Wer den blau-weißen Schildern folgt, erlebt ein besonderes Stück Usedomer Kunstgeschichte: die Feininger-Tour.
Wer den blau-weißen Schildern folgt, erlebt ein besonderes Stück Usedomer Kunstgeschichte: die Feininger-Tour. © Matthias Gründling
Die Bronzeplatten weisen auf die Feininger-Malobjekte.
Die Bronzeplatten weisen auf die Feininger-Malobjekte.
Er kennt die Feininger-Tour aus dem Effeff: der frühere Pastor von Benz Martin Bartels.
Er kennt die Feininger-Tour aus dem Effeff: der frühere Pastor von Benz Martin Bartels.
Fahrrad-Ausflug

Das bietet die Feininger-Tour auf Usedom

Mit dem Rad über die Insel Usedom radeln und dabei den Künstler Lyonel Feininger erfahren – das fordert Waden und Hirn.
Benz

Die Bedingungen für mein Vorhaben sind bestens: Die Sonne lacht, mein Rad „schnurrt“ beim Fahren vor Freude und an meiner Seite ist ein ausgewiesener Kunstexperte: Till Richter. Er ist Initiator und Eigentümer des gleichnamigen Museums für Zeitgenössische Kunst in Buggenhagen. Mit ihm bin ich verabredet, um die „Lyonel-Feininger-Tour“ zu fahren – zu ausgewählten Orten, die auch den deutsch-amerikanischen Maler Lyonel Feininger (1871-1956) immer wieder gefesselt haben.

Vor der historischen Holländer-Windmühle in Benz treffen wir uns. Mein Rad-Begleiter empfängt mich mit den Worten: „Die ersten Feininger-Bilder habe ich schon als Kind gesehen, weil im Bücherregal ein Buch über ihn stand. Später hat mir ein Freund der Familie, der Künstler Fero Freymark, von Feininger vorgeschwärmt. Dass Feininger überhaupt auf Usedom war, hat mich überrascht und gefreut, zumal man dank der schönen Fahrradroute auf seinen Spuren 'reisen' kann. Das Buch zur Tour 'Papileo auf Usedom' ist wirklich sehr gut gemacht. Das hat Hand und Fuß, lädt zum Entdecken ein und informiert gründlich.“

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Blau-weiße Schilder weisen den Weg

Nach einer kleinen Stärkung mit Brötchen und Kaffee lassen wir unseren Rädern freien Lauf und hinab geht es nach Benz. Wir folgen den blau-weißen Schildern, die uns zur Kirche führen. Feininger hat die Benzer Kirche immer und immer wieder gemalt. Aus seiner Biografie ist zu erfahren, dass er selbst kurz vor seinem Tod noch ein Aquarell des Kirchturms geschaffen hat.

Hier in Benz müssen wir uns entscheiden – fahren wir über Neu Sallenthin und Bansin Dorf in Richtung Ostsee oder bleiben wir im Achterland und fahren eine „Schleife“ über Neppermin und Mellenthin. Wir wählen die zweite Variante und lassen uns vom Ausblick auf den Balmer See ebenso begeistern wie von der Landschaft rund um Neppermin und der Kirche von Mellenthin.

Unweit davon treffen wir in Dewichow Pfarrer Martin Bartels. Er gehörte vor mehr als zehn Jahren gemeinsam mit dem viel zu früh verstorbenen ehrenamtlichen Benzer Bürgermeister Martin Meenke und dem Vorsteher des Amtes Usedom-Süd Karl-Heinz Schröder zu den Initiatoren der „Lyonel-Feininger-Tour“. Martin Bartels erinnert sich: „Wir sind mit sehr viel Enthusiasmus an den Aufbau der Tour und begleitenden Buches gegangen. Das Buch 'Papileo auf Usedom' ist längst kein Geheimtipp mehr. Zwei Auflagen hat es bisher gegeben. Und sicherlich muss demnächst eine dritte Auflage kommen.“ Warum das Buch genau diesen Namen trägt? wollen Sie wissen. – Ihre Neugier wird auf der Internetseite www.papileo.de gestillt.

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40 Stationen auf 56 Kilometern

Dank dieser Engagierten war es im Jahr 2009 möglich, die Tour zu eröffnen. Zu ihr gehören 40 Stationen auf einer Gesamtlänge von 56 Kilometern. So ist es gelungen, Feiningers Lieblingsorte, an denen zahllose künstlerische Motive entstanden sind, miteinander zu verbinden und ein Stück einzigartiger Insel-Geschichte sowohl den Einheimischen als auch den Gästen nahe zu bringen.

Mein Rad-Begleiter Till Richter blättert während des nächsten Zwischenstopps in Sallenthin im Buch und nimmt den Gedanken auf: „Besonders gefallen mir Feiningers kubistische Anleihen – er hat die Kubisten ja in Paris getroffen – und die leuchtenden Farben. Diese Farbprismen sind bei ihm noch schöner als bei Picasso oder Braque. Da ist mehr Stimmung, wobei die Arbeiten andererseits auch nicht so expressionistisch sind wie mit den klassischen deutschen Expressionisten. Es erinnert tatsächlich eher an die impressionistischen Studien wie etwa Monets Kathedrale von Rouen, die er in verschiedenen Situationen der Auflösung durch Licht darstellte.“

Immer mit dem neuesten Rennrad unterwegs

Inzwischen nähern wir uns Bansin, radeln weiter nach Heringsdorf und erfahren aus „Papileo“, dass Feininger Landungssteg und Schiffe, Strand und Personen immer wieder gezeichnet hat. Seine Malausflüge führten ihn auf dem jeweils neuesten Rennrad-Modell über Ahlbeck auch nach Swinemünde. Dort hatte es ihm in besonderer Weise das Rathaus angetan. Zu diesem und den weiteren Motiven der „Lyonel-Feininger-Tour“ brechen wir im nächsten Jahr – gemeinsam mit meinem Rad-Begleiter nehme ich mir das fest vor.

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Ausgewählte Malorte auf der Feininger-Tour

Mellenthin
Kirche aus dem 14. Jahrhundert
Wasserschloss aus der Hochrenaissance

Neppermin
Hafen von „Peppermint"
interessante Dorfstraßen-Ansichten mit Vagabunden und Landarbeitern

Benz
St.-Petri-kirche
historische Holländer-Windmühle
Kirchhofsmauer

Sallenthin
Häuser der historischen Dorfstraße

Bansin
Windmühle, vom Ufer des Gothensees aus gezeichnet

Heringsdorf
Strandszenen
Landungssteg
Promenade
Villa Oppenheim und der Bahnhof

Ahlbeck
Strand
Häuser und Kirche

Feininger-Aufenthalte auf Usedom

Lyonel Feininger hielt sich seit 1908 immer wieder bis zum Jahr 1921 auf der Insel Usedom auf – manchmal mehrere Wochen lang.

Am 17. Mai 1908 hat er in seinen Skizzenblock die folgende Notiz eingetragen: „Der Tag, an dem wir das erste Mal in Heringsdorf waren zur Miete bei Zanders.“ („Papileo auf Usedom“)

Allein in diesem Jahr kam er fünfmal auf die Insel. In den darauffolgenden Jahren kam er in den Sommermonaten immer wieder – nach Heringsdorf, Benz und Neppermin.

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