STROMPREIS

Windkraft-Konzern setzt Geld gegen den Widerstand

Einwohner der Gemeinde Lübs sollen, wenn vor ihrer Haustür ein neuer Windpark gebaut wird, finanziell profitieren können. Ein Beispiel, das Schule machen könnte, loben die einen. Doch das Angebot besänftigt längst nicht alle Windkraft-Kritiker.
Viele Windräder und teure Strompreise – diese Gleichung soll in Lübs aufgebrochen werden. Kritiker sehen das a
Viele Windräder und teure Strompreise – diese Gleichung soll in Lübs aufgebrochen werden. Kritiker sehen das als Versuch, sich die Zustimmung zum Bauprojekt zu kaufen. Kai Horstmann
Vor rund zwei Wochen demonstrierten Windkraft-Gegner und -Befürworter aus der Region vor dem Kreistag.
Vor rund zwei Wochen demonstrierten Windkraft-Gegner und -Befürworter aus der Region vor dem Kreistag. Matthias Diekhoff
Torgelow.

Während einer Info-Veranstaltung der Windenergie-Firma Enertrag gab es die Neuigkeit: Ein Vertrag zwischen den Stadtwerken Torgelow und Enertrag, der unter anderem regelt, dass es eine Beteiligung für Lübser Bürger gibt, wenn nahe der Gemeinde ein Windpark gebaut und ans Stromnetz angeschlossen ist. Zusammengefasst: Wenn ein Windpark komme, dann könnten Anwohner von einem bis zu 50 Prozent niedrigeren Strompreis profitieren.

Bürgermeister lobt den Vorstoß

Ossip Storm, der Bürgermeister von Lübs, findet das Angebot angebracht. Seine Gemeinde habe in Gesprächen mit Enertrag darauf gedrängt. „Es muss schließlich etwas geben, dass gegenüber den Nachteilen, die so ein Windpark hat, auch Vorteile für die Leute bringt“, sagte der Bürgermeister auf Nordkurier-Nachfrage. Er hofft, dass die Lübser im Geldbeutel merken, dass diese Beteiligung auch wirklich etwas bringt.

Kritik von der Bürgerinitiative

Ganz anders sieht es Thea Funk, Vorsitzende der Bürgerinitiative (BI) „Freie Friedländer Wiese“. Bei dem Thema gebe es zu viele Unwägbarkeiten, meint sie. Entgegen der Auffassung, dass der Windpark bei Lübs gebaut wird, stehe noch gar nicht fest, ob sich dort einmal Windräder drehen werden. Das in Aussicht gestellte Angebot soll ihrer Ansicht nach den Widerstand gegen die Windparkpläne bröckeln lassen.

Falls es zum Bau komme, dann hätten nur Lübser etwas davon. Aber mit Sicherheit nicht alle, sondern nur diejenigen, die sich auf die Bedingungen einlassen – zum Beispiel, Kunden bei den Torgelower Stadtwerken zu werden. „Ich denke schon, dass es einige sein könnten“, sagt Thea Funk. Allerdings haben die Mitglieder ihrer BI, die in Lübs wohnen, bereits gesagt, dass sie sich „ihre Heimat nicht abkaufen lassen werden“.

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Kommentare (1)

Vielleicht kann die Redaktion einmal darstellen, wie es mit Zahlungen beim Bau von Stromleitungen (im Boden oder darüber) oder Erdgasleitungen (im Boden) aussieht, wenn diese im Gebiet von Gemeinden errichtet werden?

Unabhänig von den Torgelower Stadtwerken steht es wohl auch anderen frei sich Gedanken über Bürgerbeteiligung zu machen. Dies könnte dann auch Photovoltaik auf den Dächern von Gemeinden sein.

Interessant wäre auch zu wissen, wie die dezentrale Energiewende in der Region vonstatten geht. Welche Kommune nutzt z.B. Biomasse aus eigenen Wäldern zur Wärmeversorgung ihrer Amtsgebäude oder Schulen? Wer hat sich vor Ort gegen den Bau der Erdgasleitungen quer gelegt? Schließlich ist Methan 86 mal schädlicher als CO2 und auch aus Erdgas müssen wir schnellst möglich aussteigen.

Potenzial für Artikel würden auch Interviews mit Mitgliedern der BI „Freie Friedländer Wiese“ bieten z.B. wie diese die Energiewende leben (Energieeinsparung, Strom- bzw. Wärmeversorgung mit erbeuerbaren Energien) ohne dabei grundsätzlich die Belange von Umwelt- und Naturschutz in Frage zu stellen.