TOURISMUS-NEUSTART AUF USEDOM

Auf die Insel, fertig, los!

Die ersten Urlauber sind schon da, weitere stehen in den Startlöchern. Doch bei aller Vorfreude gibt es von Michael Steuer, Geschäftsführer der Usedom Tourismus GmbH, auch mahnende Worte.
In den vergangenen Wochen waren die Strände von Usedom, wie hier in Zinnowitz, trotz schönstem Wetter menschenleer.
In den vergangenen Wochen waren die Strände von Usedom, wie hier in Zinnowitz, trotz schönstem Wetter menschenleer. Stefan Sauer
Die bereits jetzt spürbare Belebung der Insel stimmt Michael Steuer, Geschäftsführer der Usedom Tourismus GmbH
Die bereits jetzt spürbare Belebung der Insel stimmt Michael Steuer, Geschäftsführer der Usedom Tourismus GmbH (UTG), optimistisch. Privat
Heringsdorf.

So sehr die derzeitige Leere auf der Insel Usedom viele Einheimische, die nicht vom Tourismus ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen, auch freuen mag, so sehr bangen die anderen. Die, denen die Urlauber auf der Ostsee-Insel ihr monatliches Einkommen und damit ihre Existenz sichern.

Nun kommen sie also, die lang erhofften Corona-Lockerungen. Zuerst wurde den Dauercampern die Rückkehr auf die Campingplätze erlaubt. Ab Montag dürfen auch Gäste mit Erst- und Zweitwohnsitz in Mecklenburg-Vorpommern wieder auf der Insel übernachten. Touristen aus dem ganzen Bundesgebiet können nach bisheriger Planung wieder ab dem 25. Mai nach Mecklenburg-Vorpommern reisen.

„Die Situation ist sehr fragil”

„Diese Lockerungen kommen genau zum richtigen Zeitpunkt“, sagt Michael Steuer, Geschäftsführer der Usedom Tourismus GmbH (UTG). „Seit zwei Monaten ist die Insel gesperrt, zwei weitere Monate hätten viele Unternehmer nicht durchgehalten.“ Doch der Neustart geht mit vielen Auflagen einher, wie der Erarbeitung eines Schutz- und Hygieneplans, der Einhaltung eines Mindestabstands oder auch dem Tragen von Mund-Nasen-Schutz. „Ich hoffe sehr, dass alle diese Vorschriften auch genaustens einhalten – egal, ob kleines Eiscafé oder gehobene Gastronomie. Die Situation ist sehr fragil, und die Lockerungen können auch schnell wieder aufgehoben werden“, warnt Michael Steuer. „Sollte es zu einem erneuten Lockdown kommen, sieht es für viele sehr düster aus.“ Deshalb hofft er auf das Verständnis und das Verantwortungsgefühl aller.

Doch schon beim verspäteten Saisonstart am Pfingstwochenende müssen sich einige Unterkünfte auf der Insel aufgrund von Corona-Auflagen mit Kapazitätsproblemen auseinandersetzen. „Normalerweise sind Hotels an diesem verlängerten Wochenende zu 90 Prozent ausgebucht“, sagt Steuer. „Allerdings gilt für viele Hotels derzeit noch eine Belegungsquote von 60 Prozent.“ Die restlichen Betten dürfen nicht belegt sein. Also muss nun einem Teil der Urlauber abgesagt werden – eine heikle Aufgabe. „Eigentlich kann dies nur nach Eingangsdatum der Buchungen erfolgen, um eine Fairness zu gewährleisten“, rät Michael Steuer. „Wir hoffen sehr, dass die aktuelle Belegungsquote möglichst bald nach oben gesetzt wird.“

Die Insel könne von der Corona-Krise profitieren

In den kommenden Wochen wird es also voraussichtlich wieder lebhafter auf Usedom zugehen. Zu lebhaft? Schon in den vergangenen Jahren ächzte die Insel im Sommer unter den Tourismusströmen. Trotzdem würde die Insel laut Michael Steuer noch bei Weitem nicht an ihre Grenzen stoßen, wie manche Kritiker meinen. „Es ist zwar richtig, dass in den Sommermonaten eine Art Ausnahmezustand auf Usedom herrscht, aber das sind nur sechs bis acht Wochen im Jahr“, stellt er klar.

„Mich ärgert, dass diese Wochen oft pauschal aufs ganze Jahr übertragen werden. Die Insel hat eine durchschnittliche Auslastung der Bettenkapazität von knapp 60 Prozent, deshalb ist die Debatte um Kapazitätsgrenzen für mich verfehlt.“ Vielmehr könne die Insel Usedom von der Corona-Krise profitieren, so wie der gesamte Inlandstourismus. Denn laut Steuer geht der Urlaubstrend nun verstärkt hin zum Entdecken des eigenen Landes.

„Der Tourismus ist MVs Vorzeige-Branche“

Nun macht sich also wieder Optimismus breit unter den Touristikern. Doch trotzdem sind durch die vergangenen Wochen herbe finanzielle Verluste zu beklagen, die sich nur langfristig kompensieren lassen. Da sind auch die 1000 Euro, die Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) für jeden Tourismus-Mitarbeiter fordert, nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Nach Ansicht von Michael Steuer wäre eine Unterstützung für die Unternehmen wichtiger. Der Tourismus sei die Vorzeige-Branche für das ganze Land und eine tragende Säule der hiesigen Wirtschaft.

Deshalb befürwortet er auch die Forderung nach einem Sonderhilfeprogramm für die Tourismuswirtschaft, die vom Tourismusverband MV und der Dehoga formuliert wurde. Zu den geforderten Hilfsmaßnahmen zählen laut Strategiepapier unter anderem Rettungsfonds für das Gastgewerbe, fortgesetzte finanzielle Soforthilfen im Sinne nicht rückzahlbarer Zuschüsse, Erhöhung des Kurzarbeitergeldes oder auch zinsarme Darlehenfür touristische Unternehmen.

Vorsicht bei der Preisgestaltung!

Übrigens warnt Michael Steuer eindringlich davor, nun die Preise für Übernachtungen oder Restaurantbesuche radikal anzuheben. Wer durch Leistungsaufschläge schnell Geld reinholen will, der denke nicht weit genug. „Der Kunde ist nicht dumm, er weiß, was er in den Vorjahren bezahlt hat. Von Teuerungen rate ich deshalb ab“, so Steuer. „Bei der Preisgestaltung sollte sehr vorsichtig agiert werden, sonst kommt der Kunde nie wieder. Ich spreche mich deshalb für ein faires Miteinander aus.“

Um bei den Touristen trotz der Reisebeschränkungen in Erinnerung zu bleiben, hat die UTG bereits Ende März unter dem Hashtag #usedomwartetaufeuch eine digitale Sehnsuchtskampagne für die Insel Usedom gestartet. Mit emotionalen Fotos, Video-Clips und Inselgeschichten wird der Kontakt zu den Usedom-Urlaubern aufrecht erhalten, unterstützt von vielen Partnern. Auf der Kampagnen-Webseite usedom.de/sehnsucht fließen auf einer Social Wall alle diese Hashtag-Beiträge von Instagram- und Twitter-Usern zusammen. Allein in den ersten drei Wochen erzielte die Kampagne eine Reichweite von 1,5 Millionen. Es gab mehr als 550 Beiträge und 70 000 Interaktionen. „Wir wollen damit bei den Gästen die Sehnsucht nach Urlaub am Meer virtuell stillen. Ich freue mich, dass die Kampagne so stark angelaufen ist und sich so viele Partner aktiv einbringen“, so Michael Steuer. „Wir sind auch bereits in der Vorbereitung weiterer Marketingaktionen.“ Mehr wollte er dazu allerdings noch nicht verraten.

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