Bürgermeister Jürgen Kliewe (l.) und Unternehmer und Stadtpräsident Robert Kriewitz kritisierten sowohl die Landes- als auch die Bundesregierung massiv für ihre Energiepolitik und die Russlandsanktionen. NK-Montage
Zwischen 350 und 500 Menschen waren auf den Markt gekommen. Nicht alle schlossen sich dem Demonstrationszug an.
Zwischen 350 und 500 Menschen waren auf den Markt gekommen. Nicht alle schlossen sich dem Demonstrationszug an. Eckhard Kruse
Thomas Förster meinte, dass man nur mit Diplomatie Leben in der Ukraine retten kann.
Thomas Förster meinte, dass man nur mit Diplomatie Leben in der Ukraine retten kann. Eckhard Kruse
Kerstin Wittenberg begrüßte die Menschen, die zur Kundgebung auf den Markt gekommen waren.
Kerstin Wittenberg begrüßte die Menschen, die zur Kundgebung auf den Markt gekommen waren. Eckhard Kruse
Die Grünen haben ihre Prinzipien vergessen, war auf einem Schild in Ueckermünde zu lesen.
Die Grünen haben ihre Prinzipien vergessen, war auf einem Schild in Ueckermünde zu lesen. Eckhard Kruse
Energiepreise

Zwei der wichtigsten Vertreter Ueckermündes wettern gegen die Regierung

Der eine hat die "Schnauze voll", dem anderen "reicht es": In Ueckermünde haben sich jetzt erstmals Bürgermeister Kliewe und Stadtpräsident Kriewitz zu Wort gemeldet. Das hatte es ziemlich in sich.
Ueckermünde

Sowohl Ueckermündes Bürgermeister Jürgen Kliewe (parteilos) als auch Stadtpräsident Robert Kriewitz haben bei dem jüngsten Protest gegen die hohen Energiepreise und den Krieg in der Ukraine Bundes- und Landesregierung scharf kritisiert. „Ich habe die Schnauze richtig voll“, sagte Kriewitz, der eine Fleischerei und einen Veranstaltungsservice mit etwa 60 Mitarbeitern betreibt. Er komme da nicht mehr mit, was die Bundesregierung treibe. Er kritisierte, dass Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) davon spricht, dass man mit Glück über den Winter kommt, wenn das Wetter mitspielt. „Wir wissen aber nicht, ob wir im Winter noch heizen können“, sagte Kriewitz am Mikrofon. Wird es noch Brot geben; die Kinder noch zur Schule können; nach dem Winter Gaststätten noch existiere? Das von Menschen zu hören, die nie durch eigener Hände Arbeit ihr Geld verdient hätten, sei zynisch.

Kritik an „Klassenfahrt” nach Brüssel

Kriewitz kritisierte auch die Landesregierung, die in dieser Situation für 45.000 Euro zur „Klassenfahrt“ nach Brüssel fährt. „Ich weiß nicht, ob das angebracht ist.“ Denn viele Unternehmer seien in ihrer Existenz bedroht. Sie würden ihre Lebensleistung den Bach hinuntergehen sehen. „Ich habe 250.000 Euro mehr Energiekosten. Wer soll das bezahlen?“, fragte er. Energie müsse bezahlbar bleiben oder wieder bezahlbar werden. Und die Regierung solle auch nicht vergessen, dass es die Unternehmen und die Steuerzahler seien, die die aktuellen Hilfspakete bezahlen.

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Bürgermeister Jürgen Kliewe trat zum ersten Mal auf die Bühne der Ueckermünder Marktdemos. „Weil jetzt alle Bürger betroffen sind“, sagte er nach der Kundgebung. Die Menschen hätten Angst und wollten Antworten. Die könnten aber nur von der Bundesregierung kommen. In seiner Rede stellte er klar, dass die Menschen in Deutschland von Sanktionen gegen Russland mehr betroffen seien als Russland selbst. Halbherzige Hilfspakete reichten für die Menschen nicht aus. Es sei zu wenig, das Kindergeld um 18 Euro zu erhöhen, wenn die Monatsabschläge für das Heizen von 150 auf 300 Euro im Monat steigen.

"Es reicht"

Kliewe forderte einen Energiepreisdeckel und dass es keine ideologischen Denkverbote für eine zeitweise Nutzung von Kohle und Kernenergie geben dürfe. Außenpolitisch sollte für einen Frieden mit Russland gestritten werden. Ansonsten werde es ein Wettrüsten geben, das keinen Sieger sehen wird. Es gebe keine Zeit mehr zum Experimentieren. „Es reicht“, so der Bürgermeister.

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Thomas Förster, Hochbau-Unternehmer in Ueckermünde, bezog sich auf einen Text, der an der Bühne hing: „Nur gemeinsam mit Courage, Toleranz und Diplomatie können wir die Zukunft verbessern“ stand dort auf einem Banner neben der Ueckermünde-Fahne. Wenn die Regierung diesen Spruch befolgt hätte, dann würden die Demonstranten hier nicht stehen, meinte er.

Niemand frage nach der Rolle der USA

Auf der Bühne fragte er, ob Russland tatsächlich der böse Staat sei, als der er dargestellt wird. Niemand frage nach der Rolle der USA. Krieg sei für ihn keine Lösung. „Nur mit Diplomatie können wir Leben retten.“ In der Energiekrise sei er nicht bereit, die Mehrkosten zu tragen. Die solle der Staat tragen. Zum Beispiel könnte die Mehrwertsteuer oder die Mineralölsteuer gesenkt werden. Und er wünschte sich, dass die Bundestagsabgeordneten ihre Diäten vielleicht einmal senken.

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