Kurswechsel bei SPD

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Neue Bahnstrecke nach Usedom wird wahrscheinlicher

Im Sommer reiht sich auf den beiden Straßen nach Usedom Auto an Auto - den ganzen Tag über. Im Hintergrund ist die Ruine der alten Eisenbahnbrücke auf die Insel zu sehen, die einen neuen Verkehrsweg ermöglichen könnte.
Im Sommer reiht sich auf den beiden Straßen nach Usedom Auto an Auto – den ganzen Tag über. Im Hintergrund ist die Ruine der alten Eisenbahnbrücke auf die Insel zu sehen, die einen neuen Verkehrsweg ermöglichen könnte.
Gabriel Kords

Hoffnung für die staugeplagten Einwohner und Touristen auf Usedom: In der MV-SPD zeichnet sich ein Kurswechsel beim Thema Wiederaufbau der südlichen Bahnstrecke über die Karniner Hubbrücke ab. Manuela Schwesig gehört jetzt zu den Befürwortern.

Noch im März hatte der verkehrspolitische Sprecher der SPD im Schweriner Landtag kategorisch erklärt: Mit der SPD sei der Wiederaufbau der südlichen Bahnverbindung nach Usedom über die markante Karniner Hubbrücke nicht zu machen. Die Debatte sei „nichts, was zur Lösung der Verkehrsprobleme auf Usedom beiträgt“, erklärte der Politiker im Landtag.

Dass Schulte an seiner Meinung zwischenzeitlich etwas geändert hat, ist nicht bekannt. Allerdings hat der Plan zum Wiederaufbau der rund 50 Kilometer langen Strecke von Ducherow über Swinemünde nach Usedom anlässlich des an diesem Sonnabend stattfindenden Brückenfests in Karnin, das die Befürworter des Wiederaufbaus ausrichten, mehrere neue prominente Fürsprecher gefunden: Allen voran Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD), die anlässlich des Festes ankündigte, sich gemeinsam mit Vorpommern-Staatssekretär Patrick Dahlemann (SPD) für das Projekt einsetzen zu wollen.

Schwesig: "Fakten müssen auf den Tisch"

Der neue Plan: Die Kosten für eine erste Machbarkeitsstudie für das Projekt in Höhe von 400.000 Euro sollen aus dem Strategiefonds des Landes kommen – und zwar schon im kommenden Jahr. Schwesig sagte in der Ostsee-Zeitung: „Ich bin offen für das Thema und würde gut finden, wenn Geld aus dem Strategiefonds fließt.“ Um die Eisenbahnbrücke bauen zu können, müssten vorher „Fakten auf den Tisch“, so die Ministerpräsidentin weiter.

Das Verkehrsministerium von Christian Pegel wird in demselben Bericht mit dem Satz zitiert, das Land wolle „beim Bund weiterhin mit Nachdruck für diese neue Fernverkehrsverbindung eintreten.“ Das ist insofern bemerkenswert, alsda die Schweriner Behörde bislang keineswegs mit übermäßiger Sympathie für das Vorhaben aufgefallen war. Vielmehr war der Plan, der die Insel Usedom in rund zwei statt bisher knapp vier Stunden an per Bahn an Berlin anbinden würde, in der Schweriner Koalition lange ein rotes Tuch. Die Phalanx bröckelte allerdings, seit 2016 mit Patrick Dahlemann ein ausgewiesener Befürworter des Vorhabens Staatssekretär wurde.

Noch sind längst nicht alle überzeugt

Bislang hatten sich allerdings insbesondere die Ministerpräsidentin als auch ihr Vorgänger Erwin Sellering stets zurückgehalten mit Sympathiebekundungen. Das scheint nun anders zu sein. Allerdings müssen Dahlemann, Schwesig und Pegel noch ihre Fraktionskollegen überzeugen: „Wir werben für diese Entscheidung, sowohl in der SPD-Fraktion als auch in der CDU-Fraktion“, stellte Dahlemann am Samstag klar. Gefallen sei sie noch nicht.

Der Wiederaufbau der Strecke würde wahrscheinlich einen hohen zwei- bis niedrigen dreistelligen Millionenbetrag kosten. Die Kosten müsste der Bund tragen, nur die Planungskosten – von denen das 400 000-Euro-Gutachten der erste Schritt ist, müsste das Land finanzieren, ebenso wie den Betrieb von Regionalzügen auf der späteren Strecke.

Jutta Wegner (Grüne): Insel braucht Verlagerung des Verkehrs auf die Bahn

Zuletzt hatten die oppositionelle Linke und die Grünen wiederholt eine Intensivierung der Arbeit an dem Vorhaben gefordert. Denn in diesem Sommer hatten sich die Kapazitätsprobleme im Bahnverkehr an die Ostsee gehäuft, ebenso gab es die üblichen langen Staus im Autoverkehr auf die Insel Usedom. Für die MV-Grünen erklärte Jutta Wegner anlässlich des Brückenfests: „Wir haben eindeutig zu viele Autos auf Usedom!” Der Verkehr werde mit Inbetriebnahme des Swinetunnels und der neuen Wolgaster Ortsumgehung wohl noch weiter zunehmen. Dem müsse man etwas entgegenhalten, so Wegner: „Die Insel braucht also dringend eine Verlagerung des Straßenverkehrs auf Bahn und ÖPNV. Wir Grüne fordern seit Jahrzehnten die südliche Schienenanbindung von Usedom sowie den erforderlichen Schienennetz- und -infrastrukturausbau auf der Insel.”

Kommentare (1)

ist die alte Bahnstrecke. Und die Strecke führt nicht "von Ducherow über Swinemünde nach Usedom", sondern von Ducherow über Usedom bis nach Swinemünde. Weil aber Swinemünde größtenteils auch zur Insel Usedom gehört muss es einfach heissen von Ducherow bis nach Swinemünde. Ein kleiner Teil der Stadt gehört schon zur Insel Wollin.