BRÜCKENBAU

Mit der Bahn von Berlin nach Usedom in zwei Stunden?

Forciert der Bau des Swinetunnels im polnischen Swinemünde die Wiederherstellung der Trasse über Ducherow und Karnin nach Heringsdorf? Das könnte die Fahrzeit deutlich verkürzen.
dpa
Die Karniner Brücke wurde im Krieg zerstört.
Die Karniner Brücke wurde im Krieg zerstört. Stefan Sauer
Heringsdorf ·

Durch den Bau des Swinetunnels im polnischen Swinemünde kommt ein altes Bahnprojekt wieder in Fahrt – die Anbindung der Insel Usedom über die Karniner Brücke an das Netz der Deutschen Bahn. Die Bahnstrecke über Ducherow und Karnin nach Heringsdorf war bis 1945 die kürzeste und schnellste Verkehrsverbindung von Berlin nach Usedom. Im Krieg wurde die Brücke zerstört.

Seitdem gab es immer wieder Initiativen von Eisenbahnfreunden für die Wiederherstellung der Trasse. Die Fahrt aus der Bundeshauptstadt an den Usedomer Strand könnte weniger als zwei Stunden dauern. Heute sind es mindestens vier, sagte der Beauftragte des Deutschen Bahnkunden-Verbandes (DBV) für das Projekt, Oswald Richter.

Daher unterstütze der Verband die Aktivitäten des Aktionsbündnisses Karniner Brücke. Dessen Vorsitzender Günther Jikeli sieht in der Wiederherstellung der Eisenbahnverbindung eine Chance, den drohenden Verkehrskollaps von der Insel abzuwenden, der durch den Swinetunnel entstehen könnte. Einem 2017 vorgelegten Gutachten zufolge werden dadurch auf deutscher Seite 13 Prozent mehr Pkw erwartet als bisher. Auch der Lkw-Verkehr über die B110 werde zunehmen. Die Bahnanbindung würde eine Entlastung bringen. 

Die Karniner Brücke ist nicht im Bundesverkehrswegeplan 2015 bis 2030 enthalten. 2015 war noch nicht klar, dass die EU den Bau des Swinetunnels zu 85 Prozent fördern würde, sagte Jikeli. Mit den Vorarbeiten dort wurde begonnen, der Tunnel soll 2022 fertig sein. Die Bahntrasse könnte dem Aktionsbündnis zufolge nach einem Jahr Planung und vier Jahren Bauzeit 2024 fertig sein - wenn das Projekt denn außerplanmäßig in den Bundesverkehrswegeplan gelänge und ebenfalls mit europäischen Mitteln gefördert würde.

Für den Neubau könnte die Bahn die alte Trasse nutzen, die in ihrem Besitz ist. Jikeli zufolge würde es eine solche Anbindung Usedoms nicht nur Berlinern erleichtern, auf die Insel zu kommen, sondern auch das strukturschwache vorpommersche Hinterland beleben. Im Tourismus Beschäftigte könnten nach Usedom pendeln, ohne dort wohnen zu müssen.

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