Gäste wollen immer wieder überrascht werden

Petra Bensemann und Krister Hennige
Usedomer Gastgeber im Gespräch

Gäste wollen immer wieder überrascht werden

von:
11 April 2019

Diesen Fragen und noch vielen mehr stellen sich zwei der engagiertesten Hotelchefs der Insel Usedom:

Petra Bensemann vom DAS AHLBECK HOTEL & SPA und Krister Hennige von den Vineta Hotels Zinnowitz.

 

Der Supersommer 2018 ist uns allen noch in bester Erinnerung. Er bescherte der Insel Usedom viele Gäste. War 2018 für Sie ein gutes Jahr?

Petra Bensemann: 2018 war anfangs eigentlich ein schwieriges Jahr, weil die Feiertage so früh lagen. Wir hatten unser Hotel bewusst im April geschlossen, um den Durchbruch zu unserem neuen Haus (Eröffnung im April 2019, d. Red.) zu machen. Der April ist sonst immer ein schwacher Monat. Uns ist natürlich das gute Wetter zugute gekommen.

Krister Hennige: Für uns war es ein sensationelles Jahr, vom Wetter und der Sonne her. Unser Maßstab belegungsseitig war 2016, als man nicht mehr in die Türkei und nach Ägypten geflogen ist. Da hatten wir mit zwei bis drei Prozent Abweichung zu 2016 ein gutes Jahr 2018 gehabt.

Bensemann: Durch das schöne Wetter und viele Spontanbuchungen haben wir alle Lücken geschlossen bekommen. Wir hatten Außentemperaturen von bis zu 30 Grad und Wassertemperaturen von 24 Grad – und dann der schöne Strand dazu. Ich habe allen „Schöne Grüße vom Mittelmeer“ geschrieben.

 

Dem entsprechend hatten Sie sicherlich sehr viele zufriedene Gäste?

Bensemann: Auf jeden Fall. Nur die Feriengestaltung war nicht optimal. Unsere Haupteinzugsgebiete Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Brandenburg und Sachsen hatten alle zur gleichen Zeit Ferien. Die Sachsen haben uns wiederentdeckt. Man hat die Welt gesehen. Jetzt kommt man wieder dorthin, wo man schon als Kind war. Das Schöne am Sommer 2018 war, dass man abends lange draußen sitzen konnte. Es war eine gute, entspannte Stimmung.

Hennige: Bei uns war es nicht anders. Die Zufriedenheit setzt sich aus vielen Mosaiksteinen zusammen. Die Qualität wird ausgefeilter, besser.

 

2018 war von der Sonne verwöhnt. Eine Garantie gibt es allerdings nicht, dass es 2019 genauso wird. Was muss getan werden, um dauerhaft im Wettbewerb bestehen zu können?

Hennige: Wir brauchen mehr Ganzjahresangebote. Da müssen die Gemeinden überlegen, was kann ich von Herbst bis Frühjahr an Veranstaltungen anbieten und welche Punkte setze ich über die Insel hinweg.

Zu den Pyrogames, die im Oktober in Zinnowitz stattfinden, kommen ja auch Urlauber aus den Kaiserbädern.

Meine Frau hat ihr Hotel 1992 eröffnet und 1998 zum ersten Mal im Winter aufgemacht. Das Hotel Vineta war in Zinnowitz neben dem Baltic damals das einzige, das im Winter offen war. Mittlerweile sind es fast alle Hotels.

Bensemann: Wir haben zu Ostern 1997 das Upstalsboom Hotel Ostseestrand in Heringsdorf neu eröffnet. Da gab es schon ein Schwimmbad und eine Sauna. 1998 haben wir dann ein Hotelzimmer umgebaut und daraus einen Kosmetikraum gemacht. Danach kam erst die Umgestaltung zum Wellnessbereich.

 

Die Zeit um die Jahrtausendwende war ja auch der Beginn des Wellnessbooms in Deutschland. Wie hat sich das für die Hotels ausgewirkt?

Bensemann: Als ich 2007 im DAS AHLBECK Hotel & Spa angefangen habe, sind noch viele Mitarbeiter im Winter nach Österreich und in die Schweiz gegangen. Seither sind sie bei uns ganzjährig angestellt. Die, die Schulkinder haben, dürfen auch im Sommer Urlaub machen.

Hennige: Wir haben im Winter eine Auslastung von 60 Prozent und ganzjährig von 73 Prozent. Das ist eine gute Grundlage, um Mitarbeiter durchgehend zu beschäftigen. Darüber hinaus haben wir einen Stammgästeanteil von über 30 Prozent.

 

Stichwort „Stammgäste“: Wie gelingt es Ihnen, Gäste dauerhaft an Ihr Haus zu binden?

Hennige: Sie dürfen keinen Investitionsstau aufkommen lassen und Sie müssen sich ein Alleinstellungsmerkmal schaffen. Wichtig ist auch der persönliche Kontakt und das menschliche Miteinander.

Bensemann: Sie brauchen ganz einfach die persönliche Ansprache. Sonst sind sie verkehrt hier. Ich würde mich abends gerne mal auf die Couch legen, bin aber pünktlich um Sieben zum Abendessen wieder hier.

Hennige: Das macht die Persönlichkeit, das Herz des Hauses aus.

 

Sie haben von „Alleinstellungsmerkmal“ gesprochen, Herr Hennige. Welches ist denn das Ihres Hauses?

Hennige: Wir sind bundesweit bekannt geworden mit Lilly von Vineta als das Hotel mit dem Schwein. Heute sind es die Hotel-Minischweinchen Lulu und Roy von Vineta. Es gibt immer wieder einen Riesenauflauf und viele Leute, die sie fotografieren. Das ist aber nur die eine Seite. Wir sind auch ein familienfreundliches Hotel und haben Gäste, die in mehreren Generationen kommen. Letztendlich kommt es darauf an, wie das Haus geführt wird.

Bensemann: Unser Alleinstellungsmerkmal ist der große Platz, den man vorfindet. Das Haus ist mal sehr großzügig gestaltet worden. Wir haben zurzeit 49 Zimmer und einen 1.200 Quadratmeter großen Wellnessbereich. Das schafft eine sehr individuelle und private Atmosphäre. Es kommen noch einmal 28 Zimmer dazu, aber auch eine ganze Etage mit einem kombinierten Wellness- und Veranstaltungsbereich.

 

Noch ein anderes Stichwort ist gefallen: „In-
vestitionsstau“. Der dürfe nicht aufkommen. Wie meinen Sie das, Herr Hennige?

Hennige: Vor 20 bis 25 Jahren haben die meisten Hotels auf Usedom angefangen. Da muss man schon schauen, wo muss ich rangehen? Was muss ich erneuern? Die Bäder? Die Böden? Die Gäste vergleichen im Internet. Dass alles frisch und lebendig ist, ist ein ganz wichtiger Punkt. Die Ansprüche sind gestiegen und die Technik schreitet voran. Energiesparende Minibars, elektronische Tresore und Schlüsselkarten erwartet der Gast ebenso wie kostenloses WLAN. Die Gäste wollen immer wieder neu überrascht werden.

Bensemann: Wir achten auf Effizienzgestaltung. So wurde vor ein paar Jahren die Heizung umgestellt. Jetzt sorgt ein Blockheizkraftwerk für Wärme und Strom. Man muss erstmal was in die Hand nehmen. Der höhere Anspruch der Gäste ist die Triebfeder für die Veränderungen.

 

Herr Hennige, Sie sagten anfangs, dass die Qualität stimmen müsse, um die Gäste zufriedenstellen zu können. Worin zeigt sich diese „Qualität“?

Hennige: Zuallererst müssen Service und Küche stimmen. Die Gäste schauen auf die Qualität und Frische der Speisen. Darüber hinaus versuchen wir, ein Wohlfühlklima zu vermitteln. Und nach wie vor entscheiden die Lage des Hotels und die Qualität des Schlafens wesentlich mit.

Bensemann: Dem kann ich nur zustimmen. Das Essen hat einen hohen Stellenwert. Fertigprodukte sollte man vermeiden. Wir werben mit laktosefreien und vegetarischen Gerichten und wir haben eine Kinderspeisekarte. Bei uns wird auch alles frisch zubereitet.

 

Was erwartet der Gast von Usedom und welche Tipps haben Sie für ihn zur Hand?

Bensemann: Wenn ich montags die Gästebegrüßung mache, ist regelmäßig die Frage: Was kann ich ohne Auto machen? Es gibt Ausflugsangebote auf dem Wasser, die Inselsafari mit dem Jeep und man kann mit dem UsedomRad unterwegs sein. Alles ist möglich, auch Rundflüge über die Insel. Wir versuchen, unseren Gästen schmackhaft zu machen, ohne Auto anzureisen.

Hennige: Der Gast erwartet hier ein grenzenloses Strandvergnügen. Nicht nur Peenemünde ist interessant, auch der Inselsüden, das Achterland und Swinemünde. Die straßenbegleitenden Radwege sind ganz schön. Aber der Urlauber will im Wald und auf Feldwegen über die Insel fahren.

Bensemann: Vieles ist auch fußläufig zu erreichen. Von unserem Hotel kann man den Strand entlanglaufen bis zum Maritim in Heringsdorf, dann die Seestraße vor zum Kur- und Heilwald, durch den wunderschönen Buchenwald und die intakte Natur. Ich bin hier mit dem Stacheldrahtzaun aufgewachsen, der bis ins Wasser ging. Man muss die Zwei-Länder-Insel betonen, dass Polen seit 2004 zur EU gehört und dass die Europapromenade nach dem Wegfall der Grenzkontrollen so schnell entstanden ist.

 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Insel?

Hennige: Was ich mir wünsche, ist, dass das Naturerlebnis Usedom erhalten bleibt und auch das Qualitätsbestreben. Die Devise darf nicht immer mehr und mehr sein. Das, was jetzt gebaut ist, ist ausreichend. Wir müssen es nur mit mehr Qualität bestücken. Sonst kommen wir dahin, was die Vinetasage prophezeit.

Bensemann: Ich wünsche mir „Eine Insel – eine Gemeinde“.

Hennige: Das werden wir wohl nicht schaffen. Es wäre schon viel erreicht, wenn wir wie in einem Inselrat mit einer Stimme sprechen.

Bensemann: Auch wenn Strukturen eingefahren sind, muss man Träume haben. Außerdem ist es wichtig, die Einheimischen mitzunehmen auf die Reise.

Interview geführt von Dietmar Pühler

Ute und Dietmar Pühler
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