AUSFLUGSTIPP

Der unbekannte grünste Zipfel von Usedom

Schon kurios: Da rücken eine Menge Leute an und machen Kleinholz aus Hecken und Büschen, und die Naturschützer freuen sich dann auch noch darüber. Aber natürlich gibt es dafür einen guten Grund.
Eine der schönsten Ecken Usedoms, trotzdem bei vielen Usedombesuchern weitgehend unbekannt: Der Gnitz. Foto: Norbert Warm
Eine der schönsten Ecken Usedoms, trotzdem bei vielen Usedombesuchern weitgehend unbekannt: Der Gnitz. Foto: Norbert Warmbier Norbert Warmbier
Usedom ·

Längst hat sich auf dem Gnitz mit einer bunten „Indian Summer-Landschaft“ Herbstfeeling eingestellt, doch zur Ruhe kommt diese Fläche, die seltsamerweise kaum ein Pommer kennt, noch lange nicht. Regelmäßig treffen sich dort ehrenamtliche und hauptamtliche Umweltschützer im Naturschutzgebiet 248 „Südspitze Gnitz“ rund neun Kilometer südlich von Zinnowitz auf der Insel Usedom zum gemeinsamen Arbeitseinsatz.

Die Unterschutzstellung der 75 Hektar großen Fläche in der Gemeinde Lütow auf der Halbinsel Gnitz zwischen Krumminer Wiek, Peenestrom und Achterwasser erfolgte am 5. November 1990. Der Schutzzweck dient dem Erhalt eines Küstenabschnitts der Insel Usedom mit einem tollen Moränenkliff und dem dazu gehörenden Höftland, einer altbäuerlichen Wirtschaftsfläche mit einem traditionellen Strandwallsystem.

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Stark wuchernder Schwarzdorn gefährdet Sandstrohblume und wilden Thymian

Der ehrenamtliche Naturschutzgebietsbetreuer Wolfgang Nehls aus Zinnowitz kennt die Probleme dieser Flächen speziell am Möwenort, denn besonders auf den Halb-Magerrasen und Salzgraslandflächen macht sich der stark wuchernde Schwarzdorn mit dichter Grasvegetation breit. Hierdurch werden die konkurrenzschwachen Kartäusernelken, die gelb blühenden Sandstrohblumen und der wilde Thymian stark gefährdet.

Der Sachgebietsleiter der unteren Naturschutzbehörde Dietmar Weier freut sich deshalb auch sehr über die langjährige gute Zusammenarbeit bei der Freihaltung des Höftlandes mit dem Bio-Landwirt Frank Knechtel aus Bannemin, der hier seine Rinder als biologische Rasenmäher einsetzt. Damit haben sich die Bestände der Wiesenorchideen wieder gut entwickelt. Leider wurden bei der jüngsten Herbststurmflut ausgerechnet diese überaus wertvollen Flächen überschwemmt, so Gebietsbetreuer Nehls. „Doch wir hoffen alle, dass trotz dieser Staunässe die Orchideen gut durch den Winter kommen.“

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Naturschützer pflegen die steilen Hänge

Nur die recht steilen Hänge können die Rinder kaum erreichen. Hier rücken der Wuchervegetation die Naturschützer mit Heckenscheren, Motorsensen, Forken und Harken auf den Leib, so das die bizarren Sommerblüher auch in der kommenden Vegetationsperiode ihre Köpfchen wieder in den Sonnenhimmel strecken können. Freigeschnitten wurde auch ein Tümpel, der Moor- und Grasfröschen als Laichgewässer dient.

Sehr schön sind auch die riesigen Sträucher der Wacholderbüsche, deren dunkle aromatische Beeren von den hier zu Hunderten durchziehenden Wacholderdrosseln gern verspeist werden. Als Krammetsvögel wurden vor allem Wacholderdrosseln bezeichnet, die vor etwa 200 Jahren aus Nord- und Osteuropa kommend damit begannen, auch die Insel und Vorpommern als Brutvögel zu besiedeln.

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Zahlreiche Vogelarten lassen sich hier beobachten

Damals wie heute ziehen Wacholder- und Rotdrosseln in großen Scharen durch Vorpommern. Zu Zeiten des Zoologen Alfred Brehms etablierte sich erst langsam der Naturschutzgedanke, und so wurde das Fleisch der Krammetsvögel sehr geschätzt. Tausende wurden geschossen oder mit feinsten Schlingen gefangen. Die genossenen Wacholderbeeren, daher auch der Artname, verliehen dem Fleisch der Drossel, so bei Brehm zu lesen, einen angenehmen Beigeschmack. So waren die Singvögel eine beliebte Delikatesse. Heute stehen sie unter Naturschutz, nur der Sperber hat dies noch nicht mitbekommen und macht gerne auf sie Jagd.

Durch den Gnitz führt ein toller Rundweg bis zum Lüttower Hafen, immer wieder sieht man die gewaltigen Mantelmöwen, Mitteleuropas größte Möwenart, und viele Seeadler.

Wer an einer Naturwanderung mit Wildblumen-, Wasservögel- und Adlerbestimmungen teilnehmen möchte, erreicht Norbert Warmbier unter 0151 56074311.

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Kommentare (1)

Der Lebensraum für sie gemeinen Mücke wird durch die Nutzung zahlreicher Besucher der Rundweges aufgewertet. Hunger leiden die nicht, obwohl ein gnadenloser Kampf um den Fressnapf herrscht.