KUNST UND KULTUR

Diese Pläne hat das Till Richter Museum für das kommende Jahr

Das Till Richter Museum im Schloss Buggenhagen, unweit von Usedom, begeistert seit fast sieben Jahren mit fulminanten Ausstellungen. Der Nordkurier ist mit dem habilitierten Kunsthistoriker und Sammler Dr. Till Richter ins Gespräch gekommen – über seine Sammlerleidenschaft und neue Vorhaben im Jahr 2022.
Dr. Till Richter ist ein leidenschaftlicher Kunstsammler.
Dr. Till Richter ist ein leidenschaftlicher Kunstsammler. Till Richter
„Der Rote Hund“ von Gregorio Iglesias Mayo.
„Der Rote Hund“ von Gregorio Iglesias Mayo. Till Richter
Die in Berlin lebende Künstlerin Angelika Arendt hat den „Grünen Kreis“ geschaffen.
Die in Berlin lebende Künstlerin Angelika Arendt hat den „Grünen Kreis“ geschaffen. privat
Buggenhagen ·

Wie umfangreich ist Ihre private Kunstsammlung, und wie sind Sie Sammler geworden?

Die private Sammlung, auf der das Museum basiert, enthält mehrere hundert Werke aller Gattungen, also von der klassischen Ölmalerei bis hin zum digitalen 3D Film über Skulpturen und Drucke, Zeichnungen und Fotos. Die Werke kommen aus einer nun 30-jährigen Sammlertätigkeit, die mit Freude und Spannung fortgeführt wird.Mein erstes gekauftes Werk war eine Collage/Malerei meines Kindheitsfreundes Tim Rieniets. Er hatte seine erste Ausstellung, als wir beide 17 waren. Ich habe meine Mutter um Geld bitten müssen. Jetzt ist Tim Professor für Architektur, zuerst an der ETH Zürich und nun an der Universität Hannover. Fast zeitgleich gab es die Anschaffung einer Skulptur von Gerhard Mantz, der damals 40 Jahre alt war, während ich noch mein Abi machte. Die Skulptur wurde dann mein Abiturgeschenk. Sie ist mit mir um die Welt gereist, von Studentenbude zu Studentenbude. Die Werke von Gerhard Mantz sind in der Zwischenzeit in vielen Museen zu bewundern, und auch ich habe diverse Mantz-Werke in der Sammlung, auf die ich sehr stolz bin.

Gibt es ein Werk, mit dem Sie besondere Erinnerungen verbinden?

Ja, es ist der „Rote Hund“ des spanischen Malers Gregorio Iglesias Mayo. Ein berühmter französischer Kritiker schrieb erst vor ein paar Jahren über ihn, dass er der mehr als würdige Nachfolger von Francisco Goya und Francis Bacon sei. Der Mann hat Recht! Ich halte Iglesias Mayo für einen der sieben besten Maler zur Zeit. Getroffen habe ich ihn, als er als junger Mann, Mitte 30, eine Ausstellung im Zentrum für Katalanische Studien der Pariser Sorbonne hatte. Ich sah das Bild im Fenster der Galerie, ging rein, schaute die Ausstellung und die Kataloge an und wusste deshalb, wie der Künstler aussah. Ein paar Tage später, ich war auf dem Weg zum Waschsalon, sehe ich, der Künstler steht höchstpersönlich in der Galerie. Ich bin also beladen mit schmutziger Wäsche rein, habe mich kurz als Student der Kunstgeschichte vorgestellt und ihn gefragt, ob er ein Bier trinken will, während meine Wäsche wäscht. Daraus entstand eine wunderbare Freundschaft mit diversen Ausstellungen und tollen Projekten, in Buggenhagen und auch in Peenemünde, wo er die größte Leinwand der Welt eines einzelnen Künstlers malte. Der Rote Hund war das Geschenk zum Abschluss des Studiums an der Sorbonne. Es ist nach wie vor tief in meinem Herzen.

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Welche Ausstellungspläne gibt es für das nächste Jahr?

Wir haben für 2022 mindestens zehn Ausstellungen geplant. Darunter Jay Shinn aus den USA und Julius Weiland aus Berlin. Nächstes Jahr wird aus der eigenen Sammlung die aktuelle „Extractions“ Ausstellung weiterhin zu sehen sein. Sie ist diesmal nicht von mir selbst kuratiert, sondern von den Musikern Frank Braun (Trompete) und Johannes Haage (Gitarre). Beide waren so inspiriert von den Werken, dass sie mich baten, dazu Musik machen zu dürfen. Ich war natürlich sehr geehrt. Mit einem scharfen Auge haben sie ein Dutzend Werke ausgesucht und dazu hier im Schloss eine sehr ansprechende und hörbare und dennoch experimentelle Jazzplatte aufgenommen. Momentan sind wir noch dabei, das physische Album zu produzieren.

Gibt es Beziehungen zu den Künstlern, deren Arbeiten Sie sammeln?

Ja, die gibt es fast immer. Gelegentlich entdecke ich etwas auf einer Messe, einer Biennale, im Internet, auch klassisch in der Galerie oder beim Atelierbesuch in einer Hochschule. Dann steht das Werk zuerst da. Über das Werk findet man Zugang zum Künstler oder zur Künstlerin. Oft ist es aber auch so, dass ich jemanden kennenlerne oder vorgestellt bekomme, wo ich denke, der ist aber sympathisch. Mal sehen, was der so macht. Oft sind dann die Werke auch sehr gut. Das ist fast ein Selbstläufer, denn die Künstler/innen, mit denen ich arbeite, wissen, wie hoch mein Qualitätsstandard liegt und können das auch beurteilen. Die Empfehlungen sind immer hochwertig, auch wenn mir vielleicht nicht jede Sache persönlich oder geschmacklich gefällt. Die Qualität ist also objektiv erfassbar und beschreibbar. Das Gefallen ist subjektiv. Deshalb ist es mir auch sehr wichtig, den Gästen des Museums ganz verschiedene Kunstwerke zu zeigen, damit jede(r) einen Zugang finden kann. Leider, oder zum Glück, ist es aber oft so, dass ich ein Werk von einem Künstler kaufe, vielleicht auch ein zweites, aber dann steigen die so im Wert, dass ich mir Jahre später kein weiteres Werk leisten kann. Das führt dazu, dass ich immer wieder von vorne anfangen muss.

 

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