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Wie Maus und Eisbär trocken werden

Die kleine Maus schüttelt sich bezogen auf ihr Körpergewicht genauso stark wie ein Eisbär oder Grizzlybär, um das Wasser im Fell loszuwerden. US-amerikanische Forscher haben das Schüttelverhalten verschiedener Säugetiere untersucht.

Was hat eine winzig kleine Maus mit einem 260 Kilogramm schweren Grizzlybären gemeinsam? Beide schütteln sich die Feuchtigkeit nach der gleichen ...

Was hat eine winzig kleine Maus mit einem 260 Kilogramm schweren Grizzlybären gemeinsam? Beide schütteln sich die Feuchtigkeit nach der gleichen mathematischen Formel aus dem Fell. Das haben jetzt US-amerikanische Forscher vom Georgia Institute of Technology in Atlanta herausgefunden, die sich das Trockenschüttelverhalten verschiedener Säugetierarten einmal genauer angeschaut haben.
Andrew K. Dickerson und sein Team übergossen dazu sechszehn verschiedene Säugetierarten – von der Maus, über die Ziege und das Känguru bis hin zum Tiger und Grizzlybären – mit Wasser, und beobachteten dann mit speziellen Hochgeschwindigkeitskameras, wie sich die einzelnen Spezies der Feuchtigkeit wieder entledigten. „Trockenes Fell isoliert etwa zwölfmal besser als nasses“, sagt Dickerson, „und so würden felltragende Tiere bei nasskalter Witterung unterkühlen, könnten sie sich nicht wieder trocken. Innerhalb von Sekunden gelingt es ihnen aber die Feuchtigkeit wieder aus dem Fell zu schütteln.“ Interessanterweise trocknen sich nun alle untersuchten Spezies dabei nach ein und derselben mathematischen Formel, egal ob Meerschweinchen oder Labrador: Die Analyse der Videoaufnahmen brachte zu Tage, dass die Schüttelfrequenz gleich der Körpermasse der Tiere hoch minus 0,22 ist. Mit anderen Worten heißt das: Die kleine Maus, die ihr Fell dreißigmal pro Sekunde hin und her wirft, schüttelt sich – bezogen auf ihr Gewicht – genauso stark, wie der große Sumatratiger, der gerade einmal vier Hin- und Herbewegungen benötigt.
Dabei müssen die Tiere es schaffen, durch das Schütteln Zentrifugalkräfte aufzubauen, die stark genug sind, um die Kapillarkräfte, die das Wasser im Fell halten, überwinden zu können. Das Abschütteln verläuft dann auch immer auf die gleiche bewährte Weise, die ebenfalls artübergreifend ist. Es entsteht eine regelrechte Schüttelwelle, die am Kopf ihren Anfang nimmt und dann über den ganzen Körper hinweg bis zum Schwanzende läuft. Sie kann sogar so heftig werden, dass es die Tiere regelrecht von den Beinen haut. Da das Fell relativ locker auf dem Körper der untersuchten Säugetiere sitzt – im Gegensatz zur Haut des Menschen etwa – wird es so möglich, dass sich das Fell mitsamt seiner Wasserlast noch in die eine Richtung bewegt, während der Tierkörper darunter sich schon in die andere Richtung schüttelt. Aufgrund der Massenträgheit ist der Abschleudereffekt dann auch am größten. Die Wissenschaftler hoffen nun, ihre Erkenntnisse über die „Dynamik des Wasserabweisens“ in die Entwicklung sich selbst reinigender Oberflächen einfließen lassen zu können. „Digitalkameras verfügen heute schon über Vorrichtungen, die Staub erfolgreich abschütteln können“, resümiert
Dickerson. „In der Zukunft könnten selbstreinigende und selbsttrocknende Oberflächen eine noch sehr viel wichtigere Rolle einnehmen.“