Ostsee
Urlauber schützen junge Robbe am Strand von Usedom

„Bitte nicht stören! Robbe braucht Ruhe und schwimmt wieder weg.” Mit dieser Botschaft im Sand wollten Touristen am Ostseestrand von Bansin auf Usedom eine Robbe schützen.
„Bitte nicht stören! Robbe braucht Ruhe und schwimmt wieder weg.” Mit dieser Botschaft im Sand wollten Touristen am Ostseestrand von Bansin auf Usedom eine Robbe schützen.
Bettina Quentin

Eine Urlauberin aus Berlin ist oft an der Ostsee, aber so eine Entdeckung hat sie noch nicht gemacht. Zusammen mit ihrer Schwester nahm sie sich der jungen Robbe an.

So lange sie schon zum Urlaub an die Ostsee fährt, die Entdeckung der Robbe auf Usedom war sicher ein Höhepunkt für Bettina Quentin. Beim Spaziergang am Sonntag, kurz vor der Abreise, fand die Berlinerin das Tier, das wie angeschwemmt am Strand bei Bansin lag und sich ausruhte.

Ihre Zwillingsschwester, die eine Woche früher angereist war, hatte bereits das Glück gehabt, eine Robbe am Strand beobachten zu können und den Fund der Tierschutzbehörde gemeldet. „Die Robben machen im Meer die Fischernetze auf, fressen sich ganz voll und ruhen sich dann am Strand aus”, habe man ihr dort erklärt. „Sie wälzen sich am Strand, schlafen und brauchen ganz viel Ruhe.” Dennoch hatte die Tierschutzbeauftragte bei einer Untersuchung sichergestellt, dass das Tier wohlauf war.

Als Quentins Schwester nach ein paar Stunden wieder an die Stelle kam, zeugte nur noch das von der Naturschutzbehörde angebrachte Absperrband von der Anwesenheit der Robbe. Die hatte sich wieder ins Wasser zurückgezogen, wie die Expertin es gesagt hatte: „Es dauert ein paar Stunden, bis sie wieder ins Meer zurückkehren”, wissen Quentin und ihre Schwester jetzt.

Je weißer das Fell, desto jünger die Robbe

Vor dem zweiten Robbenfund waren sie also gut vorbereitet. Es handelte sich wohl um ein Jungtier, noch nicht ganz ausgewachsen, schätzt Quentin. Je weißer das Fell, desto jünger sei die Robbe, weiß sie durch ihre Schwester. Das Bansiner Tier war schon recht dunkel, wies aber noch ein paar weiße Streifen aus. Ihre Entdecker zeichneten einen Kreis um die Robbe und schrieben in den Sand „Bitte nicht stören. Robbe braucht Ruhe. Schwimmt wieder weg.”

Ein wichtiger Zusatz. Im April 2018 hatte ein unkundiger Feuerwehrmann am Strand von Heringsdorf ein vermeintlich gestrandetes Robbenbaby zurück ins Wasser gesetzt, das daraufhin ertrunken war. Am Strand von Sellin auf Rügen war vor einer Woche das erste Robbenbaby des Jahres gesichtet worden.

Der Bansiner Robbenfund verlief dagegen auch dank der gut informierten Finderinnen vorbildlich. Nach und nach spazierten weitere Schaulustige vorbei und blieben stehen. „Ohne dass wir etwas gesagt haben, haben alle die Linien beachtet”, erzählt Quentin. Mit manchen sei man ins Gespräch gekommen. So standen die Spaziergänger einträchtig da und beobachteten die Robbe beim Verdauungsschläfchen.

Sie hat geknurrt und gefaucht

Nur wenn die Umstehenden zu dicht herankamen, habe sie auch mal ein bisschen geknurrt und aufgesehen, erzählt Quentin. „Ich hatte den Eindruck, dass sie das nicht so gern hatte, weil sie dann so ein Fauchen von sich gegeben hat.” Ansonsten habe sich die Robbe, wie es die Naturschutzbeauftragte gesagt hatte, einfach ausgeruht. „Nur mal ist sie auch aufgestanden, ein paar Meter weiter gewatschelt und hat sich wieder hingelegt”, erinnert sich Quentin.

Inzwischen ist die Urlauberin wieder in Berlin. Mit einer Urlaubserinnerung, die sie so schnell nicht vergessen wird.