Todesfall in Torgelow

Wurde die tote Leonie schon seit Monaten gequält?

Die kleine Leonie aus Torgelow ist vor ihrem Tod womöglich über Monate körperlich schwer misshandelt worden. Dafür gibt es jetzt Hinweise.
Holger Schacht Holger Schacht
Immer mehr Menschen wie hier Romy Piskorski (28) zeigen vor dem Todeshaus in Torgelow ihre Erschütterung über den Tod der kleinen Leonie.
Immer mehr Menschen wie hier Romy Piskorski (28) zeigen vor dem Todeshaus in Torgelow ihre Erschütterung über den Tod der kleinen Leonie. Holger Schacht
0
SMS
Torgelow.

Massive Verletzungen am Kopf und im Gesicht sowie Frakturen an den Armen – die kleine Leonie, deren Leiche am Sonnabend in Torgelow gefunden wurde, muss an ihrem Todestag schlimme Qualen erduldet haben. Aber womöglich dauerte ihr Martyrium schon viel länger. Denn bei der Obduktion wurden nach Nordkurier-Informationen auch ältere Verletzungen festgestellt.

Dazu passen Augenzeugenberichte, die von Verletzungen berichten, die das Kind bereits früher erlitten haben soll. Und auch, dass das Kind seit Wochen nicht mehr in seiner Kita aufgetaucht sein soll.

Notarzt zweifelte an Treppensturz

Sonnabend fand der Rettungsdienst das tote Mädchen in ihrem Bett in Torgelow. Frisch gebadet, wie der Nordkurier erfuhr. Möglicherweise, um Spuren zu beseitigen oder auch, um die Körpertemperatur zu manipulieren, was allerdings für medizinische Laien kaum möglich ist. Der etwas später eintreffende Notarzt taxierte anhand von Leonies Körpertemperatur den Todeszeitpunkt auf 16.30 Uhr.

Er musste also sofort geahnt haben, dass an der Version von Leonies Stiefvater David H. (27), dass das Mädchen erst kurz vorm Eintreffen des Rettungsdienstes die Treppe heruntergestürzt war, etwas nicht stimmen konnte. Beatrix Heuer von der Staatsanwaltschaft Neubrandenburg hält sich zu den konkreten Obduktionsergebnissen zwar bedeckt, wollte die Nordkurier-Informationen aber auch nicht dementieren.

Etliche Polizisten konnten Tatverdächtigen nicht einholen

Leonies Stiefvater David H. (27) ist weiter auf der Flucht. Als Kriminalbeamte ihn wegen des Verdachts der Körperverletzung mit Todesfolge an seiner Stieftochter im Polizeihauptrevier Pasewalk festnehmen wollten, war er aus dem Gebäude Richtung Bahnhof geflohen. Polizeisprecherin Nicole Buchfink vom Polizeipräsidium Neubrandenburg: „Etliche Beamte liefen ihm sofort hinterher, konnten ihn aber nicht einholen. Später verlor ein Fährtenhund die Spur des Flüchtigen im Bereich des Bahnhofs.” Jetzt fahnden Polizisten, die mit Kräften aus mehreren Polizeibereichen unterstützt werden, mit Hochdruck nach David H.

Gegen den erhebt auch Leonies leiblicher Vater Oliver E. in einem Radiointerview schwere Vorwürfe. Oliver E. hat mit Leonies Mutter Janine Z. ein weiteres gemeinsames Kind, Sohn Noel (3). Der wohnt seit der Tragödie bei ihm. Oliver E.: „Der Kleine ist ebenfalls schwer verletzt. Im Gesicht. An den Oberarmen. Seine Nase ist gebrochen. Nachts wacht er jede Stunde auf, wimmert 'Aua', 'Aua'.”

Alle Artikel zum Todesfall Leonie gibt es hier.