Die Lachmöwe erhielt ihren Namen, weil ihr Ruf an ein spöttisches Lachen erinnert.
Die Lachmöwe erhielt ihren Namen, weil ihr Ruf an ein spöttisches Lachen erinnert. Katja Richter
Wenn die Vögel beim Beringen untersucht werden, wird auch die Kopf-Schnabel-Länge gemessen.
Wenn die Vögel beim Beringen untersucht werden, wird auch die Kopf-Schnabel-Länge gemessen. Katja Richter
Bald ist es soweit. In den nächsten Tagen werden die Küken schlüpfen.
Bald ist es soweit. In den nächsten Tagen werden die Küken schlüpfen. Katja Richter
Alle Jahre wieder kommen mehr als 10 000 Lachmöwenpaare auf den Riether Werder, um hier zu brüten.
Alle Jahre wieder kommen mehr als 10 000 Lachmöwenpaare auf den Riether Werder, um hier zu brüten. Katja Richter
Vogelwart Frank Joisten (links) hat beim Beringen Hilfe von Dennis Heynckes.
Vogelwart Frank Joisten (links) hat beim Beringen Hilfe von Dennis Heynckes. Katja Richter
Natur

Zählappell für die Lachmöwen auf ihrer sicheren Brutinsel im Stettiner Haff

Jedes Frühjahr kommen abertausende Vögel auf den Riether Werder. Denn Deutschlands östlichste Vogelschutzinsel bietet den Tieren Schutz vor Fuchs oder Marder und „Mutterglück“ in Gemeinschaft.
Rieth

Lachmöwen, so weit das Auge reicht. Bei diesem Anblick eine konkrete Zahl zu nennen, scheint vermessen. Doch Frank Joisten ist um eine Antwort nicht verlegen. „Gerade brüten auf Deutschlands östlichster Vogelschutzinsel exakt 10  314 Paare“, weiß der Vogelwart.

„Die ersten Lachmöwen kommen schon im März auf den Riether Werder“, sagt Joisten, der seit 2002 als Gebietsbetreuer und Jagdpächter auf der Insel tätig ist. Der Riether Werder ist die einzige deutsche Insel im Stettiner Haff und gehört zum Naturschutzgebiet Altwarper Binnendünen, Neuwarper See und Riether Werder.

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2.000 Lachmöwen wurden schon beringt

Die Zahl der Brutpaare weiß er so genau, weil er kürzlich mithilfe anderer Vogelfreunde wieder eine aufwendige Zählung vorgenommen hat. Der Naturschützer, der bei seiner Arbeit vom Förderverein des Naturparkes „Am Stettiner Haff“ unterstützt wird, berichtet, dass in diesem Jahr zwar 1.600 Paare weniger gezählt wurden als im Vorjahr, dies jedoch kein Grund zur Sorge sei.

Auch beim Beringen der Tiere kann der Vogelwart auf ambitionierte Hilfe zählen. Beringungshelfer Dennis Heynckes studiert in Greifswald und hat sogar seine Bachelorarbeit der kleinen, in Europa und Asien beheimateten Möwe gewidmet. Im Herbst möchte er dann einen Lehrgang besuchen und alles, was er bisher auf der Insel erlebt und von Frank Joisten gelernt hat, einbringen.

In den vergangenen zehn Jahren wurden gut 2.000 Lachmöwen auf dem Riether Werder mit Farbringen ausgestattet und registriert. Anhand der farbigen Ringe erfahren die Vogelforscher viel über die Tiere und ihre Reisen. Besonders dann, wenn andere Vogelfreunde auf der ganzen Welt ihre Beobachtungen den Vogelwarten melden.

Viele Lachmöwen sind „Wiederholungstäter”

Jede Beobachtung und Sichtung wird registriert, so ist der Lebenslauf der Vögel immer gut nachvollziehbar. „Eine solche Lebensgeschichte des Vogels mit allen bisher registrierten Informationen über sein Leben erhält jeder, der eine Ringsichtung an die Vogelwarte meldet“, erklärt Joisten. Das sei die Belohnung für die Meldung und die Mithilfe in der Vogelforschung und mache manchen vielleicht sogar ein bisschen „süchtig“.

Zahlreiche Lachmöwen sind „Wiederholungstäter“ und kommen zum Brüten immer wieder auf den Riether Werder, wo sie vor Füchsen und Mardern geschützt sind. Auch das können die Vogelfreunde anhand der Ringe nachweisen. Sie bauen ihre Nester dann grundsätzlich auf dem Boden und lieben es, in Kolonien zu brüten.

10.000 Lachmöwen-Nester auf einer Insel

Doch auf dem Boden der Insel befinden sich zurzeit nicht nur mehr als 10.000 Lachmöwen-Nester mit jeweils bis zu drei Eiern. Auch andere Vögel wie Flussseeschwalben, Tafel- oder Reiherenten wissen die Vorzüge und den Schutz einer riesigen und extrem lauten Lachmöwenkolonie zu schätzen. Sie bauen ihre Kinderstuben in die Kolonie und ergaunern sich so quasi ihren Schutz vor Fressfeinden. „Hier traut sich nicht einmal der Seeadler rein“, sagt Frank Joisten, der unbedingt darauf hinweisen möchte, dass für die Insel nach wie vor ein Betretungsverbot gilt und zurzeit leider auch keine geführten Touren stattfinden können.

Ab Mitte Juli haben alle Möwen den Riether Werder meist in Richtung Westeuropa verlassen, um dort zu überwintern.

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