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Im Verein Ukranenland – Historische Werkstätten herrscht dicke Luft. Für Diskussionen sorgt vor allem die jüngste Vorstandswahl. Simone Weirauch
Wolfgang Schubert ist der Vorsitzende des Ukranenlandvereins.
Wolfgang Schubert ist der Vorsitzende des Ukranenlandvereins. NK-Archiv
Thomas Lenz verlor die Vorstandswahl.
Thomas Lenz verlor die Vorstandswahl. ZVG
Vorwürfe

Zoff bei Torgelower Verein gipfelt in Machtkampf

Der Torgelower Ukranenlandverein ist zerstritten. Zum einen gibt es Kritik an Vereinschef Wolfgang Schubert. Zum anderen geht es um einen Rassismusvorfall.
Torgelow

Das Ukranenland in Torgelow ist weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und beliebt. In den 90er-Jahren gründete sich der Verein Ukranenland – Historische Werkstätten, später errichtete er das Slawendorf direkt an der Uecker. Ohne den Vereinsvorsitzenden Wolfgang Schubert hätte es das Freilichtmuseum wohl nie gegeben. Seine Lebensleistung ist unbestritten. Dessen ist sich auch Thomas Lenz bewusst: „Mit dem Ukranenland hat er etwas Einmaliges geschaffen. Das wird bleiben“, sagt Lenz, der seit knapp zwei Jahren Mitglied im Verein ist.  

Viele Vorwürfe gegen den Vereinschef

Doch jetzt brodelt die Gerüchteküche in Torgelow. Es soll ordentlich rumoren im Verein. Wolfgang Schubert gilt inzwischen als umstritten. Es hat sich ein Machtkampf entwickelt, dessen Gipfel bisher die Wahl eines neuen Vereinsvorstandes war. „Es braucht frischen Wind an der Spitze, denn der Verein ist tief gespalten. Um die Spaltung zu überwinden, braucht es einen echten Neuanfang“, sagt Lenz dem Nordkurier.

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Dass Lenz zu diesem Thema befragt wird, hat einen Grund. Im Sommer des vergangenen Jahres war er bei der Vorstandswahl gegen Schubert angetreten. „Wir wollten mit einem engagierten Team neue Hoffnung geben. Denn nach vielen Gesprächen mit langjährigen Mitarbeitern und Vereinsmitgliedern war klar: Mit den bisherigen Methoden, auch bezüglich des Umgangs miteinander, geht es nicht mehr“, erklärt Lenz, der sich für die Wahl auch ganz gute Chancen ausgerechnet hatte. Doch am Ende verlor er. Die Wahl sei nicht fair verlaufen, behauptet er. „Die Briefwahl war eine Farce.“

Rechtliche Schritte angekündigt

Schubert habe die Mehrheitsverhältnisse im Verein kurz vor der Wahl durch die Aufnahme von Freunden und Bekannten zu seinen Gunsten drastisch verändert, sagt Lenz. „Die Mitgliederzahl hat sich von circa 30 Mitgliedern auf über 60 erhöht.“ Außerdem habe Schubert versucht, ihn selbst und einen weiteren Mitbewerber für den Vorstand aus dem Verein auszuschließen, so Lenz weiter. „Und er hat verhindert, dass sich die Gegenkandidaten bei den neuen Mitgliedern bekannt machen konnten, indem er die Mitgliederliste nur ohne Adressdaten und erst am letztmöglichen Tag vor der Wahl herausgegeben hat.“ Er werde deshalb rechtliche Schritte prüfen, kündigt Lenz an.

Nach Nordkurier-Informationen soll Schubert aktiv auf Mitgliedersuche gegangen sein, um sicherzustellen, dass er die Wahl gewinnt. Schubert bestreitet diesen Vorwurf. „Ich kann nichts Kritikwürdiges daran erkennen, dass der Verein neue Mitglieder hat. Es gab viele Anfragen, weil sich die Situation im Ukranenland in der Szene herumgesprochen hat“, sagt Schubert. Im neuen Vorstand finden sich unter anderem die Chefin des Kulturspeichervereins in Ueckermünde, Katrin Starke, und auch die Fraktionsvorsitzende der Linken in Torgelow, Marlies Peeger, wieder. „Sie sind jetzt aktiv in unserem Vorstand tätig und bringen frischen Wind in unsere Arbeit“, sagt Wolfgang Schubert. 

„Rassismus widerspricht unseren Vereinszielen“

Dass in den vergangenen Monaten nicht immer alles harmonisch im Verein ablief, bestreitet Schubert nicht. „Leider mussten auch wir erkennen, dass unser Ukranenland keine ‚Insel der Glückseligen‘ ist und dass Konflikte unserer Gesellschaft, wie Rassismus und Diskriminierung, sich auch bei uns widerspiegeln. Dies steht im Widerspruch zu unseren Vereinszielen – wir wollen positive Werte vermitteln“, teilt Schubert im Namen des Vorstandes mit.

Konkret spricht Schubert damit einen Vorfall aus dem Sommer 2019 mit einer Berliner Schulklasse an. Ausgelöst durch diesen Vorfall und verbunden mit der mangelnden Einsicht des Verursachers hätten sich nach Ansicht Schuberts Meinungsverschiedenheiten im Verein entwickelt. Deshalb sei auch eine Neuwahl des Vorstandes notwendig geworden. 

Vereinschef: Die Wahl war eine Richtungsentscheidung

Die Vorstandswahl hätte laut Satzung erst in diesem Jahr erfolgen müssen. Weil aber zwei Mitglieder aus dem Vorstand ausgetreten waren, sei die Wahl einer neuen Vereinsspitze im vergangenen Sommer notwendig gewesen. „Oberflächlich betrachtet ging es um die Wahl von Personen. Tatsächlich war es aber eine Richtungsentscheidung. Im Kern ging es darum, ob man rassistisches Verhalten verharmlosen kann oder man konsequent an den Grundwerten des Vereins festhält“, erklärt Wolfgang Schubert. Bei einer sehr hohen Wahlbeteiligung von 91 Prozent habe die Wahl ein klares Votum für die Fortsetzung der Arbeit im Sinne von Toleranz und Respekt sowie gegen jede Art von Diskriminierung gebracht, betont der alte und neue Vereinschef.

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