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Handwerk sieht zunehmende Probleme bei Betriebsnachfolge

Berlin / Lesedauer: 2 min

In den nächsten fünf Jahren werden mindestens 125.000 Familienbetriebe im Handwerk einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin brauchen. Doch das Personal ist knapp, klagen Handwerk und DIHK.
Veröffentlicht:06.08.2023, 04:48

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Das Handwerk sieht zunehmende Probleme bei der Betriebsnachfolge. „Es fällt immer schwerer, Betriebsnachfolger zu finden oder Meisterinnen und Meister, die sich selbstständig machen oder ein Unternehmen gründen wollen“, sagte Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, der Deutschen Presse–Agentur. Die Deutsche Industrie– und Handelskammer (DIHK) berichtete von einem geringeren Interesse an Unternehmensgründungen.

„Viele junge Leute erkennen offenbar immer weniger die Chancen eines eigenen Unternehmens, sondern fühlen sich durch Hemmnisse, Gängelei und Stolpersteine regelrecht abgeschreckt“, sagte DIHK–Präsident Peter Adrian der dpa.

Bürokratische Zwickmühle

Dittrich sagte mit Blick auf die Probleme: „Das hat ganz viel mit dem Bild von Selbstständigkeit und Unternehmertum zu tun, das vermittelt wird. Und das hängt mit der überbordenden Bürokratie zusammen, die viele vom Schritt in die Selbstständigkeit abschreckt. Sie erzeugt die Sorge, in die bürokratische Zwickmühle zu geraten, die Fülle an Vorschriften nicht erfüllen zu können und dadurch großen persönlichen Risiken ausgesetzt zu sein.“

Allein im Handwerk werden nach Verbandsangaben mindestens 125.000 Familienbetriebe in den nächsten fünf Jahren eine Unternehmensnachfolgerin oder einen Unternehmensnachfolger suchen. Insgesamt gebe es rund 1 Million Handwerksbetriebe.

Dittrich, der Dachdeckermeister ist, sagte weiter: „Als Praktiker kann ich Ihnen sagen: Ein Unternehmer kann nur in dem Maße erfolgreich sein, wie ihm Freiräume zu wirtschaftlich erfolgreichem Handeln gelassen werden, er nicht mit überbordenden Vorgaben und Regelungen gegängelt wird, und ihn die Steuer– und Sozialabgabebelastungen nicht an den Rand der Leistungsfähigkeit bringen. Soll sich Unternehmertum lohnen und sollen die Betriebe wirtschaftlich erfolgreich arbeiten können, brauchen sie wachstumsfördernde und wettbewerbsstärkende Maßnahmen.“

Adrian: Wirtschaft und Politik müssen „gemeinsam ran“

„Wir haben in den Industrie– und Handelskammern in Deutschland überall Teams, die junge Leute bei der Existenzgründung oder bei der Übernahme eines Unternehmens beraten und unterstützen“, sagte DIHK–Präsident Peter Adrian.

„Noch nie haben unsere Beraterinnen und Berater von einem so geringen Interesse an der Gründung oder Übernahme eines Unternehmens berichtet. Auch, wenn das zum Teil an derzeit attraktiven Jobangeboten für Angestellte liegen mag, sollten uns diese Rückmeldungen aufrütteln“, so Adrian. „Wenn immer weniger junge Leute eine Firma gründen oder einen Betrieb übernehmen, werden unserem Land schon in naher Zukunft Kreativität und Gründermentalität fehlen. Hier müssen wir als Wirtschaft und Politik gemeinsam ran.“