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Wer die Peene säubert, findet auch Knochen

VonRico ClemenFlaschen, Styropor, Plastikbehälter – und sogar ein großer Knochen.Unweit von Anklams Zentrum mutiert eine Bucht der Peene immer weiter zur ...

Auch dieser gewaltige Knochen, den Frank Pulow da in der Hand hält, wurde aus der Peene gefischt. Er stammt wohl aus einer früheren Roßschlachterei.  FOTOs: Rico Clemen

VonRico Clemen

Flaschen, Styropor, Plastikbehälter – und sogar ein großer Knochen.
Unweit von Anklams Zentrum mutiert eine Bucht der Peene immer weiter zur Müllhalde. Die Anklamer Jugendwerkstatt sagt ihr den Kampf an.

Anklam.„Egal wo man hinschaut, überall Müll“, sagt Volker Worschech, während er durch das matschige Schilf am Ufer der Peene watet. Der Touristenführer begleitet die Jugendwerkstatt Anklam zu ihrer jährlichen Müllsammelaktion. In den letzten Jahren ist die Gruppe immer wieder am selben Ort gelandet – die kleine Bucht hinter der neuen Eisenbahnbrücke. Sie ist zu einem großen, unbeachteten Auffangbecken für den Abfall der Anklamer geworden. Jedes Jahr wird die Situation schlimmer – ein richtiger Dreckmagnet ist aus dem idyllischen Platz geworden.
„Unsere blauen Säcke haben nicht ausgereicht, um all den Müll mitzunehmen“, sagt Frank Pulow, Mitarbeiter der Jugendwerkstatt. Nach gut einer Stunde waren bereits alle Boote der Kanustation Enke bis zum Rand gefüllt, doch ein Blick tiefer in das Schilfmeer zeigt: Hier müsste man mit einer Armee von Putzwilligen anrücken, um all dem Dreck Herr zu werden. „Dass der Müll bis weit über die Ufer verteilt ist, ist wasserstandsbedingt“, erklärt Worschech. Im Frühjahr tritt die Peene über die Ufer und verteilt den Abfall über das jetzt begehbare Festland.
Und was da alles angespült wurde: Ein zerbeulter Feuerlöscher, ein massiver Wäschetrog, und sogar ein großer Tierknochen. „Der Knochen stammt wahrscheinlich von einer alten Roßschlachterei“, sagt Pulow. Dass es sich um einen Menschenknochen handelt, ist ausgeschlossen – dafür ist er viel zu groß. Der überraschendste Fund des Tages: ein völlig intaktes Fahrrad samt Helm. „Das hat wohl jemand gestohlen und dann ins Wasser geworfen, weil er es nicht mehr brauchte“, sagt Worschech.
Diese großen Funde sind aber die Ausnahme. Das meiste, was dort in der Peene schwimmt, ist Alltagsmüll, wie Flaschen und Verpackungen. Auch Bauabfälle der neuen Eisenbahnbrücke werden angespült. „Ich habe Verständnis, wenn man einer ins Wasser gefallen Plastikflasche nicht hinterherspringt. Aber diese Unmengen sind einfach zu viel. „Es wird jedes Jahr mehr“, so Worschech.
Auch die Jugendlichen sind Überrascht: „Ich hätte nicht gedacht, dass es so viel ist“, sagt Paul. Trotz der großen Herausforderung sind die Berufsschüler unglaublich motiviert am Werk und packen kräftig mit an – viele von ihnen streben handwerkliche Berufe an. „Das ist eine wichtige Erfahrung für die Schüler. Die meisten haben eine schwierige Vergangenheit hinter sich und haben hier richtige Erfolgserlebnisse“, sagt Ute Keller, Betreuerin aus der Jugendwerkstatt. Am Ende des Tages wartet der aufgetürmte Müll auf die Abholung durch den städtischen Bauhof. „Die Mission war ein Erfolg – wenn man das überhaupt als Erfolg bezeichnen kann“, sagt Pulow. Besser sei es, erst gar nicht solche Aktionen durchführen zu müssen.