BLUTTAT AUF USEDOM

Verdächtige heuchelten nach Tod von Maria K. Mitleid

Sie saßen bei der Trauerfeier neben dem Freund der Getöteten: Nicolas K. und Nico G., die mutmaßlichen Mörder der jungen Frau aus Zinnowitz. Inzwischen legten sie Teilgeständnisse ab.
Holger Schacht Holger Schacht
Bei der Gedenkfeier sollen die beiden Tatverdächtigen in der letzten Reihe gesessen haben – lachend.
Bei der Gedenkfeier sollen die beiden Tatverdächtigen in der letzten Reihe gesessen haben – lachend. Bastian Schlüter
Zinnowitz.

Wenn sie es denn wirklich waren, wovon die Staatsanwaltschaft allerdings immer fester überzeugt ist, und mitnichts als der puren Mordlust als Motiv hingegangen sind und Maria K. vor einem Monat in ihrer Wohnung in Zinnowitz auf Usedom umgebracht haben, um ihr beim Sterben zuzusehen: Dann müssen Nicolas K. (19) und Nico G. (21), die seit gestern in U-Haft sitzen, wirklich fern von Emotionen sein. Eiskalt.

Und das nicht nur bei Planung und Durchführung der Tat – Maria starb durch mehrere Messerstiche -, sondern auch in den Tagen und Wochen danach, die für alle anderen Menschen aus Marias Leben so voller Tragik und Trauer waren. Ausgerechnet die Gedenkfeier für die erstochene Maria in der Kirche bot die Bühne für eine weitere erschütternde Momentaufnahme dieser Gefühlskälte. Marias Freund Alex (16), der der Vater ihres ungeborenen Kindes war, schilderte jetzt nach der Verhaftung der beiden Tatverdächtigen erschüttert die Details.

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Tatverdächtige holten Marias Freund ab

Am Tag der Trauerfeier hätten ihn Nicolas und Nico in vom Bahnhof abgeholt. Sie seien mit ihm zur Kirche gegangen und bei ihm geblieben. Alex musste damals glauben, dass sie ihm in seiner Trauer beistehen wollten. Im Rückblick wird klar: Vielleicht war es auch nur die schaurige Lust, nach der Bluttat dann auch noch einen Menschen aus nächster Nähe weinen zu sehen, dem man selbst das Liebste genommen hatte.

Alex kannte insbesondere Nicolas ganz gut. Fassungslos erzählte er am Mittwoch: „Als Mensch konnte der richtig lustig sein, man konnte ihm viel erzählen, er behielt auch Geheimnisse für sich.“ Niemals hätte Alex es für möglich gehalten, dass Nicolas zu so einer Tat fähig sei.

Noch besser als zu Alex war der Kontakt des unter Mordverdacht stehenden Nicolas allerdings zum späteren Opfer Maria. Die, so erzählt Alex, seien oft gemeinsam unterwegs gewesen. Viel gefeiert hätten die beiden, bis Maria dann schwanger geworden sei. Dass die beiden mutmaßlichen Mörder überhaupt auf die Trauerfeier gegangen sind, macht Alex richtig fassungslos. Er findet nur schwer Worte für dieses Verhalten. „Respektlos“, sagt er dann irgendwann, sei das gegenüber der toten Maria gewesen.

Nicolas K. und Nico G. sollen über Tat gesprochen haben

Weniger Kontakt hatte Alex zum zweiten Tatverdächtigen. Den hatte er nur zwei oder drei Mal getroffen. „Ganz ruhig, ganz still, ganz normaler Typ“, so hatte Alex Nico erlebt. Auch ihm hätte er eine solche Tat nie zugetraut. Aber wem traut man so etwas schon zu?

Aber noch in einem anderen Punkt sollte sich herausstellen – wenn die zwei denn wirklich überführt werden können –, dass Alex mit seiner Einschätzung der beiden Männer falsch lag. Denn eine Eigenschaft, die Alex ihnen zuschrieb, hatten sie nicht: Verschwiegenheit. In ihrem Umfeld sprachen sie offenbar über ihre Tatbeteiligung, was die Polizei dann auch auf ihre Fährte führte. Und bei den ersten Vernehmungen, das teilte die Staatsanwaltschaft mit, legten sie zumindest Teilgeständnisse ab.

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