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Wanka: Schulnoten sind ein guter Maßstab

Unser Korrespondent Rasmus Buchsteiner sprach mit der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Johanna Wanka (CDU), über die Ergebnisse der jüngsten ...

Unser Korrespondent Rasmus Buchsteiner sprach mit der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Johanna Wanka (CDU), über die Ergebnisse der jüngsten Schulstudie und ihre Pläne nach der Bundestagswahl.

Die soziale Schicht des
Elternhauses entscheidet in Deutschland laut Schulstudie weiter über die
Lernerfolge von Kindern. Geht es in deutschen
Schulen nicht gerecht zu?
Herkunft darf nicht über Zukunft entscheiden. Wir sollten die Befunde dieser Studie sehr ernst nehmen. Der enge Zusammenhang zwischen sozialem Hintergrund und Schulabschlüssen bleibt eine große Herausforderung. Dabei kommt es vor allem auf die Lehrer an. Die Studie zeigt, dass Schüler und Eltern die Arbeit der Pädagogen sehr schätzen. Wenn wir mehr Chancengerechtigkeit an den Schulen wollen, muss bei den Lehrern angesetzt werden.

Wo sehen Sie
Handlungsbedarf?
Es kommt darauf an, junge Lehrer bereits im Studium auf den gezielten Umgang mit Leistungsunterschieden in ihrer Klasse vorzubereiten und die Kompetenzen zur individuellen Förderung zu stärken. Das ist in der Ausbildung bisher noch nicht ausreichend verankert. Wir starten jetzt eine Qualitätsoffensive. Der Bund stellt 500 Millionen Euro zur Verfügung, um die Lehrerausbildung in Deutschland zu stärken.

Können Lehrer wirklich ausgleichen, was im
Elternhaus schief läuft?
Nein. Das wäre eine Überforderung. Die Ursachen von Chancenungleichheit und Bildungsrückständen sind laut der Studie auch im Elternhaus zu suchen. Wenn die Eltern zu Hause nicht vorlesen, kann sich bei den Kindern auch keine Freude am Lesen entwickeln. Es geht also darum, die Eltern zu gewinnen. Wir fördern hervorragende Projekte wie Lesestart, die Eltern beispielsweise über Kinderärzte erreichen und ihnen Vorlesebücher und Tipps an die Hand geben.

Was halten Sie von Überlegungen, Schulnoten und auch das Sitzenbleiben
abzuschaffen?
Kinder und Jugendliche wünschen sich klare Rückmeldungen. Sie wollen, dass ihre Leistung auch anerkannt wird. Und das spiegelt sich nun mal in Schulnoten wider. Sie sind ein guter Maßstab. Es bringt nichts, alle Schüler über einen Kamm zu scheren. Wenn das Klassenziel nicht erreicht wird, muss individuell gefördert werden, möglicherweise geht das am besten durch das Wiederholen eines Jahrgangs. Andernfalls droht später in der Schullaufbahn das Scheitern.

16 Bundesländer, 16 Schulsysteme – wünschen Sie sich mehr Einheitlichkeit?
Ich möchte mehr Vergleichbarkeit, nicht mehr Einheitlichkeit. Der Wettbewerb zwischen den Ländern ist wichtig und notwendig. Es muss aber Standards geben, damit klar ist, dass Viertklässler etwa in Nordrhein-Westfalen und Bayern auf ungefähr dem gleichen Lernstand sind.
Auch beim Abitur wünsche ich mir bundesweit einheitliche Standards.

Viele Länder habe das „Turbo-Abi“ (G8) eingeführt. Hat sich das Modell
wirklich bewährt?
Das ist Sache der Länder. Aber schauen Sie nach Sachsen: Dort wurde direkt nach der Wiedervereinigung auf zwölf Jahre bis zum Abitur gesetzt.Die Ergebnisse sind hervorragend: Sachsen ist im bundesweiten PISA-Vergleich die Nummer Eins und setzt auch bei der Bildungsgerechtigkeit Maßstäbe. G8 funktioniert, wenn man es richtig ausgestaltet. Am schlimmsten ist ein ständiges Hin und Her. In vielen Ländern wird zwei Jahre nach der G8-Einführung schon wieder über einen Ausstieg nachgedacht. Eine solche Politik verunsichert Schüler, Lehrer, Eltern.
Ist es nicht Zeit für mehr Bundeskompetenz in Sachen Bildung und Schule?
Die SPD blockiert unseren Vorschlag für eine Grundgesetzänderung, die mehr Bundeskompetenz bei den Hochschulen bringen würde. Das ist ein ärgerliches Wahlkampfmanöver. Die SPD spielt sich als Verfechterin von mehr Bundeszuständigkeit für die Schulen auf. Aber konkrete Vorschläge hat sie nicht in ihrem Wahlprogramm. Mein Ziel ist, dass wir mit der Verfassungsänderung für die Wissenschaft beginnen. Dafür kämpfe ich. Wenn sich da die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern bewährt, lässt sich sicherlich leichter über Veränderungen im Schulbereich reden. Die Blockade der SPD ist schädlich für Deutschland.

Sehen Sie noch Chancen für eine BAföG-Reform in dieser Wahlperiode?
Wir brauchen die Reform dringend. Meine Länderkollegen haben jetzt unsere durchgerechneten Vorschläge auf dem Tisch. Ich will das Thema unabhängig vom Wahlkampf vorantreiben und hoffe, dass wir uns bald über Grundzüge einig sind. Es ist höchste Zeit, das BAföG flexibler zu gestalten und an die Lebenswirklichkeit anzupassen.

Sie sind im Februar nach der Plagiatsaffäre um Ihre Vorgängerin Annette Schavan ins Amt gekommen. Wollen Sie im Fall eines
Erfolgs von Schwarz-Gelb auch nach der Wahl Bildungsministerin bleiben?
Für mich ist es jetzt wichtig, meine Arbeit gut zu machen. Sie macht mir viel Spaß. Über alles Weitere mache ich mir noch keine Gedanken.