CRAFT BEER

Auf Usedom wird jetzt Cannabis-Bier gebraut

Der Streit um die Cannabis-Legalisierung schwelt in Deutschland seit Jahren. Auf Usedom wird unterdessen Deutschlands erstes Hanf-Bier gebraut – völlig legal.
Marcel Laggai Marcel Laggai
Im Wasserschloss Mellenthin wird Deutschlands erstes Cannabisbier produziert. Die Idee dazu hatte Schlossherr Jan Fidora.
Im Wasserschloss Mellenthin wird Deutschlands erstes Cannabisbier produziert. Die Idee dazu hatte Schlossherr Jan Fidora. Uwe Bumann/Kollage NK
Usedom.

Die Craft-Beer-Szene erfreut sich deutschlandweit wachsender Beliebtheit. Was nun allerdings auf der Ostseeinsel Usedom gebraut wird, gab es so auch noch nicht: Im Wasserschloss Mellenthin wird nämlich Deutschlands erstes Cannabisbier produziert. Während Cannabis in Kanada in dieser Woche legalisiert wurde, ist der Handel mit dem berauschenden Kraut in Deutschland noch immer verboten. Auf der zweitgrößten deutschen Insel wird Hanf dennoch zu Bier verarbeitet – ganz legal. Die Idee zu dieser scheinbar ungewöhnlichen Kombination hatte Schlossherr Jan Fidora.

So ungewöhnlich ist die Mixtur jedoch nicht, erzählt er. Die Rezepte gebe es bereits seit dem 18. beziehungsweise 19. Jahrhundert. Sein Nachbar habe sie ausfindig gemacht, so Fidora. Das Interesse seines Nachbarn komme indes nicht von ungefähr, baue er doch den THC-armen Nutzhanf an. Dieser Hanf besitzt nur einen geringen Anteil der berauschenden Substanz Tetrahydrocannabinol, kurz THC. Die Fasern des Nutzhanfs oder auch Industriehanfs werden zur Herstellung von Seilen und Hanftextilien verwendet. Doch die Blüten dienen auf Usedom nun als Hopfen-Ersatz.

1000 Liter Cannabis-Bier abgefüllt

Vorab gilt jedoch der bewährte Spruch: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Mussten die Blüten doch erst einmal von Blättern und Strunk befreit werden – per Hand. „Da gehen Stunden drauf”, hält Fidora bezüglich des immensen Aufwands nicht hinter dem Berg. Um auf adäquate Menge Bier zu kommen, mussten vorher also etliche Kilo Blüten gesammelt werden. Zusammen mit Wasser, Blüten und anderen Zutaten wird die Mischung für knapp acht Stunden im Sudkessel angesetzt. Allerdings: „Mein Geheimrezept verrate ich natürlich nicht”, so der Bier-Brauer. Im Anschluss müsse der Sud etwa sieben Tage gären und weitere vier bis sechs Wochen lagern, heißt es weiter. Ein wichtiger Fakt ist währenddessen unverzichtbar: ständige Kühlung – bei maximal ein Grad Celsius.

Just in dieser Woche ist der Gärungsprozess beendet worden, sodass das Cannabis-Bier abgefüllt werden konnte. Für Jan Fidora, der in Mellenthin bereits seit Jahren mit dem Brauen von Bier vertraut ist, reine Routine. Nachdem es im vergangenen Jahr einen Probelauf gab, konnten in diesem Jahr ungefähr 1000 Liter Cannabis-Bier abgefüllt werden. Im Brauerei-Geschäft keine große Menge und so rät der Mellenthiner Bierfans rasch zuzugreifen. „In zwei, drei Wochen ist alles weg.” Den nächsten Schwung, des leicht süßlich und ein wenig nach Gras schmeckenden Bieres, gebe es erst wieder im kommenden Jahr, fügt Fidora hinzu.

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