TIERSCHUTZ

Ist Katzen-Elend auf Usedom falsch verstandene Tierliebe?

Auf der Insel Usedom treibt die Tierschützer seit Langem ein Fall um, bei dem zahlreiche Katzen unter widrigen Umständen in einem Schuppen gehalten werden. Geht die Katzenliebe hier zu weit?
Philipp Schulz Philipp Schulz
Tierschützer der Insel Usedom beobachten die Zustände auf dem Hof in Garz schon seit Längerem.
Tierschützer der Insel Usedom beobachten die Zustände auf dem Hof in Garz schon seit Längerem. Privat
Auf dem Hof verwahrlosen offenbar nicht nur Katzen. Das Kabel-Wirrwarr stellt eine Brandgefahr dar. Fotos: ZVG
Auf dem Hof verwahrlosen offenbar nicht nur Katzen. Das Kabel-Wirrwarr stellt eine Brandgefahr dar. Privat
In diesen Boxen leben die Katzen. Privat
Garz.

Herunterhängende, teilweise abisolierte Kabel, Müll und Bauschutt: In einem alten, gemauerten Schuppen auf der Insel Usedom stehen mehrere Kleintierboxen aus Holz, vergittert mit Draht, auch hier stapelt sich zwischen den Boxen und im Eingangsbereich der Müll. Aus den Boxen schauen mehrere Katzen in die Kamera. Sie sollen hier leben.

Tierfreunde schicken Bilder

Auf den Bildern, von denen dem Nordkurier zahlreiche vorliegen, sind Szenen zu sehen, die es so nicht geben sollte. Erstellt wurden sie auf einem Grundstück in der Gemeinde Garz, im süd-östlichen Teil der Insel Usedom. Der Fall soll Tierfreunde schon lange beschäftigen. Entstanden sein sollen die Fotografien Mitte Juli dieses Jahres, erstellt durch Tierschützer, die anonym bleiben wollen.

Die Hinweisgeber haben sich nach eigenen Angaben an die Öffentlichkeit gewandt, weil sie sich um die Katzen sorgen, die auf dem Grundstück, das als verwahrlost beschrieben wird, leben. Schriftlich heißt es zu den Bildern, dass auf dem Hof und in den Schuppen, in denen die Katzen leben, nicht mehr zeitgemäße Elektroanlagen sporadisch und unsicher verbaut wurden, Lampen sind nur provisorisch verlegt. Viele Kabel laufen aus dem Anbau heraus und sind nicht vor Witterung geschützt.

Katzen sind verpflegt und in ordentlichem Zustand

Ein Brand wäre eine Katastrophe – nicht nur, wenn man an die in Boxen eingeschlossenen Katzen denkt. Dabei war die Situation, glaubt man den Tierschützern, schon einmal besser. 

Immerhin seien die Katzen aktuell gut genährt und würden generell einen ordentlichen Eindruck machen. Der Vermutung liegt also nahe, dass hier niemand Tiere bewusst quälen wollte, sondern einfach einen Akt von falsch verstandener und gelebter Tierliebe vollzieht?

Auch dem Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt des Landkreises Vorpommern-Greifswald ist der Fall schon lange bekannt, wie Kreissprecher Achim Froitzheim erklärte. Nicht nur das. "Er befindet sich seit mehreren Jahren in Bearbeitung," erklärt er auf Anfrage des Nordkurier.  Er bestätigt auch, dass die Tiere Futter und Pflege erhalten und tierärztlich behandelt werden.

Laut dem Froitzheim sind seit 2017 bereits 30 Katzen von dem Hof anderweitig untergebracht worden. Für 44 Katzen sei die Kastration organisiert worden. "Die Haltung von Katzen in Käfigen und Gehegen wurde zurückgebaut," so Froitzheim weiter. Seit November 2017 hat der Kreis mehrere amtstierärztliche Vorortkontrollen durchgeführt. Die Letzte hat am 22. Juli diesen Jahres stattgefunden. 

Kreis rügt selbsternannte Tierschützer

Während Froitzheim die Lage rund um die Garzer Katzen durchaus ernst genommen wissen will, rügt er auch das Verhalten der "selbst ernannten Tierschützer". "Das Betreten von Grundstücken und Gebäuden durch Tierschutzaktivisten ist mit Rechtsstaatlichkeit in diesem Fall nicht vereinbar", so Froitzheim. Schlimmer gar: Laut Kreis-Informationen sollen die Aktivisten nicht nur selbst definierte „Tierschutzkontrollen“ durchgeführt haben, sondern auch beim Arbeitgeber der Katzenhalterin vorstellig geworden sein. Das ist Amtsanmaßung und Rufschädigung.

 Die Bilder wurden auf einem Privatgrundstück aufgenommen. Auch beobachte der Kreis immer wieder, dass es häufig dieselben Personen seien, die nicht den Mut aufbrächten, offiziell Anzeige zu erstatten.  "Anonym erstatteten Anzeigen gehen wir zwar nach, allerdings lassen sich anonyme Informationen nicht verwenden, wenn im Sinne der Tiere juristische Auseinandersetzungen geführt werden müssen", erklärt der Pressesprecher des Kreises das Problem.

Froitzheim ermutigt jedoch, Beobachtungen von Tierquälerei oder ähnlichen Vergehen beim Kreis zu melden.

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Kommentare (3)

Dann hat der Nordkurier kein Problem damit, widerrechtlich entstandene Bilder zu veröffentlichen?
Ich nicht auch diese Veröffentlichung widerrechtlich und könnte Rechtsfolgen nach sich ziehen?

ist eine Straftat. Illegale Fotos sind eine belanglose Ordnungswidrigkeit, solange keine ungefragt abgelichteten Personen drauf zu sehen sind.

werden gerade Katzen abgeschossen. So viele wie möglich. Sie töten seltene Vögel und Kleinsäuger der einmaligen Tierwelt. Katzen sind Massenmörder!