Die nassen, sumpfigen Erlenbruchwälder mit den typischen Schwarzerlen sind in Deutschland selten geworden, wertvolle Lebe
Die nassen, sumpfigen Erlenbruchwälder mit den typischen Schwarzerlen sind in Deutschland selten geworden, wertvolle Lebensräume – etwa für den Moorfrosch. © Norbert Rosing / DBU Naturerbe
Ruthes Knabenkraut: nur hier wächst diese seltene Orchideenart. Durch Weltkriege und die Teilung Deutschlands war diese A
Ruthes Knabenkraut: nur hier wächst diese seltene Orchideenart. Durch Weltkriege und die Teilung Deutschlands war diese Art jahrelang vergessen. 1997 hat man dieses biologische Kleinod wieder entdeckt. © Norbert Rosing / DBU Naturerbe
Eine Kormoran-Kolonie hat hier ihr Zuhause gefunden.
Eine Kormoran-Kolonie hat hier ihr Zuhause gefunden. © Norbert Rosing / DBU Naturerbe
Die Küstendynamik der Ostsee prägt die Naturerbefläche. Winde, Strömungen und Wellen versetzen Kies und K&
Die Küstendynamik der Ostsee prägt die Naturerbefläche. Winde, Strömungen und Wellen versetzen Kies und Küstensand von Ost nach West. © Norbert Rosing / DBU
Diplom Biologin Nicole Laufenstein hat die Naturerbe-App inhaltlich maßgeblich mitentwickelt.
Diplom Biologin Nicole Laufenstein hat die Naturerbe-App inhaltlich maßgeblich mitentwickelt. © Nicole Laufenstein / DBU Naturerbe
Usedom erleben

In Peenemünde trifft Natur auf Geschichte

Auf sage und schreibe 2020 Hektar ist im Norden der Insel Usedom die DBU-Naturerbefläche Peenemünde zu finden. Ein Ausflugsparadies nicht nur für Naturliebhaber, sondern auch für historisch Interessierte. Eine kostenlose App dient als interaktiver Multimedia-Guide.
Peenemünde

Wanderer, Historiker, Radausflügler und Naturfreunde geben sich hier regelrecht die „Klinke in die Hand“. Allein die Naturhighlights zwischen Karlshagen und Peenemünde auf dem Deich lassen die Besucher mit der Zunge schnalzen: Ruthes Knabenkraut, Kartäuser-Nelke, Strand-Tausendgüldenkraut, Fischotter, Marder, Abendsegler, Kiebitz, Kreuzotter, Heidelerche und als Krönung natürlich der Seeadler mit gleich zwei Brutpaaren im Revier.

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Auch für Geschichtsinteressierte lohnt sich ein Besuch

Die riesige Fläche mit sage und schreibe 2020 Hektar bietet aber auch historisch Interessierten viel Wissenswertes. Peenemünde wurde weltweit bekannt, weil die Nationalsozialisten hier ab 1936 eine Heeresversuchsanstalt betrieben, um Raketen und die berüchtigten „Vergeltungswaffen“ zu entwickeln, zu produzieren und zu testen. Rund 10 000 Menschen schufteten hier unter unsäglichen Bedingungen in diesem 25 Quadratkilometer großen Rüstungsareal, darunter auch Häftlinge aus Konzentrationslagern.

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Vielzahl von Boden- und Baudenkmalen

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die Nationale Volksarmee bis zur Wende das Gelände. Heute arbeitet das Historisch-Technische Museum diese geschichtlichen Kapitel auf und präsentiert die wichtigsten Themen dreisprachig in modernster Ausstellungstechnik und -methodik.

Die 25 Quadratkilometer große Gemarkung Peenemünde birgt eine Vielzahl von Boden- und Baudenkmalen vom 17. bis zum 20. Jahrhundert. Den Schwerpunkt bilden die Ruinen der Peenemünder Versuchsanstalten, die heute als eines der größten Flächendenkmale in der Bundesrepublik Deutschland angesehen werden können. Große Teile des Areals gelten jedoch heute noch als munitionsbelastet und sind der Öffentlichkeit nicht zugänglich.

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Kostenlose „Naturerbe-App“ dient als interaktiver Multimedia-Guide

Die “Denkmal-Landschaft” ist ein Rundweg von 25 Kilometern Länge mit derzeit 23 Stationen. Unter Aussparung sensibler Bereiche werden Besucher zu den historisch interessantesten Punkten geführt. An jeder Station befindet sich ein Schild mit weiteren Informationen. Ausgehend vom Historisch-Technischen Museum Peenemünde ermöglicht der individuelle Rundgang dem Besucher aber auch, den ökologischen und symbolischen Wert dieser Landschaft zu erfahren, denn sie lädt dazu ein, über das Verhältnis von Mensch, Natur und Technik nachzudenken.

Interessenten können auch die kostenlose „Naturerbe-App“ nutzen. Die App dient als interaktiver Multimedia-Guide und bietet mit vielen historischen Fotos, Filmaufnahmen, Dokumenten und Zeitzeugenberichten spannende Einblicke und Hintergrundinformationen. Die integrierte Kartenansicht mit Navigationsfunktion hilft beim Auffinden der Stationen und beinhaltet verschiedene Tourenvorschläge. Zum besseren Verständnis empfehlen die Macher der App zunächst einen Besuch des Museums, um sich hier an einem historisch authentischen Ort auf eine ganz besondere Zeitreise zu begeben.

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Sommercamps bringen Jugendliche aus der ganzen Welt zusammen

Das Museum Peenemünde ist seit 1999 auch ein Ort, an dem jährliche Sommercamps stattfinden, in denen Jugendliche aus der ganzen Welt zusammenkommen. In diesem Jahr fand übrigens das 26. Sommercamp statt. Zwei Wochen lang kümmerten sich sieben Teilnehmer um die Pflege der historischen Anlagen in der Denkmallandschaft. Die Arbeiten fanden unter anderem im ehemaligen KZ-Arbeitslager Karlshagen I statt. Hier beseitigten die Teilnehmer des Sommercamps den Wildwuchs an den Resten einer ehemaligen Baracke und zwei früheren Wachtürmen.

Aber auch als Urlauber oder einheimischer Entdecker geht man während einer eindrucksvollen Deichwanderung von Karlshagen nach Peenemünde eine Begegnung mit Natur und Geschichte gleichermaßen ein. Zunehmend begeben sich immer wieder auch größere Radfahrertrupps auf diese Entdeckertour und informieren sich gern an den vielen Schrifttafeln.

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DBU-Naturerbeflächen sind gänzlich dem Naturschutz gewidmet

Der Bund hat vor Jahren begonnen, 156 000 Hektar national bedeutsame Flächen als Nationales Naturerbe an die Bundesländer, an Naturschutzverbände und Stiftungen zu übergeben. Das DBU Naturerbe, gemeinnützige Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), hat davon insgesamt rund 70 000 Hektar auf 71 Naturerbeflächen in zehn Bundesländern übernommen. Hierbei handelt es sich größtenteils um ehemals militärisch genutzte Flächen – so auch die DBU-Naturerbefläche Peenemünde. Alle DBU-Naturerbeflächen sind gänzlich dem Naturschutz gewidmet – wertvolle Lebensräume für teils seltene Tier- und Pflanzenarten werden langfristig erhalten und entwickelt.

Die DBU-Naturerbefläche Peenemünde befindet sich seit 2012 im Eigentum des DBU Naturerbes, verantwortlich für das Naturschutz-Management ist das DBU Naturerbe bereits seit 2010. Die rund 2020 Hektar umfassen den Peenemünder Haken in der Nordwestspitze von Usedom, die Halbinsel Struck und die Insel Ruden. Trotz der militärischen Nutzung blieb ein Großteil der alten Eichen- und Buchenwälder, Kieferwälder auf Dünen sowie nasse Erlen- und Moorbirkenbrüche erhalten. In Bombenkratern und Geländesenken sind Klein- und Moorgewässer entstanden. Brackwasser-Röhrichte, kleine Sandinseln, See- und Salzgraswiesen dienen vielen Wasservögeln als wichtiger Rast-, Mauser- und Nahrungsplatz.

Auf einen Blick

Größe: rund 2020 Hektar

Lage: drei Teilflächen, Peenemünder Haken, Halbinsel Struck und Insel Ruden

Arten: Pflanzen: Ruthes Knabenkraut, Kartäuser-Nelke, Strand-Tausendgüldenkraut

Färber-Scharte, Schmalblatt-Hornklee, Strand-Dreizack, Bodden-Binse, Teufelsabbiss, Europäischer Meersenf und Strandwegerich.

Tiere: u. a. Fischotter, Marderhunde, Wasserfledermaus, Abendsegler, Seeadler

Wanderer beachten bitte zum eigenen Schutz auf Grund des Munitionsverdachtes, dass man sich nur auf den ausgewiesenen Wegen bewegen darf!

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