Usedom vom Wasser aus erleben

Kanu am Wasser
Aktiv auf Usedom

Usedom vom Wasser aus erleben

von: Mareike Klinkenberg
30 July 2018

Sanft ist der Wellenschlag zu hören, während das Schilf am Ufer im Rhythmus des Windes hin und her wogt. Dazu schickt die Sonne ihre wärmenden Strahlen herab. Ab und zu umweht ein frisches Lüftchen die Nase. Lautlos kreist oben ein Seeadler von der Thermik begünstigt immer höher am wolkenlosen Himmel. Eins sein mit den Elementen, eins sein mit der Natur. Wo Sie das erleben können? Auf einem der zahlreichen Gewässer im Naturpark Insel Usedom.

Die Sonneninsel Usedom hat nicht nur ausgedehnte Strände an der Ostseeküste zu bieten, sondern auch viele reizvolle Ecken im Usedomer Achterland. Gerade hier kommen Naturliebhaber auf der zweitgrößten deutschen Insel voll auf ihre Kosten. Sowohl auf Schusters Rappen und dem Drahtesel lässt sich das Hinterland erkunden als auch im Kanu oder Kajak von der Wasserseite aus.

Die Insel Usedom mit ihrem großen Naturreichtum ist seit 1999 als Naturpark ausgewiesen. Zwölf Naturschutzgebiete stellen große Teile der wertvollsten Flächen unter einen besonderen Schutz. Zum Naturpark Insel Usedom gehören auch die umgebenden Küstengewässer, die immerhin 41 Prozent der Gesamt-Naturparkfläche von 590 km² ausmachen.

Neben der Ostsee umfließen der Peenestrom, das Achterwasser, das Stettiner Haff und die Swine die deutsch-polnische Insel. Bei so viel Wasser lockt es die Menschen natürlich hinaus auf das nasse Element. Sei es ganz gemütlich auf einem Ausflugsschiff von Seebrücke zu Seebrücke oder bei einem Zwei-Stunden-Törn auf dem Achterwasser. Auch auf dem Segelschiff und dem Zeesenboot lässt sich die Ferieninsel von einer anderen Perspektive aus erleben.

Noch näher dran am Spiel der Wellen ist man jedoch mit dem Kanu oder Kajak. Sich auch auf dem Wasser aus eigener Muskelkraft fortzubewegen ist für Aktivurlauber eine willkommene Herausforderung. Vor allem auf dem Achterwasser gibt es viel zu entdecken, dort wo Biber und Fischotter zuhause sind und besagte Seeadler über einem kreisen.

Solche Reviere liebt auch die achtfache Olympiasiegerin im Kanurennsport, Birgit Fischer. Im vergangenen Jahr inspizierte sie die Gewässer vor der Insel Usedom, um zu sehen, ob ein Seebrücken-Hopping zwischen Koserow und Ahlbeck für eine Seekajaktour infrage kommt.

Denn außer auf dem heimatlichen Beetzsee in Brandenburg, wo die Diplom-Sportlehrerin und Sport- und Tourismusmanagerin die Paddelschule kanuFISCH betreibt, bietet sie auch anderenorts Touren an, wie beispielsweise die Umrundung von Bornholm oder ein Inselhopping um die Åland-Inseln zwischen Schweden und Finnland.

„Ich bin viel auf Seen unterwegs, mache aber auch Seekajaktrainings in Rosenhagen in der Lübecker Bucht“, erklärt Birgit Fischer. Ein Leben ohne Kajak ist für sie nicht vorstellbar. Deshalb verwundert es nicht, wenn sie sagt: „Ich brauche immer Wasser unter den Füßen“.

Birgit Fischer ist sehr naturverbunden und sie engagiert sich für die „Grüne Liga – Netzwerk ökologischer Bewegungen“. „Intakte Gewässer, mein Sportplatz als Paddlerin, gesäumt von Wäldern, Feldern und bunten Blumenwiesen – sind ein Traum“, bekennt die erfolgreichste Kanutin der Welt. Damit meint sie nicht nur ihr Revier rings um den Beetzsee, sondern alle naturnahen Gewässer, die sie bei ihren zahlreichen Kajaktouren kennengelernt hat.

Es sind die stillen Ecken, die man vom Boot aus erreicht. Auch wenn die ausgedehnten Schilfgürtel tabu sind, um brütende Vögel nicht zu stören, bleiben den Wassersportlern rings um Usedom genügend Anlegemöglichkeiten für eine Rast oder eine Übernachtung. Tourenkajakfahrer sind in der Regel sehr anspruchslos. Viele haben ihr Zelt und ihren Schlafsack im wasserdichten Rennkajak verstaut. So ist es ein Leichtes, das Nachtquartier zu bereiten.

Bequemer für Freizeitsportler, die noch wenig Erfahrung mit dem Paddeln haben, sind hingegen geführte Kajaktouren auf dem Achterwasser. Andre Albrecht aus Balm (Andres Inselkanu) bietet dreistündige Paddeltouren im Nepperminer - und Balmer See an. Er nennt es ein „ruhiges, geschütztes Anfängergewässer mit interessanter Tier- und Pflanzenwelt“. Hundert Prozent Natur verspricht auch die Tour auf dem Schmollensee, wo eine riesige Kormorankolonie zuhause ist und der Fischotter sein Revier hat.

Etwas für Fortgeschrittene ist dagegen die Ganztagestour, die vom Usedomer Stadthafen zur Karniner Eisenbahnhubbrücke führt. Die anspruchsvolle Tour auf dem Stettiner Haff ist nur für geübte Paddler geeignet und auch nur bei schönem Wetter möglich.

Wer es weniger sportlich mag und sich nur von den sanften Wellen treiben lassen will, leiht sich am Besten ein Kanu für drei Stunden aus, paddelt die Uferlinie entlang, lauscht dem Rauschen des Schilfes und dem gelegentlichen Schrei einer Möwe. So lässt sich der Alltag vergessen und die Sonneninsel Usedom von einer völlig anderen (Wasser)Seite aus erleben.

 Text Dietmar Pühler

DAS FOTO Henry Böhm