In Heringsdorf auf Usedom könnte ein Kinderhospiz an der Ostsee entstehen.
In Heringsdorf auf Usedom könnte ein Kinderhospiz an der Ostsee entstehen. Patrick Pleul
Alte Polizeivilla

Gibt es bald ein Kinderhospiz auf Usedom?

In Heringsdorf auf Usedom könnte das erste stationäre Kinderhospiz in MV eingerichtet werden, doch bis dahin ist noch ein weiter Weg. Ein erster Schritt ist nun gemacht.
Heringsdorf

Das Vorhaben, in Heringsdorf auf Usedom ein Kinderhospiz zu eröffnen, nimmt weiter Gestalt an. Am Dienstag fand im Sozialministerium das erste Gespräch mit Bürgermeister Lars Petersen, Ewald Kruschel, dem Vorsitzenden des Fördervereins „Ambulanter Kinderhospizdienst Leuchtturm” in Greifswald, Vorpommerns Staatssekretär Patrick Dahlemann und Christina Kämmerer von den „Usedomer Laufmützen” statt. Dahlemann habe sich richtig begeistern lassen, freut sich Kämmerer, die mit Laufveranstaltungen für den „Leuchtturm” sammelt.

16 stationäre Kinderhospize gibt es bundesweit, aber noch keines in MV. Auch das nächste ambulante Kinderhospiz ist weit weg in Soltau, und die Wartelisten sind lang, etwa 20.000 Familien stehen laut Kämmerer derzeit um einen Hospizplatz an. Die Idee ist nun, die alte Polizeivilla in Heringsdorf so umzubauen, dass acht todkranke Kinder und ihre Familien dort eine Auszeit nehmen können. Urlaub an der Ostsee, „die Füße im Sand” – ganz normales Familienleben und einmal nicht an die Sorgen denken, „an denen ja Familien und Beziehungen oft scheitern”, wie Kämmerer weiß.

Das Angebot soll Betroffenen aus ganz Deutschland offen stehen, für jeweils vier Wochen oder nach Wunsch auch bis zum Tod des Kindes. „Die Familien sind oft isoliert”, so Kämmerer. In der ehemaligen Polizeivilla wären sie aber im Herzen von Heringsdorf untergebracht. Das Gebäude, das seit 2017 leersteht, gehört dem Land. „Wir hoffen nur, dass das Land dies nicht an einen Investoren verkauft und dies als Ferienanlage genutzt wird“, sagte Petersen schon im Vorfeld des Besuches in Schwerin der Ostsee-Zeitung. Auch ein Ärztehaus war schon im Gespräch.

Träger für Hospiz fehlt noch

„Hotelanlagen haben wir genug”, findet Kämmerer, die in der Bevölkerung für Akzeptanz und Toleranz für das Vorhaben wirbt. Die Spendengelder in Höhe von über 46.000 Euro, die bereits zusammen gekommen sind, stimmen sie zuversichtlich: „Das sind alles keine Großspenden, sondern das Geld von Vielen. Die Leute geben mit Überzeugung.” Auch auf einen Artikel in der Ostsee-Zeitung hin hätten Menschen von überall her angeboten mitzumachen und ehrenamtlich zu helfen. Doch die spontane Hilfsbereitschaft und die Spenden reichen natürlich nicht aus. Der Verein kann das Hospiz schon allein personell nicht tragen und für den Umbau sei noch eine Menge Geld nötig, so Kämmerer. Ein Träger muss auch noch her.

Bevor jedoch über weitere Schritte, Planungen und Standorte gesprochen werden kann, soll nun zunächst eine Bedarfsanalyse und eine Machbarkeitsstudie durchgeführt werden, dann seien weitere Gespräche mit dem Sozialministerium, dem Finanzministerium und dem Landkreis nötig. Ein erster Termin des Fördervereins mit den Krankenkassen unter Beteiligung des Sozialministeriums sei bereits vereinbart, so ein Sprecher des Ministeriums.

Mit Stralsund ist zurzeit ein weiterer Standort für ein Kinderhospiz an der Ostsee im Gespräch. Bürgermeister Petersen versicherte der Ostsee-Zeitung jedoch, dass sich Heringsdorf mit dem Projekt nicht gegenüber anderen Städten und Gemeinden des Landes profilieren wolle. „Es geht um Humanismus und es wäre toll, wenn es eine Lösung gibt. Wir möchten auch nicht, dass sich Städte untereinander ausspielen“, sagte er. „Am Ende ist egal, wo”, betont auch Kämmerer. „Entscheidend ist, dass es bald ein erstes Kinderhospiz an der Ostsee gibt.”

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