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Wo Eier schon mal bis zwei Kilo wiegen

Straußenhahn Edmund beobachtet seine Umgebung mit wachem Interesse.

VonLutz StorbeckWer gern Rührei mag und das in großen Mengen, muss nicht unbedingt eine ganze Schar von Hühnern halten. Im Idealfall reicht eine ...

VonLutz Storbeck

Wer gern Rührei mag und das in großen Mengen, muss nicht unbedingt eine ganze Schar von Hühnern halten. Im Idealfall reicht eine Straußenfrau. Wenn die ein Ei legt, dann liefert das
so viel, wie in 20 bis 25 Hühnereiern enthalten ist.

Ahlbeck.Lange hat Katrin Block warten müssen. Doch nun ist es endlich soweit. Die Straußendamen von der Ahlbecker Farm haben sich angesichts der Sonne und milderen Temperaturen entschlossen, doch wieder Eier zu legen. Und diese Eier sind, verglichen mit einem Hühnerei, riesengroß. „So um 1,5 bis 1,8 Kilogramm wiegen diese Eier“, sagt Katrin Block, die bei der Landwirtschaftsgenossenschaft „Seegrund“ in Ahlbeck für die Straußen-Familie zuständig ist und sich natürlich auch um die Vermarktung der Tiere, aber auch der Eier kümmert. „Dies hier sieht ein bisschen anders aus“, sagt Katrin Block und hebt ein Ei in die Höhe, das gerade erst gelegt worden ist.
Die Straußenhenne muss da ganz schön zu tun gehabt haben. Denn erstens ist das Ei größer als die anderen und demgemäß deutlich schwerer. „Etwas mehr als zwei Kilo“, schätzt Katrin Block. Auch rein äußerlich ist dies kein Normalo-Ei. „Es sieht so ein bisschen aus wie ein Dinosaurier-Ei“, sagt die Straußen-Chefin und hat damit völlig recht. Wer weiß, vielleicht findet sich auch für dieses Extra-Ei ein Käufer. Die Nachfrage nach den „normalen“ Eiern jedenfalls ist da, bestätigt Katrin Block.
Was aber um alles in der Welt fängt man mit so einem riesigen Ei überhaupt an? „Die einen machen Rührei, und das lohnt sich, denn ein Straußenei fasst etwa so viel wie 20 oder 25 Hühnereier“, sagt die Frau von der Genossenschaft. Mit zwei, drei Eiern könnte man also theoretisch eine Großfamilie sättigen. Doch nicht nur ums Essen geht es. „Manche nehmen so ein Straußenei für Partys oder verschenken es als Gag“, erklärt Katrin Block, erst kürzlich hat ein Kunde so ein Straußenei für August bestellt – als Geschenk.
Doch nicht alle Straußeneier landen auf Partys oder Gabentischen. „Wir warten, bis die Hennen fünf, sechs Eier gelegt haben. Die danach kommen, sind befruchtet und kommen in die Brüterei“, erklärt die Fachfrau. Diese Brüterei steht in Müggenburg bei Torgelow. Denn dort lebt ein Fachmann, der ebenfalls auf diese Großvögel spezialisiert ist und die entsprechende Bruttechnik hat. „Im vergangenen Jahr haben wir 90 Eier zum Brüten gegeben, daraus sind 70 Küken geschlüpft“, sagt Katrin Block.
Obwohl die Straußenei-Hülle recht dick ist, sei beim Transport zum Brüten Vorsicht angesagt, denn unter der dicken Schale haben bereits die Zellteilungs-Prozesse begonnen, und die sollten nicht gestört werden. „Deshalb pack‘ ich die Eier für den Transport gut ein“, sagt Katrin Block. Nach dem sechswöchigen Warten können dann, wenn alles gut geht, die Küken aus Müggenburg abgeholt werden. „Bei uns kommen die Tiere unter die Wärmelampe und dann so schnell wie möglich ins Freie, an die Sonne“, erklärt die Straußenfachfrau. Dabei wird darauf geachtet, dass der Nachwuchs von den Alttieren getrennt bleibt. Denn die gefiederten Eltern erkennen ihren Nachwuchs nicht, und da könnte es zu gefährlichen Rangeleien kommen. „Manchmal reagieren die Alttiere aber auch komisch, wenn sie die Küken sehen, dann laufen sie weg“, schmunzelt Katrin Block.
Übrigens sind auf der Straußenfarm drei Hähne dafür zuständig, dass es an Nachwuchs nicht mangelt. Alfred, Franz Josef I. und Edmund haben genug zu tun. Jeder Hahn hat mehrere Hennen, um die er sich kümmern muss. Dabei geht es nicht nach Sympathie, sondern nach strengen Zuchtregeln, und deshalb bekommen die Hähne ihre Hennen zugewiesen. Nicht jedes Tier ist zur Zucht geeignet. „Die da hinten sind zur Verarbeitung gedacht“, sagt Katrin Block und weist auf die Straußenherde. Die Tiere lassen sich die Sonne aufs Federkleid scheinen, scharren im Sand und versuchen, den einen oder anderen Leckerbissen aufzupicken. Sie genießen das Leben, bis dann eines Tages die Fahrt zum Spezialschlachtbetrieb bevorsteht. Doch das ist dann schon wieder eine andere Geschichte.